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Ein paar Gedanken zu Führung

Es haben sich schon viele kluge Menschen Gedanken zum Thema Führung gemacht. Bücher dazu füllen viele Regalmeter in großen und kleinen Bibliotheken, und auch in meinen Bücherregalen findet sich einiges an Lesestoff. Und mehr als einmal habe ich hier im Blog etwas dazu aufgeschrieben, z.B. über Platzhirsche und hinkende Vergleiche oder über die Beförderung der „richtigen“ Personen.

Nun bin ich, wie manche meiner Leserinnen und Leser wissen, nicht nur Personalerin. Ich bin auch Musikerin, Sängerin, Trainerin, und Gesellschafterin einer GmbH. Gründet man eine GmbH, wird man freudig in den Kreis der IHK-Mitglieder aufgenommen. Also, meist freut sich die IHK und die Unternehmerin wundert sich, falls sie von der automatischen Mitgliedschaft noch nichts gehört hat. Also wird das Unternehmen da halt Mitglied und wenn man mag, kann man ein regelmäßig erscheinendes Magazin beziehen.

Die aktuelle Ausgabe kam letzte Woche bei uns an, und als ich das Titelbild sah, hätte ich fast meine gute Kinderstube vergessen, wie mein Tweet von diesem Tag zeigt.

Zu sehen ist eine junge Frau in dunkelgrauem Kostüm – die Haare im Nacken zum Dutt zusammengesteckt, und natürlich mit High Heels, in denen ich zugegebenermaßen keine fünf Minuten überleben würde. Sie hält einen riesigen Hammer und zielt damit auf den Kopf eines Herrn mit Brille und Halbglatze, der entsprechend erschrocken guckt. Weitere Herren sind zu sehen, ebenfalls im Boden befindlich. Teilweise schauen nur Kopf und Schultern heraus, teilweise noch der Oberkörper. Die junge Frau hat einen Gesichtsausdruck, der wohl Entschlossenheit zeigen soll.

Schlagzeile dazu:

Quote oder Selbstvertrauen – Was brauchen Frauen für den Eintritt in Chefetagen?

Mein erster Gedanke: alles, bloß nicht solche Bilder!

Mein zweiter Gedanke: wer hat sich dieses Bild ausgedacht, und vor allem, wer hat es ausgewählt und freigegeben? Hat sich überhaupt jemand etwas dabei gedacht?

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich ein Bild vom Draufhauen hier im Blog. Immer feste druff? hieß im Februar 2018 einer meiner Freitagsgedanken. Aber es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, das Draufhauen als etwas Erstrebenswertes darzustellen.

Welches Führungsbild schwebte der Redaktion des Wirtschaftsmagazins vor, als sie dieses Titelbild wählten? Welches Menschenbild hat man dort? Welches Frauenbild?

Und vor allem: warum geht es (schon wieder) darum, ob oder wie Frauen anders werden könnten oder sollten, um Führungspersonen sein oder werden zu können? Im Heft selbst wird u.a. die These vertreten, dass Frauen ja einen mehr oder weniger großen eigenen Anteil daran hätten, dass sie in der Führungsriege nicht so häufig dabei seien. Ich halte das für viel zu kurz gedacht.

Niemand ist eine Insel.

Das sagte ein von mir sehr geschätzter Vorgesetzter einmal zu mir, als wir über Führungsthemen sprachen. Niemand agiert völlig frei vom System, in dem er oder sie unterwegs ist. Welcher Führungsstil bei meinem Arbeitgeber gewollt und gefördert wird, das kann ich mir als Individuum oft gar nicht aussuchen.

Über den kleinen Unterschied und ob und was das Geschlecht mit Führungsqualitäten zu tun hat, habe ich vor einer Ewigkeit (2014) gebloggt. Heute möchte ich dazu noch eine kleine Geschichte erzählen, die ich einmal erlebt habe. Ich hatte einen erfahrenen Kollegen um Rat gebeten, weil ich das Gefühl hatte, als Führungskraft immer wieder gegen die Wand zu laufen. Ich halte mich durchaus für eine selbstbewusste Frau und kenne meine fachlichen Qualitäten recht gut. Auch weiß ich, dass ich manchen Menschen zu direkt bin und dass meine Art, schnell zu denken, nicht bei allen positiv ankommt. Wir saßen also so zusammen und ich erzählte, was mich bewegte und was ich dazu beobachtet hatte. Er hörte mir zu und sagte dann: weißt du, du bist eine unserer besten Projektleiterinnen. Du bringst alles mit, was du für den Job brauchst. Du hast Mut, du kannst entscheiden, du lässt andere teilhaben, du kennst dich mit dem Thema aus. Aber es gibt eines, was du nicht hast. Denn du bist eine Frau. Und als Frau wirst du hier bei uns nie so akzeptiert werden. Denn alles, was ich bei dir an positiven Eigenschaften wahrnehme, nehmen andere negativ wahr, weil sie diese Eigenschaften nicht als weiblich empfinden. Und deshalb wirst du hier weiterhin gegen Wände laufen, egal, wie gut du bist.

Ob er mit dieser schwarz-weißen Interpretation vollumfänglich oder auch nur zu Teilen recht hatte, weiß ich nicht. Vieles spricht aber dafür, dass es Systeme gibt, in denen Frauen so gut sein können wie es nur geht und in denen sie dennoch nicht weiterkommen. Dann aber zu sagen, Mensch, Frauen, ändert euch, schaut euch was ab, lernt, anders zu sein, das ist keine Lösung.

Quote oder Selbstvertrauen, das ist auch keine Lösung. Mit Verlaub: das ist Quark.

Eine mögliche Lösung wäre vielmehr, zu überlegen, wie wir zusammenarbeiten wollen und wie wir einander führen wollen, egal, zu welchem Geschlecht wir uns zuordnen. Frauen sind Frauen und Männer sind Männer und vor allem sind Menschen einfach nur Menschen. Mit allen Ecken und Kanten. Und wo Menschen zusammenkommen und zusammenarbeiten läuft nicht immer alles glatt.

Doch die Führungskraft (männlich, weiblich, wieauchimmer), die meint, einen großen Hammer zu benötigen, um ihren Job erfolgreich zu machen, die tut mir leid. Das ist, Quote hin oder her, jedenfalls nicht das, was ich als Führungsperson anstrebe.

Ich freue mich auf Kommentare, Zustimmung, Kritik und aufs Wiederlesen hier im Blog oder drüben bei Twitter.

Ein Kommentar

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Freitagsgedanke: wer ist hier eigentlich die Hausfrau?

Vor einigen Tagen blätterte ich im Privatbahn-Magazin. Das Titelthema: Frauenpower braucht die Bahn! http://www.privatbahn-magazin.de/prima-cms/index.php?cat=Magazin&page=2017_01_Frauenpower

So weit, so gut. Ich habe selbst ja keinen technischen Beruf, aber ein technisches Hobby und mache mir gerne mal die Finger schmutzig, sei es am Oldtimer-LKW, am Traktor oder auch beim Heimwerken. Die Artikel waren gut geschrieben, teilweise waren mir die Fragestellungen nicht neu, manches habe ich dazugelernt.

Und dann kam sie, die ganzseitige Anzeige eines großen Konzerns.

Titel: „Datenanalysten sorgen für verlässliche Züge. Und pünktliche Väter.“ (Hervorhebung von mir)

Das Bild dazu: am Bahnsteig umarmt ein anzugtragender Vater seine Tochter im Teenageralter, während die Mutter schön daneben steht und lächelt.

Im Text wird dann noch einmal darauf eingegangen, dass der Lieblingstermin für Pendler zuhause stattfindet und welche Rolle Datenanalysten dabei spielen.

Immerhin gibt es ein weiteres Bild im unteren Teil der Anzeige, das einen Mann und eine Frau vor einem Bildschirmarbeitsplatz zeigt. Vielleicht gibt es die Datenanalysten ja auch in weiblich? Oder sie ist die Pendlerin, die auch gerne pünktlich zuhause sein möchte?

Nichts gegen traditionelle Rollenverteilung. Ich wünsche mir, dass jede Familie das für sie beste und sinnvollste Modell findet.

Aber wenn ich erst seitenlang darüber lese, wie wichtig Frauen auch in technischen Berufen sind und welche Chancen und Möglichkeiten es gibt, und dann diese Werbung sehe, dann weiß ich, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, bevor es selbstverständlicher wird, dass das Nachhausekommen zur wartenden Familie keine reine Männersache ist. So lange das immer wieder durch solche und ähnliche Bilder verstärkt wird, dass halt einer aus der Familie die Erwerbsarbeit macht, und dieser eine der Mann ist, so lange haben es Männer, die zuhause sein wollen oder in Teilzeit arbeiten, ebenso schwer wie Frauen, die nicht nur die „Kümmerin“ sein wollen oder können.

Was hat das nun mit Personal zu tun? Zum einen sollten wir auch im Personalmarketing immer wieder prüfen, welches Bild wir als Arbeitgeber transportieren. Zum anderen sowohl beim Recruiting als auch bei der Weiterentwicklung für bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schauen, welche Chancen Männer und Frauen haben und welches Rollenverständnis herrscht und ob wir das möglicherweise ändern sollten. Und auch uns selbst sollten wir immer wieder fragen, ob es nicht versteckte (Vor-)Urteile und Schubladen gibt, auf die wir im Sinne einer Gleichbehandlung für alle Geschlechter künftig verzichten könnten.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und freue mich stets über Kommentare.

 

 

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