Pferde als Führungskräftetrainer und was Trommeln über Menschen aussagen

Vor ein paar Tagen hat Professor Kanning im Rahmen seiner Reihe „15 Minuten Wirtschaftspsychologie“ ein Video veröffentlicht, wo er sich der Frage, ob man von Pferden Führung lernen könne, gewohnt kritisch nähert. Ich verrate Ihnen jetzt nicht, was dabei herauskommt, aber wenn Sie schon einmal etwas von Professor Kanning gehört oder gelesen haben, können Sie es sich vermutlich denken. Trotzdem lohnt sich das Video, weil es eine schöne, kompakte Zusammenfassung ist.

Für erfahrene Personalentwicklerinnen und Personalentwickler sind Erkenntnisse, dass der Transfer aus einem Seminar in den Berufsalltag begleitet werden muss, um langfristig wirksam zu sein, nicht neu, aber es schadet nicht, sich das immer mal wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Viele Trainerinnen und Trainer berufen sich auf ihre langjährige Erfahrung, wenn sie gefragt werden, was ein Qualitätsmerkmal ihres Angebots ist. Doch auch viel Erfahrung in einem Bereich bedeutet nicht automatisch, dass jemand in diesem Bereich gut ist. Er oder sie kann ja auch jahrelang etwas falsch gemacht oder zumindest auf unpraktische Weise erledigt haben. Und man kann sich Dinge auch schön reden. So kenne ich persönlich zwar niemanden, der oder die als Pferdetrainer oder Pferdetrainerin mit Führungspersonen arbeitet, aber ich kenne aus meinem ursprünglich einmal gelernten und ausgeübten Beruf als Musikerin und Musikpädagogin einige Kolleginnen und Kollegen, die z.B. Teambuilding mit Musik anbieten. Dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden, gesetzt den Fall, man baut solche Trainings methodisch sauber auf und begleitet und verspricht nicht, dass sämtliche Teamkonflikte durch einen Tag gemeinsames Trommeln oder Tanzen oder Singen gelöst werden oder dass alle ab sofort harmonisch zusammenarbeiten. Solche Ziele brauchen Zeit und lassen sich nicht durch einen Impuls erreichen.

Manche Musiker glauben fest an eine Kraft oder gar Macht, die einem Instrument innewohnt und sind sich sicher, dass sich ein Instrument seinen Menschen „sucht“ und dass die Wahl des Instruments etwas über einen Menschen aussagt. Nun gebe ich ehrlich zu, dass ich mir in meinem Studium mit meinen Freundinnen und Freunden auch immer mal den Spaß gemacht habe, durch bloßes Beobachten von Kommilitonen und Kommilitoninnen „herauszufinden“, welches Instrument sie im Hauptfach studieren. Denn schließlich sind Violinisten alle gleich, und Blechbläserinnen auch. (Nein, natürlich nicht.) Manchmal lagen wir mit unseren Vermutungen richtig, oft lagen wir damit aber gewaltig daneben. Und dann gab es Leute wie mich, die zwei Hauptfächer hatten, wo wir selbst sagen mussten, nee, mit diesen simplen Zuschreibungen kommen wir da nicht weiter.

Methodisch unsauber ist es meiner Meinung nach, in einem Training, in dem Instrumente benutzt werden, als Trainerin oder Trainer zu sagen, aha, Frau Schmidt hat heute die große Trommel gewählt, die will wohl mal „auf die Pauke hauen“ und der Herr Müller tüdelt nur so ein bisschen mit dem Schellenkranz rum, der kann sich nicht durchsetzen. Leider kommt das aber immer wieder einmal vor. Ebenso, wie es vorkommt, dass gesagt wird, Herr Müller habe sich in der gemeinsamen Improvisation ja stark in den Vordergrund gespielt, dem müssen wir ihm Team mehr Verantwortung geben, oder ähnliche Interpretationen.

So funktioniert weder ein Orchester, noch ein Chor, noch ein Team im Unternehmen. Und ein Teamtag mit Musik ist keine Musiktherapiesitzung (oder sollte es jedenfalls nicht sein). Damit möchte ich nicht sagen, dass man so etwas grundsätzlich gar nicht erst machen sollte. Aber man sollte sich über die Möglichkeiten und Grenzen im Klaren sein – sowohl als Trainingseinkäufer als auch als Trainingsanbieter.

Wenn ich Projektchöre, „After Work Singing“ oder ähnliches anbiete, dann nicht, weil ich damit in erster Linie und ganz mittelbar ein unternehmerisches Ziel erreichen will, sondern weil Singen eine wunderbare Sache ist, die vielen Menschen Spaß macht und einen allgemeinen positiven Effekt hat (was immer wieder Gegenstand von Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen ist).

Und bei aller Effizienz und Nachweisbarkeit: Aktivitäten, die Spaß machen, gehören dazu, und nicht alles, was wir tun, muss ein direkt messbares Ergebnis bringen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein wunderbares Wochenende!

 

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Mach doch mal Pause

Hand aufs Herz (oder auf den Bauch), wie halten Sie es mit der Mittagspause, liebe Leserinnen und Leser? Schnell ein Brötchen zwischendurch, oder weg vom Schreibtisch, irgendwo nett essen gehen?

In Zeiten, wo alles immer furchtbar schnell gehen muss, muss für viele auch die Pause schnell gehen. Oder das Pause machen fällt gleich ganz unter den Tisch. „Ich kann ja vielleicht früher gehen.“ (Pustekuchen, das funktioniert nicht. Zumindest bei den meisten Leuten.)

Wenn man sich als HR-ler das Thema Gesundheit mit auf die Fahnen geschrieben hat, gehören Pausen mit dazu. Allerdings scheint es auch bei denen, die es wissen müssten, nicht immer zu klappen. So stellte sich vor zwei Jahren in einer Umfrage im angelsächsischen Raum heraus, dass gut die Hälfte der HR-ler selbst gar keine Mittagspause machen. Auf Englisch hier nachzulesen.

Vor Jahren hatte ich in London eine französische Chefin, die sich furchtbar darüber aufregte, dass unser Arbeitgeber davon ausging, man könne mit einer halben Stunde Mittagspause auskommen. Sie erzählte dann gerne von zuhause, von mindestens zweistündigen Pausen, mit gutem Essen und dem ein oder anderen Gläschen Wein. Dass das nicht nur eine persönliche Anekdote ist, zeigt dieser (recht lange) Blogbeitrag der Wissenschaftsjournalistin Johanna Bayer, die sich des Themas Mittagspause pointiert und kenntnisreich annimmt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme Pause, die Sie hoffentlich nicht am Arbeitsplatz verbringen, und ein schönes Wochenende!

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Bewerbungstipp (43): genau hinschauen

Wenn Sie dabei sind, sich zu bewerben, kennen Sie das vielleicht. Sie suchen Rat, wie das am besten zu bewerkstelligen sei. Sie fragen die Suchmaschine ihrer Wahl und bekommen mehr Ergebnisse, als Sie jemals lesen können, und haben die Qual der Wahl, was Sie mit diesen Ergebnissen anfangen sollten und wem Sie Glauben schenken wollen. Besonders beliebt sind Listen („Was Sie auf jeden Fall tun sollten“ – „Was Sie auf keinen Fall tun sollten“). Was ich davon halte (wenig), habe ich hier schon einmal kurz beschrieben.

Nur Sie selbst können entscheiden, welcher Tipp oder Ratschlag zu Ihnen und Ihrer Situation passt. Ich möchte Sie ermuntern, genau hinzuschauen und nicht alles, was Ihnen als „Expertenmeinung“ präsentiert wird, eins zu eins zu übernehmen. Selbst Experten können irren oder werden falsch zitiert oder aus dem Zusammenhang gerissen. Jemand, der seinen Arbeitstag damit zubringt, über Bewerbungen zu schreiben, hat möglicherweise einen anderen Standpunkt als jemand, der im Unternehmen mit der Personalauswahl betraut ist. Keiner von beiden hat alleine recht oder unrecht.

Vorsicht ist meiner Meinung nach geboten bei Artikeln, die aus dem Englischen (USA) übersetzt sind und uns hier als „neueste Informationen zum Bewerben“ präsentiert werden. Da steht schon mal drin, dass man die Innovationsfähigkeit eines Bewerbers an der von ihm verwendeten Schriftart erkennen könne oder dass eine Hotmail oder gar AOL E-Mail-Adresse darauf hindeute, jemand sei altmodisch. Ich fürchte, es gibt auch auf Seiten der Arbeitgeber Menschen, die so etwas glauben und ihre Auswahlkriterien danach richten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich ein schreibfehlerfreier, gut strukturierter Lebenslauf angenehm liest. Das geht mir auch so, und ich rate auch dazu, die Unterlagen ordentlich aufzubereiten. Aber übertreiben muss man es wahrlich nicht. Und wer behauptet, Ihre Persönlichkeit lasse sich aus der Gestaltung Ihrer Unterlagen herauslesen und Ihre Bewerbung daraufhin ablehnt, für den wollten Sie sowieso nicht arbeiten. Und ich auch nicht.

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Leseempfehlung: „future-hr-blog“

Heute möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, frischen Lesestoff meines geschätzten HR-Kollegen Dirk Ollmann ans Herz legen.

Er schreibt in seinem ersten Blogbeitrag auf Englisch darüber, was künftige Herausforderungen in der Personalarbeit sein könnten, was Industrie 4.0 für HR bedeutet, und lädt ein, den Faktor Mensch in den Fokus zu rücken.

Ich hoffe natürlich, dass wir bald mehr von ihm lesen werden und wünsche allen jetzt schon ein schönes Wochenende!

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Einfach mal raus

Der Frühling ist da, und an vielen Orten lädt das Wetter dazu ein, das Haus zu verlassen und nach draußen zu gehen. Wenn Sie nicht gerade Pollenallergiker*in sind, ist das auch eine tolle Sache mit diesem „Draußen“.

Nun ist das hier bekanntlich kein Naturliebhaberinnenblog, auch wenn ich letzte Woche über Hirsche schrieb, und es geht mir, betriebliches Gesundheitsmanagement und Fitnessprogramme hin oder her auch gar nicht darum, Sie dazu zu bringen, dass Sie sich mehr bewegen. Ich kenne Sie ja nicht, vielleicht trainieren Sie eh schon für den nächsten Marathon und haben für meine Frühlingsspaziergänge nur ein müdes Lächeln übrig.

Wir Menschen sind schnell dabei, andere in Schubladen zu stecken. Gerade in Medien wie Twitter fällt mir das immer wieder auf, wie „einfach“ das doch zu sein scheint. Da steckt jeder in seiner Filterbubble, man folgt Menschen, die ähnlich schreiben (und denken?) wie man selbst, wer einem nicht in den Kram passt, ist fix entfolgt, und durch Retweets und Herzchen („Likes“) finden sich irgendwie immer wieder diejenigen zusammen, die einander zustimmen. Das ist gut und wichtig und hat seine Berechtigung. Gleichzeitig hören viele von uns, wir müssten kreativer sein, ach was, innovativer, wir müssen jetzt digital werden oder es am besten schon sein, wir müssen… Ja, was eigentlich? Und wie stelle ich das an, dass die Ideen sprudeln und ich als modern und agil wahrgenommen werde?

Es ist eine spannende Zeit. Wir können mit einem Mausklick oder Fingertipp Informationen aus jeder Ecke der Welt bekommen, uns inspirieren lassen, Neues entdecken. Aber tun wir das wirklich? Oder verstärken wir nur das, was wir kennen, was in unserer eigenen Bubble gerade passiert und „in“ ist?

Ich möchte Sie einladen, immer mal rauszugehen aus Ihrem Umfeld. Was bewegt andere? Was sind deren Themen? Ist tatsächlich alles schon „digital“? Oder kommt uns das nur so vor, wenn wir uns selbst für digitalaffin halten?

Es ist das Jahr 2017. Die meisten Menschen haben eine E-Mail-Adresse, viele haben ein Smartphone, es gibt an vielen Orten „schnelles“ Internet, da liegt es nahe, davon auszugehen, dass die Menschen „digital“ unterwegs sind. Eines meiner Hobbys ist der Betrieb eines Forums. Ja, das kann man auch im Jahr 2017 noch machen, das funktioniert. Das Forum besteht seit 2006 und die Nutzerzahlen steigen immer noch an. Das Thema ist ein eher „handfestes“, zum Finger schmutzig machen, es geht um LKW. Ich habe 2014 auf der Webcon in Aachen vom Forum erzählt und da für einige Lacher gesorgt. IT-affine Menschen amüsieren sich meist königlich über die Anfragen, die bei uns als Betreiber so auflaufen.

Wohlgemerkt, es ist das Jahr 2017. Das bedeutet aber nicht, dass alle Menschen auf dem gleichen Level sind, was den Umgang mit E-Mail, Internet und Co. angeht. So bekommen wir regelmäßig Anrufe von Nutzern, die bei der Registrierung an unserer Sicherheitsfrage (kein Captcha, das kein Schwein lesen kann, sondern eine simple Frage) scheitern und keine Vorstellung davon haben, was es heißt, einen Begriff „in Großbuchstaben“ einzugeben. Dann gibt es diejenigen, die sich per Mail benachrichtigen lassen, wenn ihnen jemand im Forum eine Nachricht geschrieben hat. In dieser Mail steht dann sinngemäß: „Du hast eine persönliche Nachricht von User X bekommen. Um die Nachricht zu lesen, klicke auf diesen Link.“ Was macht der Nutzer? Klickt in seinem Mailprogramm auf „antworten“ und schickt seine Nachricht an die Admins. Und so weiter. Geschichten dieser Art gibt es viele.
Nun sind das beileibe nicht alles Rentner über 65, und das sind auch nicht unbedingt dumme Menschen. Das sind einfach Menschen, die in ihrem Alltag ganz andere Themen haben. Die arbeiten nicht am Rechner, haben kein halbes Dutzend coole Apps auf dem Smartphone und denken beim Stichwort „agil“ eher an einen Sportler als an eine Arbeitsweise .
Mich erdet die Beschäftigung mit den Problemen meiner Nutzer immer wieder. Denn ich kann einfach nicht davon ausgehen, dass jeder auf dem gleichen Stand ist wie ich es bin.

Und so geht es mir auch mit dem ein oder anderen HR-Thema (apropos HR, nicht jeder weiß sofort, was damit gemeint ist. Auch das fällt einem in der eigenen Filterbubble nicht unbedingt auf. Wo ich wohne ist HR übrigens der Hessische Rundfunk und nicht das Personalmanagement): was bei meinem Arbeitgeber wichtig und aktuell ist, ist nicht überall wichtig und aktuell. Was im Konzern funktioniert oder funktionieren muss, lässt sich nicht eins zu eins auf ein kleines Unternehmen übertragen. Die einen sind über die Automatisierung von Prozessen schon hinaus und denken weiter, die anderen arbeiten noch mit Excel-Listen. Das eine ist nicht grundsätzlich besser als das andere. Es ist im jeweiligen Kontext zu betrachten. Nicht alle, die beim Thema Digitalisierung erst am Anfang stehen, sind Dinosaurier oder gar unflexibel oder doof. Nicht alle, die schon mittendrin stecken in der Digitalisierung, sind die großen Vorbilder. Wenn ich Menschen für digitale Themen begeistern will, mache ich das am besten nicht mit dem großen Hammer (auch Meinungsverstärker genannt) – ich hebe mir das grobe Werkzeug dann doch eher für meine Schrauberaktivitäten am Laster auf.

Eine gute Möglichkeit zum „rausgehen“ und „rausdenken“, ist, bei Twitter kuratierten Accounts zu folgen. Da schreibt wöchentlich jemand anderes, und so bekommt man nahezu automatisch Themen auf den Tisch bzw. aufs Display, an die man vorher noch nicht gedacht hat.

Was sind Ihre Tipps, aus Ihrer Filterbubble herauszukommen? Schreiben Sie mir gerne, hier als Kommentar, als E-Mail oder auch bei Twitter.

 

 

 

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Von Platzhirschen, hinkenden Vergleichen und Küchenpsychologie

Vor ein paar Tagen bekam ich Post von einem Dienstleister, den ich hier nicht weiter nennen werde, aber wer die Post auch bekommen hat, dürfte wissen, wer gemeint war.

Ob ich Platzhirsch sei oder Bambi, fragt man im Anschreiben. Es gehe um Vorrangstellung von Unternehmen, aber auch um Führung. Hoppla, denkt das Naturkind in mir – denn dass der Platzhirsch das Rudel führt, ist zwar eine schöne Vorstellung, läuft aber bei Hirschen nicht so. Ein Rudel hat ein Leittier, eine erfahrene Hirschkuh, und auch zur Brunft- und Paarungszeit, wenn der Hirsch sich dem Rudel anschließt, gibt sie ihre Leitrolle nicht an ihn ab. „Ganz oben steht der Platzhirsch“, das mag vielleicht für marktführende Unternehmen so sein, aber als Vergleich aus der Tierwelt für „Führung“ oder „Leadership“ taugt es nicht. Es sei denn, man hält das Herumstolzieren mit hängender Zunge, das Brüllen und das Vermöbeln von Konkurrenten (also das, was der Hirsch während der Brunft halt so macht) für „gute Führung“. Mag sein, dass manche das so sehen. Ich jedenfalls nicht.

Aber gut, mit dem Bild vom Platzhirschen und der mangelnden Passung dieses Bildes hat man zumindest meine Aufmerksamkeit bekommen.

Doch der „Sind Sie Platzhirsch oder Mitläufer“-Test in dem dem Anschreiben beigefügten Druckerzeugnis brachte mich endgültig zu dem Schluss, dass dieser Dienstleister eine andere Zielgruppe anspricht als ich es bin. Schlecht gemachte Psychotests findet man in Glanz-und-Glamour-Magazinen ja zuhauf, und dass das mit der Psychologie nicht immer so einfach ist, darüber hatte ich vor einiger Zeit schon einmal gebloggt.

In der „Auswertung“ des Tests lese ich Sätze wie „Sie sind der geborene Anführer. Sie bestimmen gern und viel“ oder „Sie neigen zu Frustessen.“ oder „Sie sind eher blass und wirken oft schlapp.“
Das ist Küchenpsychologie vom Feinsten. Die Aussagekraft gleich null, aber Hauptsache schön plakativ und oberflächlich.

„Stop fixing the women!“ schrieb Robert Franken neulich in seinem Blog. Wer im Jahr 2017 Führung mit Männlichkeit (Platzhirsch) gleichsetzt, dem lege ich diesen Beitrag sehr ans Herz. Allen anderen aber auch 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und wenn Sie mögen, schreiben Sie mir gerne, was (gute) Führung für Sie bedeutet.

 

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Eingeordnet unter Führen, Klartext, Leadership

Freitagsgedanke: Ehrlichkeit

Es ist so eine Sache mit der Ehrlichkeit. Einerseits möchte man das ja haben, dass Menschen ehrlich sind, und andererseits gibt es Formen von Ehrlichkeit, die einem nicht ganz so schmecken. Wer Kinder hat oder Kinder kennt, kennt diese Geschichten, wo ein Kind offen und ehrlich etwas sagt, und die Erwachsenen sich überlegen, ob sie jetzt lachen oder weinen sollen und ob sie das Kind ermuntern sollen, weiterhin ehrlich zu sein, oder doch die Grenzen der Ehrlichkeit kennen zu lernen.

Wie so oft ist es eine Frage der Situation und des Standpunkts und manchmal auch der Verpackung.

Verpackung ist mein Stichwort im Zusammenhang mit HR, und da vor allem mit Recruiting und Personalmarketing. Hochglanz wird da gerne genommen, das Phrasenschwein ist gut gefüllt, wir suchen alle die dynamischen, gut ausgebildeten, teamfähigen Mitarbeiter, denen an Work-Life-Balance und ständigen Herausforderungen gelegen ist und die unbedingt bei uns, dem familienfreundlichen, innovativen Marktführer arbeiten wollen. Und Kaffee und Obst gibt’s natürlich auch.

Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich in meiner Arbeit ganz ohne Buzzwords auskomme. Auch gehört es aus meiner Sicht durchaus dazu, dass man manches ein wenig verpackt – in einer Stellenanzeige offen davon zu sprechen, dass die Chefin eine Chaotin ist und ihre Mitarbeiter gern mal vor den Kopf stößt, wäre zwar ehrlich, aber vielleicht doch nicht so zielführend. Wenn ich aber weiß, dass ich jemanden für dieses Team suche, könnte es sinnvoll sein, mir Gedanken zu machen, wie ich das beschreibe, ohne zu sehr zu beschönigen. Das ist dann die hohe Kunst des Textens, und ich glaube, da müssen viele Kolleginnen und Kollegen noch üben. Ich auch.

Wie ehrliche Stellenanzeigen aussehen können, zeigt eine Agentur aus Offenbach: https://www.ausdertechnik.de/jobs
Ich finde das gut. Da weiß ich als Interessierte gleich, worauf ich mich bei diesem Arbeitgeber einlassen würde. Schnörkellos und auf den Punkt. Das ist Ehrlichkeit, die authentisch wirkt und mir nicht das Blaue vom Himmel verspricht. Dass auf die „klassischen“ Bewerbungsunterlagen verzichtet wird, kommt sicher dem ein oder anderen entgegen. Es wäre der Agentur zu wünschen, dass sie mit ihrer frischen Ansprache tatsächlich genau die erreichen, die sie haben wollen.

Haben Sie auch Beispiele für gute, ehrliche, mutige Stellenanzeigen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

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Eingeordnet unter Klartext, Personalarbeit, recruiting