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„Mir nach! Ich kenne den Weg!“

Fans von Harrison Ford aka Indiana Jones erinnern sich vielleicht an diese Szene: alle sind gerettet und glücklich und sitzen wieder auf ihren Pferden. Da galoppiert Marcus Brody, der sich angeblich mal in seinem eigenen Museum verlaufen hat, plötzlich los und ruft: „Mir nach! Ich kenne den Weg!“ (oder so ähnlich – Cineasten mögen es mir nachsehen, wenn ich den exakten Wortlaut nicht wiedergegeben habe.)

Im Film reiten alle hinterher, lassen sich also führen.

Ohne Pferd sähe Marcus Brody in dieser Szene vielleicht so aus:

 

 

 

 

 

Es gibt gefühlt ebenso viele Theorien zum Thema Führung und Leadership wie es Menschen gibt, und ich möchte Ihnen heute keine weitere Theorie präsentieren. Aber ich möchte Ihnen ein Bild zeigen, über das ich neulich stolperte und das mich ziemlich irritierte. Ich fand das Bild in einem Buch mit Visualisierungsideen zu unterschiedlichen Businessthemen. Beim Thema „Leadership“ fand sich unter dem Stichwort „das Team mitnehmen“ ein Männeken ähnlich dem oben gezeigten. Aber nicht nur ein Männeken, sondern auch noch ein Handwagen:

 

 

 

 

 

Und, Sie vermuten es vielleicht schon, das Team sitzt im Wagen. Schön passiv, brav der Führungskraft folgend.

 

 

 

 

 

 

Ja, so ungefähr habe ich auch geguckt.

Meine erste Assoziation bei diesem Bild: schau mal, ein Kita-Ausflug!

Wie oft reden und diskutieren wir darüber, dass wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als das behandeln sollen, das sie sind. Nämlich erwachsene Menschen, die eigene Entscheidungen treffen können und Verantwortung für sich und ihr Handeln übernehmen.

Sicher mag es Menschen geben, die sich lieber ins Wägelchen setzen und sich fahren lassen (und ihrer Führungskraft beim Arbeiten zuschauen), aber zu meinem Führungsverständnis und Menschenbild passt dieses Bild schlicht nicht.

Ich mag Bücher (und Blogs) mit Visualisierungsideen. Und es gibt da auch richtig gute Sachen. Aber ich kann nur dazu raten, vor der Verwendung von Bildern kurz darüber nachzudenken, ob sie tatsächlich das aussagen, was ich meine, oder ob es noch weitere (vielleicht unpassende) Bedeutungen gibt. Obenstehendes Bild werden Sie jedenfalls auf meinen Flipcharts nicht finden – es sei denn, ich halte einen Workshop in einer Kita. Da könnte es dann wieder passen. Aber da würde ich den Männeken im Wagen bestimmt noch Mützchen aufsetzen. 🙂

Schreiben Sie mir gerne Ihre Assoziationen zum Bild oder auch Ihre Erfahrungen mit Visualisierungsideen. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.

 

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Freitagsgedanke: immer feste druff?

Manche Probleme lassen sich durch beherztes Draufhauen lösen. Zum Beispiel beim Holzhacken (wobei eine scharfe Axt auch sehr hilft, fast noch mehr als die Kraft, die man aufwendet. Aber das ist ein anderes Thema.) oder manch anderer körperlicher Tätigkeit. Ein befreundeter Mechaniker sagte einmal zu mir: „Probiere es nicht mit Gewalt. Nimm einen größeren Hammer.“

Überall da, wo ich es mit Dingen zu tun habe, kann ein „immer feste druff“ je nach Situation tatsächlich die passende Maßnahme sein (aber nicht vergessen, „nach fest kommt ab“). Doch wenn ich mit Menschen arbeite, sieht die Sache wieder anders aus.

Ja, wir führen mitunter auch Kritikgespräche oder müssen eine Abmahnung aussprechen. Aber auch da kommt es weniger darauf an, verbal um sich zu schlagen, sondern einfach klar und eindeutig zu kommunizieren, ohne die Person verächtlich zu machen oder auf einer persönlichen Ebene anzugreifen. Erfahrene Führungspersonen, Personalerinnen und Personaler kennen das und handeln entsprechend.

Trotzdem scheint das nicht flächendeckend selbstverständlich zu sein. Wer kennt nicht diese Führungskräfte, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klein halten oder klein machen, die „von oben herab“ agieren und die in ihren Teams ein Klima des gegenseitigen Misstrauens schüren und teilweise sogar zelebrieren. Oder die „Kollegen“, die in einem solchen Team munter in alle Richtungen austeilen und eher gegeneinander statt miteinander zu arbeiten.

Warum sich manche am Arbeitsplatz wie die sprichwörtliche Axt im Walde benehmen (um den Bogen zum Holzhacken zu schlagen), dafür mag es viele Gründe geben. Aber es gibt aus meiner Sicht keine Rechtfertigung dafür, schlecht mit anderen umzugehen oder gar Mobbing zu betreiben. Das passiert leider immer noch zu häufig – mit teilweise weitreichenden Folgen für die Betroffenen.

Schwierige Situationen oder Konflikte verlangen uns manchmal einiges ab. Und nicht immer fällt es leicht, „gut“ zu kommunizieren. Doch mit „immer feste druff“ werden wir die Herausforderungen einer sich ändernden Arbeitswelt nicht bewältigen. Irgendwann werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „mit den Füßen abstimmen“, wenn die Atmosphäre nicht mehr stimmt, und es ist ein Trugschluss, Vakanzen „mal eben schnell“ neu besetzen zu können.

Als Führungskräfte und als Personalerinnen und Personaler dürfen wir die Verantwortung dafür, auf ungeeignete Kommunikation und problematische Verhaltensweisen hinzuweisen und gegebenenfalls zu handeln, nicht ignorieren, sondern können und sollen unseren Beitrag für ein gutes Arbeitsumfeld leisten.

Lesenswert zum Thema ist das Buch „The No Asshole Rule: Building a Civilized Workplace and Surviving One That Isn’t“ von Robert I. Sutton. [Es gibt auch eine deutsche Übersetzung, die ich allerdings nicht gelesen habe und zu deren Qualität ich nichts sagen kann.]

 

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