Tür auf, Tür zu, oder gar keine Tür? Hauptsache, das Denken bleibt offen.

Vor ein paar Tagen schmunzelte ich darüber, „wie das Großraumbüro erfunden wurde“.
Das Thema lässt auch eine große Tageszeitung nicht kalt und so finden sich innerhalb weniger Tage gleich zwei Artikel dazu, einmal pro und einmal contra Großraumbüro.

Bei der Arbeit die Türe schließen kann ich nur zuhause. Auch ich arbeite in einem offenen Büro und es gibt Tage, da mag ich das sehr und an anderen Tagen mag ich es überhaupt nicht.

Was ich darüber hinaus nicht mag, ist schlampige Sprachverwendung durch Journalisten – denn die könnten es besser wissen (und auch besser machen).
Wenn jemand eine Situation oder ein Verhalten befremdlich findet, oder wunderlich, oder sonderbar, warum bezeichnet er es dann nicht so? Wem ist geholfen, für diese Situation oder dieses Verhalten ein Wort wie autistisch oder behindert zu verwenden, so, wie es auch in der großen Tageszeitung geschah? Das ist nicht nur unhöflich, sondern auch verletzend für Betroffene, vor allem, wenn damit eine negative Empfindung beschrieben wird.

Es gibt so viele prächtige beschreibende Worte, um die mitunter skurrilen Verhaltensweisen zu benennen, die uns im Arbeitsalltag begegnen können. Ich denke da an verschroben, schrullig, kauzig – und wenn es einfach nur darum geht zu sagen, dass Einzelbüros einsam machen oder der Abgewandtheit Vorschub leisten oder so manchem Eigenbrötler (oder mancher Eigenbrötlerin) eher entgegenkommen als Großraumbüros, dann lässt sich das auch genau so sagen.

Wir haben häufig nicht die Wahl, ob unser Arbeitsplatz in einem Großraumbüro liegt oder ob wir unsere „eigenen vier Wände“ haben, aber wir haben die Wahl, welche Worte wir wählen, um unsere Umwelt zu beschreiben. Natürlich wird es immer mal menscheln und zu Missverständnissen und Konflikten kommen. Kaum jemand kommuniziert immer perfekt, und manchmal tritt man auch ins Fettnäpfchen, doch wenn man offen bleibt für andere Sichtweisen und sich anhört, was das Gegenüber stört, kann das sehr bereichernd sein. Deshalb: Augen und Ohren offen halten, ob mit oder ohne Bürotür.

 

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HR-Trends 2018: neues BPM-Konzeptpapier

Listen. Überall Listen. Die 9/14/47 bestern/tollsten/bequemsten Vorsätze/Ratschläge/Tipps für das Jahr 2018. Kaum ein Tag, an dem man nicht über irgendwelche Listen stolpert. Ich bin davon kein so großer Fan. Deshalb gibt es bei mir auch keine Listen.

Wenn jedoch eine Liste mit Fragen und Thesen unterfüttert ist, wie das Konzeptpapier des BPM mit den 8 HR Trends 2018, dann finde ich das teilenswert.

Noch habe ich nicht zu jedem Punkt etwas zu sagen, aber das Jahr ist jung und ich werde zu gegebener Zeit etwas zur Diskussion beitragen.

Gespannt bin ich, wie sich die Hashtags #futureofwork und #HRtrends2018 verbreiten werden. Der Anfang ist zumindest gemacht.

 

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Bewerbungstipp (44): Vorbereitung aufs Gespräch

Auch im Jahr 2018 bleibt der Dienstag der Wochentag, an dem Sie hier meine persönlichen Bewerbungstipps lesen können, und zwar aus der täglichen Praxis für die Praxis. Mir ist es ein Anliegen, Ihnen etwas Handfestes mitzugeben, zumindest für die Situationen, für die das möglich ist.

Derzeit führe ich viele Bewerbungsgespräche und manchmal lade ich vor dem eigentlichen Termin im Unternehmen erst einmal zu einem Telefonat ein. Während es für die meisten Bewerberinnen und Bewerber selbstverständlich zu sein scheint, sich auf ein persönliches Gespräch gut vorzubereiten, zeigt mir meine Erfahrung, dass das für Telefonate nicht im gleichen Maße gilt.

Auch wenn es „nur“ ein Telefongespräch ist, sollten Sie sich darauf vorbereiten. Vorbereitung heißt für mich nicht zwingend, dass Sie alle Geschäftsberichte der letzten Jahre auswendig gelernt haben oder jede Pressemeldung genau kennen oder sich aufgrund von kununu- oder glassdoor-Bewertungen bereits eine Meinung gebildet haben.

Aber es hilft, wenn Sie

  • wissen, auf welche Stelle Sie sich beworben hatten und wie das Unternehmen heißt und wo es sitzt
  • das Telefonat eingeplant haben, so dass Sie nicht gerade mit dem Hund beim Joggen sind, wenn das Handy klingelt
  • Ihren Werdegang auch mit mehrjähriger Erfahrung in überschaubarer Zeit erzählen können und nicht für jede Dekade zehn Minuten oder mehr benötigen
  • eine Vorstellung haben, welche Fragen Sie Ihrerseits gerne stellen möchten
  • als Quereinsteigerin oder Quereinsteiger offen und ehrlich mit Ihren Kenntnissen und Erfahrungen umgehen und diese weder überhöhen noch kleinreden.

Klingt alles logisch und selbstverständlich? Prima, dann wünsche ich Ihnen für Ihr nächstes Telefoninterview viel Erfolg und vielleicht mögen Sie ja von Ihren Erfahrungen berichten. Kommentare sind willkommen.

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Eingeordnet unter Bewerbung, Bewerbungstipp

Mein Jahr 2017

Morgen ist der letzte Tag des Jahres 2017, und auch für mich ist es Zeit, kurz zurückzublicken und ein paar Worte zu verlieren.

Dass es hier im Blog in der zweiten Jahreshälfte eher still war, war nicht so geplant, hat sich dann aber so ergeben.

Beruflich war 2017 ein Jahr der Veränderung für mich. Im Juli hatte ich nach etwas mehr als sieben Jahren meinen letzten Arbeitstag in einem Gamesstudio und bin seit August zwar weiterhin im Bereich Personal, aber in einem ganz anderen Umfeld, nämlich der Eventlogistik tätig. Eine Entscheidung, die mir leicht und schwer zugleich gefallen war. Es war Zeit für einen Wechsel, das hatte ich schon eine Weile gespürt und so war es gut, dass es geklappt hat. Aber von Kolleginnen und Kollegen, mit denen man durch Höhen und Tiefen (viele Tiefen!) gegangen ist, Abschied zu nehmen und liebgewonnene, gewohnte Pfade zu verlassen, das ging nicht ohne die eine oder andere Träne.

Nun bin ich schon fünf Monate im neuen Job und komme allmählich an den Punkt, wo ich das Gefühl habe, nicht mehr so oft nachfragen zu müssen, sondern auch zu wissen, wie die Dinge dort laufen, und wie die Leute ticken. Trotzdem habe ich nach wie vor viel zu lernen, aber es macht Spaß und ich fahre gerne morgens an meinen Schreibtisch. Der ist außerdem nur noch 20 Minuten entfernt und nicht mehr wie vorher gute 45 Minuten.

Für den BPM war ich mehrere Male in Berlin und konnte dort immer wieder auftanken. Das war gut so, denn 2017 war auch ein Jahr, in dem ich zweifelte, ob Personal immer noch das Richtige für mich ist, ob die Zunft an sich überhaupt auf einem sinnvollen Weg ist, und ob ich nicht doch irgendetwas ganz anderes machen könnte. Im Moment bin ich da wieder im Reinen mit mir und bleibe der Personalerwelt treu.

Für 2018 plane ich verschiedene Workshops und Trainings und habe auch noch freie Termine. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Bedarf an Begleitung, Schulung oder Moderation haben, kontaktieren Sie mich gerne. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören!

Allen meinen treuen Blogbesucherinnen und Besuchern wünsche ich ein gutes neues Jahr und bin gespannt, was wir uns nächstes Jahr um diese Zeit zu erzählen haben.

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Eingeordnet unter Meinung

Montagsimpuls: Äußerlichkeiten

Wir schreiben das Jahr 2017. Viele, die sich tagtäglich mit dem Thema Personalgewinnung und Personalauswahl beschäftigen, schmunzeln über Geschichten, in denen Menschen vorkommen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anhand der Farbe ihrer Bewerbungsmappe (Sie wissen schon, diese Dinger aus Pappe, die zwar selten geworden sind, die es aber immer noch gibt) zum Vorstellungsgespräch einladen und die auch die entsprechenden Schubladen haben: die mit den blauen Mappen sind konservativ, die mit den roten Mappen extrovertiert und wollen auffallen, die mit den grünen Mappen verwenden Umweltschutzpapier und die mit den schwarzen Mappen wollen eigentlich lieber Bestatter sein.

Klingt albern? Ist es auch.

Ebenso wenig, wie Ihre Augenfarbe etwas aussagt über Ihre Eignung für Ihren aktuellen oder künftigen Job, so sagt auch die Farbe von Bewerbungsmappen, Briefumschlägen, Krawatten oder Halstüchern etwas über Sie als Person aus.

Und doch entsteht bei mir manchmal der Eindruck, dass wir uns gar nicht so recht weiterentwickelt haben seit der Bewerbungsmappenfarbauswahlzeit.

So sterben die Ratschläge zur in Bewerbungen zu verwendenden Schriftart einfach nicht aus. Times New Roman und Arial gelten als out, Comic Sans geht gar nicht, und wer heute etwas auf sich hält, greift zu Helvetica oder Garamond.

Grundsätzlich ist es richtig, dass Menschen ordentlich gemachte und gut lesbare Unterlagen gerne anschauen. Und auch für Nicht-Designer kann es hilfreich sein, sich mit der Wirkung von Schriften zu befassen – aber leider führen solche Tipps in der Praxis häufig dazu, dass Bewerberinnen und Bewerber zum einen glauben, Personalerinnen und Personaler seien nur auf Äußerlichkeiten bedacht und zum anderen, dass etwas weniger geübte Kolleginnen und Kollegen anfangen, neue Schubladen zu bilden und von der Schriftart der Bewerbung auf die Eignung des Verfassers für die Stelle schließen. Beides ist falsch.

In den letzten zwölf Jahren habe ich übrigens keine einzige Bewerbung in Comic Sans erhalten. Dafür aber einen handgeschriebenen Lebenslauf auf kariertem Papier, vom Bildschirm eines Internetcafés abfotografierte Einzelseiten eines bunten Lebenslaufs, einen tabellarischen Lebenslauf als Excel-Tabelle (wegen der Tabelle, Sie wissen schon) und noch einige interessante Dokumente mehr. Die Kunst besteht darin, sich immer wieder neu auf die Menschen einzulassen, die aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen eine Bewerbung schreiben, und als Ausschlusskriterium weder die Schriftart noch die Zahl der Kommafehler zu definieren.

Ich wünsche allen, ob sie nun Bewerbungen lesen oder schreiben, eine erfolgreiche Woche und ein gutes Händchen bei der Auswahl. Und machen Sie Ihre eigenen Schubladen einfach mal auf und wühlen darin herum, denn so manche liebgewonnene Mythen der Personalauswahl (Stichwort Rechtschreibung, Hobbys…) entpuppen sich bei näherem Hinsehen eher als Hindernis denn als Hilfe für das Finden der passenden Besetzung.

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Eingeordnet unter Klartext, recruiting

Onboarding hui, offboarding…?

Auch wenn es nicht in allen Unternehmen rund oder organisiert läuft, ist das Thema Onboarding nicht mehr wirklich neu. Die meisten können sich etwas darunter vorstellen.

Was aber passiert, wenn jemand das Unternehmen verlässt? Gibt es dafür einen Prozess, der über ein „ab Tag X bitte den Mailaccount schließen“ hinausläuft?

Das Offboarding wird oft noch stiefmütterlicher behandelt als das Onboarding, getreu dem Motto, wer weg ist, ist weg, und er wird schon einen Grund gehabt haben, dass er gegangen ist.

Leider geht so sehr viel Wissen verloren, das man vielleicht doch ganz gut im Unternehmen hätte brauchen können.

Natürlich wäre es toll, wenn man im Unternehmen ein Wissensmanagement hätte und regelmäßig dafür sorgt, dass Dinge dokumentiert werden, dass neue Mitarbeiter von den erfahrenen Mitarbeitern lernen, dass die „alten Hasen“ ihr Wissen weitergeben und so weiter.

Dass das nicht nebenher eingeführt werden kann, ist klar.

Ich empfehle jedoch als ersten Schritt, mit scheidenden Mitarbeitern mindestens ein Gespräch zu führen und zu schauen, was von ihrer Arbeit dokumentiert werden kann und sollte, und welche zusätzlichen Informationen sie geben können.

Drei Leitfragen finde ich dafür hilfreich. Diese können im Gespräch beantwortet werden, oder auch schriftlich.

  1. „Was sind drei Dinge, die Sie heute wissen/kennen, die Sie gerne gewusst/gekannt hätten, als Sie die Stelle angetreten haben?“
  2. „Was ist die größte Herausforderung, der sich Ihr/e Nachfolger/in oder jemand in Ihrer Position stellen muss? Welchen Rat würden Sie ihm/ihr geben?“
  3. „Was sind die zwei Projekte/Initiativen/Produkte/Wissensbereiche, auf die Sie am meisten stolz sind? Was macht diese (so) erfolgreich?“

Als ich nach mehr als sieben Jahren meinen Arbeitgeber verließ, habe ich neben der allgemeinen Dokumentation meiner täglichen Arbeit auch Antworten zu diesen Fragen gegeben – mir hätte es damals beim Einstieg geholfen, solche Informationen zu haben, und ich hoffe, dass sie meinen Vertretungen bzw. meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger den Start ein wenig erleichtern.

An meinem neuen Arbeitsplatz geht es nun erst einmal wieder ums Ankommen. Darüber werde ich bei Gelegenheit berichten.

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Hinweise und Fragen.

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Grundlagen der Bewerbung

Stellen Sie sich vor, Sie müssen umziehen. In ein Land, dessen Sprache und Gepflogenheiten Sie erst kennen lernen. Und dann bekommen Sie nach ein paar Monaten die Aufgabe, einen Job zu finden.

Gar nicht so leicht, wenn man noch mit Vokabeln und Grammatik kämpft und alles so anders ist.

So geht es vielen Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, nach Deutschland kommen und versuchen, hier Fuß zu fassen. Nun schreibe ich ja schon seit ein paar Jahren über das Thema Bewerbung und versuche dabei, möglichst praxisnah zu sein und gleichzeitig mit einigen Mythen und Legenden aufzuräumen, die von vielen als Hindernisse beim Bewerben empfunden werden. Kurz gesagt, ich versuche deutlich zu machen, dass meine Personalerkolleginnen und Kollegen und ich gar nicht so schlimm sind, wie uns oft nachgesagt wird.

Da ich mich auch ehrenamtlich engagiere, u.a. beim Frankfurter Jugendrotkreuz, lag es nahe, dass ich mal nicht nur über das Thema schreibe, sondern darüber rede, und das für Menschen, die Unterstützung beim Bewerben sehr gut brauchen können: jugendliche Flüchtlinge.

So hatte ich gestern das Vergnügen, einem Dutzend junger Menschen mit Deutschkenntnissen zwischen A1 und A2 ein wenig über die Gepflogenheiten des Bewerbens in Deutschland näher zu bringen.

Da ich bereits vorher wusste, auf welchem Niveau sich die Sprachkenntnisse bewegen, habe ich das verwendete Material (Lebenslaufvorlage, Anschreiben und Vokabelliste) so einfach wie möglich gehalten. Es gab einige Teilnehmer, die hervorragend damit klar kamen, und andere brauchten sehr viel Unterstützung. Wenn man bisher seine Jobs dadurch gefunden hatte, dass man einfach im Dorf oder in der Kleinstadt von Werkstatt zu Werkstatt tingelte und anfragte, wo man gebraucht wurde, ist das Konzept eines Lebenslaufs und eines Anschreibens recht fremd. Und dann kommen noch so Kleinigkeiten dazu wie unterschiedliche Kalender. Da steht dann als Schulzeit 1385-1389 bei einem Geburtsjahr von 1999 und es gibt gemeinsame Verwirrung und großes Gelächter, als die Sache aufgeklärt wird.

Zweieinhalb Stunden dauerte der Workshop, und es gab für alle viel zu lernen, auch für mich. Ich bin ja eigentlich keine Freundin von Vorlagen und Textbausteinen, aber für diese Zielgruppe habe ich genau das erstellt, damit wir eine gemeinsame Basis hatten. Auch komplizierte Worte wie Anschreiben und Lebenslauf (ganz zu schweigen von Stellenanzeige und Vorstellungsgespräch) möglichst einfach zu erklären war für mich spannend und, ich gebe es zu, erst einmal gar nicht so leicht. Ich habe also auch von dem Workshop profitiert.

Besonders schön war, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hochmotiviert waren und das Angebot nicht als selbstverständlich ansahen. Und: sie wollen alle wiederkommen und lernen, wie man Stellenanzeigen liest und was man im Vorstellungsgespräch erzählen kann.

Dass sich Workshopteilnehmer am Ende per Handschlag persönlich bedanken und verabschieden hat man auch nicht so oft. In vielerlei Hinsicht also ein bemerkenswerter Tag. Ich habe auch schon Ideen für einen zweiten Termin und werde dann wieder hier im Blog berichten, wie es war.

 

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Eingeordnet unter Bewerbung, Bewerbungstipp