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Einfach mal raus

Der Frühling ist da, und an vielen Orten lädt das Wetter dazu ein, das Haus zu verlassen und nach draußen zu gehen. Wenn Sie nicht gerade Pollenallergiker*in sind, ist das auch eine tolle Sache mit diesem „Draußen“.

Nun ist das hier bekanntlich kein Naturliebhaberinnenblog, auch wenn ich letzte Woche über Hirsche schrieb, und es geht mir, betriebliches Gesundheitsmanagement und Fitnessprogramme hin oder her auch gar nicht darum, Sie dazu zu bringen, dass Sie sich mehr bewegen. Ich kenne Sie ja nicht, vielleicht trainieren Sie eh schon für den nächsten Marathon und haben für meine Frühlingsspaziergänge nur ein müdes Lächeln übrig.

Wir Menschen sind schnell dabei, andere in Schubladen zu stecken. Gerade in Medien wie Twitter fällt mir das immer wieder auf, wie „einfach“ das doch zu sein scheint. Da steckt jeder in seiner Filterbubble, man folgt Menschen, die ähnlich schreiben (und denken?) wie man selbst, wer einem nicht in den Kram passt, ist fix entfolgt, und durch Retweets und Herzchen („Likes“) finden sich irgendwie immer wieder diejenigen zusammen, die einander zustimmen. Das ist gut und wichtig und hat seine Berechtigung. Gleichzeitig hören viele von uns, wir müssten kreativer sein, ach was, innovativer, wir müssen jetzt digital werden oder es am besten schon sein, wir müssen… Ja, was eigentlich? Und wie stelle ich das an, dass die Ideen sprudeln und ich als modern und agil wahrgenommen werde?

Es ist eine spannende Zeit. Wir können mit einem Mausklick oder Fingertipp Informationen aus jeder Ecke der Welt bekommen, uns inspirieren lassen, Neues entdecken. Aber tun wir das wirklich? Oder verstärken wir nur das, was wir kennen, was in unserer eigenen Bubble gerade passiert und „in“ ist?

Ich möchte Sie einladen, immer mal rauszugehen aus Ihrem Umfeld. Was bewegt andere? Was sind deren Themen? Ist tatsächlich alles schon „digital“? Oder kommt uns das nur so vor, wenn wir uns selbst für digitalaffin halten?

Es ist das Jahr 2017. Die meisten Menschen haben eine E-Mail-Adresse, viele haben ein Smartphone, es gibt an vielen Orten „schnelles“ Internet, da liegt es nahe, davon auszugehen, dass die Menschen „digital“ unterwegs sind. Eines meiner Hobbys ist der Betrieb eines Forums. Ja, das kann man auch im Jahr 2017 noch machen, das funktioniert. Das Forum besteht seit 2006 und die Nutzerzahlen steigen immer noch an. Das Thema ist ein eher „handfestes“, zum Finger schmutzig machen, es geht um LKW. Ich habe 2014 auf der Webcon in Aachen vom Forum erzählt und da für einige Lacher gesorgt. IT-affine Menschen amüsieren sich meist königlich über die Anfragen, die bei uns als Betreiber so auflaufen.

Wohlgemerkt, es ist das Jahr 2017. Das bedeutet aber nicht, dass alle Menschen auf dem gleichen Level sind, was den Umgang mit E-Mail, Internet und Co. angeht. So bekommen wir regelmäßig Anrufe von Nutzern, die bei der Registrierung an unserer Sicherheitsfrage (kein Captcha, das kein Schwein lesen kann, sondern eine simple Frage) scheitern und keine Vorstellung davon haben, was es heißt, einen Begriff „in Großbuchstaben“ einzugeben. Dann gibt es diejenigen, die sich per Mail benachrichtigen lassen, wenn ihnen jemand im Forum eine Nachricht geschrieben hat. In dieser Mail steht dann sinngemäß: „Du hast eine persönliche Nachricht von User X bekommen. Um die Nachricht zu lesen, klicke auf diesen Link.“ Was macht der Nutzer? Klickt in seinem Mailprogramm auf „antworten“ und schickt seine Nachricht an die Admins. Und so weiter. Geschichten dieser Art gibt es viele.
Nun sind das beileibe nicht alles Rentner über 65, und das sind auch nicht unbedingt dumme Menschen. Das sind einfach Menschen, die in ihrem Alltag ganz andere Themen haben. Die arbeiten nicht am Rechner, haben kein halbes Dutzend coole Apps auf dem Smartphone und denken beim Stichwort „agil“ eher an einen Sportler als an eine Arbeitsweise .
Mich erdet die Beschäftigung mit den Problemen meiner Nutzer immer wieder. Denn ich kann einfach nicht davon ausgehen, dass jeder auf dem gleichen Stand ist wie ich es bin.

Und so geht es mir auch mit dem ein oder anderen HR-Thema (apropos HR, nicht jeder weiß sofort, was damit gemeint ist. Auch das fällt einem in der eigenen Filterbubble nicht unbedingt auf. Wo ich wohne ist HR übrigens der Hessische Rundfunk und nicht das Personalmanagement): was bei meinem Arbeitgeber wichtig und aktuell ist, ist nicht überall wichtig und aktuell. Was im Konzern funktioniert oder funktionieren muss, lässt sich nicht eins zu eins auf ein kleines Unternehmen übertragen. Die einen sind über die Automatisierung von Prozessen schon hinaus und denken weiter, die anderen arbeiten noch mit Excel-Listen. Das eine ist nicht grundsätzlich besser als das andere. Es ist im jeweiligen Kontext zu betrachten. Nicht alle, die beim Thema Digitalisierung erst am Anfang stehen, sind Dinosaurier oder gar unflexibel oder doof. Nicht alle, die schon mittendrin stecken in der Digitalisierung, sind die großen Vorbilder. Wenn ich Menschen für digitale Themen begeistern will, mache ich das am besten nicht mit dem großen Hammer (auch Meinungsverstärker genannt) – ich hebe mir das grobe Werkzeug dann doch eher für meine Schrauberaktivitäten am Laster auf.

Eine gute Möglichkeit zum „rausgehen“ und „rausdenken“, ist, bei Twitter kuratierten Accounts zu folgen. Da schreibt wöchentlich jemand anderes, und so bekommt man nahezu automatisch Themen auf den Tisch bzw. aufs Display, an die man vorher noch nicht gedacht hat.

Was sind Ihre Tipps, aus Ihrer Filterbubble herauszukommen? Schreiben Sie mir gerne, hier als Kommentar, als E-Mail oder auch bei Twitter.

 

 

 

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Bewerbungstipp (42): „outside the box“ oder nicht?

Wo man im Deutschen meist davon spricht, über den Tellerrand zu schauen, denkt man im Englischen außerhalb der Kiste: „outside the box“ ist ein Ausdruck, der gerne auch mal im Recruiting und in der Personalentwicklung verwendet wird. Um das Unternehmen voranzubringen, wird „outside the box thinking“ als notwendig und wünschenswert angesehen. Wir wissen ja, Digitalisierung, Transformation, Zukunft, New Work, Arbeit 4.0, da können wir nicht mehr nur in unserem eigenen kleinen Suppenteller herumschwimmen, da geht es hinaus aufs weite Meer.
In gewisser Weise ist das wohl auch so, und wenn Sie jemand sind, der das „outside the box thinking“ gut kann, dann machen Sie das, erzählen Sie in Ihrer Bewerbung davon, setzen Sie diese Fähigkeit ein, wann und wo auch immer es passt.

Aber ich möchte Sie heute einladen, dazu einen anderen Standpunkt einzunehmen und zu überlegen, ob es nicht manchmal sinnvoll sein kann, gerade nicht „outside the box“ zu sein und zu denken, sondern „inside the box“. Also, sich unter bestimmten Rahmenbedingungen zurechtzufinden und trotz oder gerade wegen der Beschränkungen voranzukommen, Probleme zu lösen und kreativ zu sein.
In vielen Bereichen ist es genau das, was Sie brauchen, um Ihren Job zu machen. Gute Ideen erkenne ich nicht ausnahmslos daran, dass sie neu sind oder innovativ oder „etwas ganz anderes“, sondern daran, dass sie machbar sind und mir für mein Problem weiterhelfen. Wie viele Ideen sind schon in den Schubladen oder Kisten der Zeit verschwunden, weil sie zwar zunächst gut schienen, aber in der Praxis dann doch nicht funktionierten. Oft passiert das, weil man in Brainstormingsessions zu sehr versucht, „outside the box“ zu sein und zu denken, weil das ja hip und toll und prima ist.

Bevor Sie also in Ihrer Bewerbung vom Tellerrand oder von Kisten erzählen, machen Sie sich Gedanken, was tatsächlich zu Ihnen und zu der Position bzw. dem Umfeld passt. Und auch Sie/Ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sie/Ihr Stellenanzeigen textet und Personalentwicklungspläne schreibt, schauen/schaut gerne noch ein zweites oder drittes Mal hin. Nicht immer ist „outside the box“ das, was gebraucht wird, nicht immer ist „inside the box“ ein Zeichen für Verbohrtheit, und manchmal brauchen wir auch beides. Aber das ist so ein bisserl wie die eierlegende Wollmilchsau, das soll heute nicht Thema sein.

Wer mehr über Möglichkeiten der Ideenfindung lesen möchte, die über „outside the box thinking“ hinausgehen, dem sei „Das Buch der Ideen“ von Kevin Duncan ans Herz gelegt. Ich habe die englische Version gelesen („the ideas book“) und schon einige Tipps daraus erfolgreich anwenden können.

Abschließend ein Beispiel für „inside the box thinking“, das zeigt, dass das manchmal die sinnvollste Lösung sein kann: im Film „Apollo 13“ sehen sich die Astronauten mit dem Problem konfrontiert, dass ein Kohlendioxidfilter nicht mehr funktioniert und dass es unterschiedliche Filtersysteme gibt. Unten am Boden sucht man Wege, das Problem zu bewältigen. Die Aufgabe ist es, einen Adapter für einen runden Filteranschluss auf einen eckigen Anschluss zu bauen, und zwar nur mit den Materialien, die es an Bord der Raumfähre auch gibt. „Inside the box“ eben. Das nutzen, was man hat, nicht das, was man gerne hätte. In vielen Jobs sind die Situationen längst nicht so kritisch wie damals im All, aber das Prinzip des „inside the box thinking“ lässt sich mit diesem Beispiel schön darstellen. Sie finden die Geschichte auch im Buch der Ideen. 🙂

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