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Freitagsgedanke: Ehrlichkeit

Es ist so eine Sache mit der Ehrlichkeit. Einerseits möchte man das ja haben, dass Menschen ehrlich sind, und andererseits gibt es Formen von Ehrlichkeit, die einem nicht ganz so schmecken. Wer Kinder hat oder Kinder kennt, kennt diese Geschichten, wo ein Kind offen und ehrlich etwas sagt, und die Erwachsenen sich überlegen, ob sie jetzt lachen oder weinen sollen und ob sie das Kind ermuntern sollen, weiterhin ehrlich zu sein, oder doch die Grenzen der Ehrlichkeit kennen zu lernen.

Wie so oft ist es eine Frage der Situation und des Standpunkts und manchmal auch der Verpackung.

Verpackung ist mein Stichwort im Zusammenhang mit HR, und da vor allem mit Recruiting und Personalmarketing. Hochglanz wird da gerne genommen, das Phrasenschwein ist gut gefüllt, wir suchen alle die dynamischen, gut ausgebildeten, teamfähigen Mitarbeiter, denen an Work-Life-Balance und ständigen Herausforderungen gelegen ist und die unbedingt bei uns, dem familienfreundlichen, innovativen Marktführer arbeiten wollen. Und Kaffee und Obst gibt’s natürlich auch.

Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich in meiner Arbeit ganz ohne Buzzwords auskomme. Auch gehört es aus meiner Sicht durchaus dazu, dass man manches ein wenig verpackt – in einer Stellenanzeige offen davon zu sprechen, dass die Chefin eine Chaotin ist und ihre Mitarbeiter gern mal vor den Kopf stößt, wäre zwar ehrlich, aber vielleicht doch nicht so zielführend. Wenn ich aber weiß, dass ich jemanden für dieses Team suche, könnte es sinnvoll sein, mir Gedanken zu machen, wie ich das beschreibe, ohne zu sehr zu beschönigen. Das ist dann die hohe Kunst des Textens, und ich glaube, da müssen viele Kolleginnen und Kollegen noch üben. Ich auch.

Wie ehrliche Stellenanzeigen aussehen können, zeigt eine Agentur aus Offenbach: https://www.ausdertechnik.de/jobs
Ich finde das gut. Da weiß ich als Interessierte gleich, worauf ich mich bei diesem Arbeitgeber einlassen würde. Schnörkellos und auf den Punkt. Das ist Ehrlichkeit, die authentisch wirkt und mir nicht das Blaue vom Himmel verspricht. Dass auf die „klassischen“ Bewerbungsunterlagen verzichtet wird, kommt sicher dem ein oder anderen entgegen. Es wäre der Agentur zu wünschen, dass sie mit ihrer frischen Ansprache tatsächlich genau die erreichen, die sie haben wollen.

Haben Sie auch Beispiele für gute, ehrliche, mutige Stellenanzeigen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

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Das perfekte Anschreiben. Das perfekte Anschreiben?

Mit dem perfekten Anschreiben ist es wie mit Schrödingers Katze.
Es existiert, und gleichzeitig existiert es nicht.

Die Physiker*innen unter meinen Leser*innen mögen mit die Simplifizierung verzeihen, aber das Bild passt einfach zu schön.

Was meine ich damit, wenn ich sage, dass das perfekte Anschreiben existiert und nicht existiert?
Ein Anschreiben ist perfekt, wenn…
… es an den passenden Ansprechpartner addressiert ist
… der Firmenname richtig geschrieben ist
… klar hervorgeht, auf welche Position ich mich bewerbe

Aber das sind Binsenweisheiten, und darüber habe nicht nur ich schon einige Male geschrieben (vermutlich ist das ein Grund dafür, warum „Anschreiben“ und „wie lesen Personaler Anschreiben“ immer wieder als Suchbegriffe auf mein Blog führen).

Letztendlich ist es viel einfacher, und doch so kompliziert. Ein Anschreiben ist dann perfekt, wenn es im Gesamtpaket Ihrer Bewerbung so stimmig ist, dass Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen.

Gleichzeitig gibt es das perfekte Anschreiben aber nicht. Denn Sie können gar nicht immer die Erwartungen Ihrer Leser*innen erfüllen, weil Sie diese nicht kennen. Klar, es kann immer mal sein, dass Sie z.B. auf einer Messe ein*en Personaler*in getroffen haben, ein nettes Gespräch hatten, eine Visitenkarte mitnahmen und im Nachgang eine Bewerbung schicken. Aber selbst dann wissen Sie nicht genau, was Ihr Gegenüber hören oder lesen möchte.

Die meisten Kolleg*innen sagen, sie wollen keine Floskeln lesen. Das verstehe ich. Aber je floskelhafter die Ausschreibung ist, desto schwieriger ist es für die meisten Bewerber, nicht ebenso floskelhaft zu antworten. Jahrelange Bewerbungs“traditionen“ tun das ihre dazu.

Ob wir diese Situation irgendwann einmal auflösen werden? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe, dass es immer häufiger Unternehmen gibt, die versuchen, es den Bewerbern möglichst leicht zu machen, indem sie z.B. auf seitenlange Onlineformulare verzichten, oder so knackige Anzeigen texten, dass es selbst Schreibmuffeln leicht fällt, darauf zu antworten, und ich denke, dass das ein guter Weg ist. Ich selbst lese Anschreiben nach wie vor gerne, weil es immer wieder welche gibt, die sich abheben, die mir tatsächlich etwas über die Person verraten, die dahinter steckt, und weil ich außerdem wertschätze, dass sich jemand die Arbeit gemacht hat, ein Anschreiben zu formulieren. Wenn es holprig ist, ist es eben holprig.

Auf das Gesamtpaket kommt es an. Zumindest bei mir.

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