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Freitagsgedanke: immer feste druff?

Manche Probleme lassen sich durch beherztes Draufhauen lösen. Zum Beispiel beim Holzhacken (wobei eine scharfe Axt auch sehr hilft, fast noch mehr als die Kraft, die man aufwendet. Aber das ist ein anderes Thema.) oder manch anderer körperlicher Tätigkeit. Ein befreundeter Mechaniker sagte einmal zu mir: „Probiere es nicht mit Gewalt. Nimm einen größeren Hammer.“

Überall da, wo ich es mit Dingen zu tun habe, kann ein „immer feste druff“ je nach Situation tatsächlich die passende Maßnahme sein (aber nicht vergessen, „nach fest kommt ab“). Doch wenn ich mit Menschen arbeite, sieht die Sache wieder anders aus.

Ja, wir führen mitunter auch Kritikgespräche oder müssen eine Abmahnung aussprechen. Aber auch da kommt es weniger darauf an, verbal um sich zu schlagen, sondern einfach klar und eindeutig zu kommunizieren, ohne die Person verächtlich zu machen oder auf einer persönlichen Ebene anzugreifen. Erfahrene Führungspersonen, Personalerinnen und Personaler kennen das und handeln entsprechend.

Trotzdem scheint das nicht flächendeckend selbstverständlich zu sein. Wer kennt nicht diese Führungskräfte, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klein halten oder klein machen, die „von oben herab“ agieren und die in ihren Teams ein Klima des gegenseitigen Misstrauens schüren und teilweise sogar zelebrieren. Oder die „Kollegen“, die in einem solchen Team munter in alle Richtungen austeilen und eher gegeneinander statt miteinander zu arbeiten.

Warum sich manche am Arbeitsplatz wie die sprichwörtliche Axt im Walde benehmen (um den Bogen zum Holzhacken zu schlagen), dafür mag es viele Gründe geben. Aber es gibt aus meiner Sicht keine Rechtfertigung dafür, schlecht mit anderen umzugehen oder gar Mobbing zu betreiben. Das passiert leider immer noch zu häufig – mit teilweise weitreichenden Folgen für die Betroffenen.

Schwierige Situationen oder Konflikte verlangen uns manchmal einiges ab. Und nicht immer fällt es leicht, „gut“ zu kommunizieren. Doch mit „immer feste druff“ werden wir die Herausforderungen einer sich ändernden Arbeitswelt nicht bewältigen. Irgendwann werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „mit den Füßen abstimmen“, wenn die Atmosphäre nicht mehr stimmt, und es ist ein Trugschluss, Vakanzen „mal eben schnell“ neu besetzen zu können.

Als Führungskräfte und als Personalerinnen und Personaler dürfen wir die Verantwortung dafür, auf ungeeignete Kommunikation und problematische Verhaltensweisen hinzuweisen und gegebenenfalls zu handeln, nicht ignorieren, sondern können und sollen unseren Beitrag für ein gutes Arbeitsumfeld leisten.

Lesenswert zum Thema ist das Buch „The No Asshole Rule: Building a Civilized Workplace and Surviving One That Isn’t“ von Robert I. Sutton. [Es gibt auch eine deutsche Übersetzung, die ich allerdings nicht gelesen habe und zu deren Qualität ich nichts sagen kann.]

 

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Spielregeln lernen oder ein anderes Spiel spielen?

Vor kurzem stolperte ich über eine ganzseitige Anzeige in der ZEIT, die mich einladen wollte, ein Seminar zu buchen, in dem ich

die Spielregeln hierarchischer Kommunikation

lernen könne, um beruflich erfolgreicher zu werden.

Nun habe ich von der Seminaranbieterin vor Jahren schon einmal ein Buch gekauft und gelesen und fand es damals auch sehr gut und hilfreich, aber inzwischen sehe ich die ganze Sache kritischer. Denn: ist es denn wirklich sicher, dass die „hierarchische Kommunikation“ ein Modell ist, was auch in Zukunft erfolgreich ist (falls es das jemals war) und für das es sich lohnt, Zeit zu investieren?

Wäre es nicht vielmehr an der Zeit, darüber nachzudenken, wie Kommunikation (nicht nur im Unternehmen) zwischen Menschen gut, zielführend, fair und inklusiv stattfinden könnte, statt althergebrachtes Mann-Frau-Denken fortzuführen und den einen zu sagen, sie könnten ruhig so sein, und den anderen, sie sollten dieses „So Sein“ halt lernen? Wäre es nicht an der Zeit, zu schauen, in welchen Strukturen und Organisationsformen Frauen und Männer erfolgreich sein können?
Mal ganz abgesehen davon, dass beileibe nicht jeder Mann in hierarchischen Organisationen erfolgreich ist und nicht in jedem Mann ein großer haariger Urwaldbewohner steckt und nicht in jeder Frau eine graue Maus…

Vorurteile und Schubladen sind Teil unseres Lebens und lassen sich auch nicht einfach so wegdefinieren. Aber wir können uns einmal beobachten und schauen, in welche Fallen der „automatischen“ Zuschreibung wir immer wieder tappen und es beim nächsten Mal versuchen, anders zu machen. Wobei das wirklich nicht einfach ist, da wir von klein auf entsprechende Bilder bekommen, die sich im Kopf festsetzen. Zum Beispiel gibt es in der Sendung mit der Maus derzeit eine kleine Serie, in der die Herstellung einer Drehleiter für die Feuerwehr gezeigt wird. Wir sehen Männer, die schweißen, Männer, die den Hammer schwingen, Männer, die Rostschutz auftragen – und wir sehen die Frühstückspause im Werk, und Frauen, die das Essen bringen und es verteilen. Wir sehen zwar bei der Vorbesprechung über die Spezifikationen des Fahrzeugs auch eine Frau mit am Planungstisch sitzen, aber welches Bild behalten wohl Kinder im Kopf?

Worauf achten wir, wenn wir Bewerberinnen und Bewerber auswählen, wenn wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beurteilen? Wie ist das mit Männern, die introvertiert sind und sich mit den hierarchischen Spielchen schwer tun? Wie ist das mit Frauen, die sehr präsent sind, aber trotzdem keine Lust auf Spielchen haben? Was sind unsere Kriterien, was könnten Kriterien sein?

Ich maße mir nicht an, die Lösung für diese Fragen und Themen zu haben, im Gegenteil, ich bin selbst noch auf der Suche, aber ich bin sicher, dass es mit einem simplen „weiter so wie gehabt“ nicht getan ist, wenn wir auch in der Zukunft erfolgreiche Organisationen haben wollen und vor allem die zur Organisation passenden Menschen finden und halten wollen.

Zum Weiterlesen empfohlen: Büronymus: Working while female und Stop fixing the women!

Vielleicht haben Sie ja Lust, in die Diskussion einzusteigen? Ich freue mich, von Ihnen zu hören!

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Freitagsgedanke: HR mal wieder nur zu doof?

Ja, ich weiß, erst wochenlang nicht bloggen und dann gleich wieder das alte ausgeleierte Thema mit den doofen HR-lern, irgendwie ist es ja abgenutzt.
Oder doch nicht?

Warum komme ich heute darauf? Diese Woche fand in Köln die „Zukunft Personal“ statt. Ich war nicht dort, da es zeitlich einfach nicht gepasst hat. Aber ich habe das ein oder andere mitbekommen, gerade bei Twitter, und dabei fiel mir ein Grundtenor mancher Kommentare auf, der folgende Richtung hatte:
HR-ler sind altmodisch, unbeweglich und haben weder Ohr noch Auge noch Zeit noch Lust für die vielen neuen tollen Trends.

Da haben wir’s also wieder. Täglich Regelmäßig grüßt uns dieses Murmeltier und ich bin es wirklich leid. Ich sehe mich selbst als jemanden, die gerne über den Tellerrand schaut, Neues ausprobiert und neugierig ist. Ich arbeite nicht im luftleeren Raum, wo ich machen kann, was ich will, sondern in einer Organisation, einem System, unter bestimmten Rahmenbedingungen und mit bestimmten Personen. Die kann ich nicht so einfach austauschen, wenn sie anderer Meinung sind oder über (m)ein Thema anders denken oder wenn sie die neue Idee noch nicht verstanden haben. Da bin ich dann gefordert, sie irgendwie mitzunehmen. Das klingt ein bisserl nach Pädagogik der 1990er, die Menschen mitnehmen, die Menschen abholen, aber so ganz verkehrt ist dieser Ansatz meiner Meinung nach nicht.

Und genauso, wie ich das im Unternehmen machen könnte/sollte/müsste, um etwas Neues auf den Weg zu bringen, etwas zu verändern, so wünsche ich mir das auch von so manchem Heißsporn im HR-(Beratungs-)Umfeld, der vielleicht gute Ideen hat, aber HR-ler erst einmal vor den Kopf stößt und verkündet, diese seien die Bremser und Blockierer und wüssten gar nicht zu schätzen, was ihnen das tolle Tool, die Denk- oder Herangehensweise so alles bringen könne. Manchmal hilft es, vor diesem HR-Bashing zu schauen, mit wem man es eigentlich zu tun hat.
Ich hatte selbst schon ein paar Mal darüber gebloggt, wie das so ist mit den „neuen“, den „anderen“ Personalern, die sich der ein oder andere wünscht. Wenn ich bei der Stellenbesetzung im Personalbereich so konservativ und vorsichtig agiere wie seit Jahren („Hamma imma scho so gmacht“) und eben nicht die einstelle, die den angeblich gesuchten „frischen Wind“ reinbringen, dann bekomme ich eben weiterhin einen bestimmten Typ Mensch, der diese Arbeit macht. Und das ist auch nicht komplett falsch. Wenn sich etwas bewährt hat, muss ich es nicht ändern, nur weil man jetzt eben etwas ändert.
Aber: ich bin der festen Überzeugung und habe das auch selbst schon erlebt, dass sich auch die „traditionellen“ HR-ler mitnehmen und überzeugen lassen, wenn man sich auf sie und ihre Geschichte und Tradition einlässt und ihnen eben nicht von oben herab erklärt, dass sie altmodisch seien und nichts verstehen würden.

Oft macht’s der Methodenmix. Nehmen wir ein Beispiel aus der Personalentwicklung: nur noch e-learning oder MOOCs anzubieten wäre aus meiner Sicht genauso wenig zielführend wie die Beschränkung auf Präsenzseminare. Im Recruiting hat die gute alte Printanzeige noch nicht in allen Bereichen ausgedient, und völlig papierlos ist das Personalbüro auch im Jahr 2016 noch nicht. Aber es tut sich eine ganze Menge, manches davon im Verborgenen, d.h., es wird (noch) nicht darüber gebloggt, getwittert, gesnapchatted (ist das ein Wort?), aber es wird auf Netzwerktreffen darüber gesprochen und die positive Saat, die man legen kann, wenn man leidenschaftlich und respektvoll von einem (neuen) Thema schwärmt, die wird irgendwann sicher aufgehen.

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