Archiv der Kategorie: Klartext

Freitagsgedanke: Wertschätzung

Für manche ist Wertschätzung schlicht ein weiteres Buzzword in der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Arbeit und neue Wege der Zusammenarbeit im Team, oder ein sozialpädagogisches Konzept, das man im Kontext profitorientierter Unternehmen als Teil der Imagebroschüre schon mal mitnehmen kann, das aber im Alltag keine Relevanz hat.

Ich sehe das anders. Für mich ist Wertschätzung mehr als nur ein Wort, sondern eine Haltung, die nicht auf bestimmte Bereiche beschränkt ist, sondern die meine Arbeit prägt und die mir als Mensch sehr wichtig ist.

Was bedeutet das konkret im Arbeitsalltag?

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kolleginnen und Kollegen wahrnehmen
  • sie in ihrer jeweiligen Rolle ernstnehmen
  • Informationen (zeitnah) weitergeben
  • Wissen teilen
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Themen, die sie betreffen, nicht übergehen
  • klare Anforderungen stellen
  • zeitnahes direktes Feedback geben
  • Feedback einholen („Wie läuft es bei dir/euch?“)
  • mitdenkende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch mitdenken lassen und nicht unnötig einschränken
  • Freiräume schaffen
  • Änderungen an Aufgaben oder Rollen zeitnah und ehrlich kommunizieren
  • nicht darauf vertrauen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gedanken lesen können
  • den Erfahrungen und dem Wissen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertrauen und nicht alles kontrollieren

Diese Liste ist nicht vollständig. Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir gerne mit Ideen, Gedanken und Fragen.

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Kartenlegen 4.0 oder der Weg in die Zukunft? Sprachanalyse im Recruiting

Es herrscht leichte Verwunderung in meiner Twitter-Timeline. Eine große Tageszeitung brachte dieser Tage ein Interview mit einem meiner BPM-Kollegen, der sich sehr positiv über eine Software äußerte, die anhand der Sprachverwendung Aussagen darüber zu treffen scheint, wie eine Person „tickt“ und welche Persönlichkeitsmerkmale wie stark ausgeprägt sind. Informationen, die man dann nutzen könnte, um die Eignung dieser Person für eine bestimmte Vakanz zu beurteilen.

Henner Knabenreich nannte das Verfahren süffisant „Schädeldeuten 4.0“, und auch viele andere äußerten sich verblüfft und teilweise skeptisch dazu. Und das nicht erst seit dem Interview. So gab es bereits Ende 2015 einen kritischen Artikel im Personalmagazin, und vor wenigen Wochen war die Sprachanalyse mal wieder Thema bei Prof. Kanning in seiner Kolumne.

Völlig zu Recht merkte Nutzer Skepticbrain bei Twitter an, dass es schwierig sei, derartige Verfahren kritisch zu hinterfragen, wenn die eignungsdiagnostische Kompetenz nicht vorhanden ist. Ja, absolut richtig. Man hält als Personalerin und Personaler schon ganz gerne an liebgewonnenen Mythen und Glaubenssätzen fest (ich vermute, auch andere Berufsgruppen tun das) und das kritische Nachfragen ist nicht unbedingt Gewohnheit.

Dennoch muss man keine Psychologin sein, um sich vor dem Einsatz eines Auswahlverfahrens zu informieren. Prof. Kanning ist ja unermüdlich mit seinen Erklärungen und Hinweisen, und es gibt auf dem Markt auch einige für Nichtpsychologen verständliche Bücher, die sich mit dem Thema Eignungsdiagnostik befassen.

Im März 2018 hatten wir von der Regionalgruppe Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland des BPM einen Coaching Day zum Thema Eignungsdiagnostik organisiert. Unser Referent war Harald Ackerschott, der Obmann des Arbeitsausschusses Personalmanagement bei DIN und Gründungsmitglied im Normenausschuss Eignungsdiagnostik.

Ja, so etwas gibt es tatsächlich. Es gibt die DIN 33430 für die berufsbezogene Eignungsdiagnostik.

Bei unserem Coaching Day ging es am Rande auch um die DIN, aber vielmehr vor allem darum, welche Auswahlverfahren uns zur Verfügung stehen und wie diese hinsichtlich Validität und Aussagekraft zu bewerten sind. Auch ein unstrukturiertes Interview oder ein netter Plausch ist eine Form von Eignungsdiagnostik – am Ende steht eine Eignungsentscheidung. Und natürlich kann ich mein Personal nach eigenem Gutdünken auswählen. Ich kann über die Handschrift nachdenken, über den Gesichtsausdruck auf dem Bewerbungsfoto, über das, was mir meine Tarotkarten für den heutigen Tag verraten haben, über die Schriftart oder Farbe der Bewerbungsmappe (die Papierbewerbung ist nicht tot, aber das ist ein anderes Thema).

Ich kann aber auch versuchen, meine Entscheidung auf mehr als nur mein Bauchgefühl zu stützen.

Grundsätzlich finde ich es erst einmal gut, wenn ein Unternehmen sagt, dass es im Rahmen des Auswahlverfahrens Tests einsetzt, in Kombination mit anderen Verfahren. Es gibt dazu auch Untersuchungsergebnisse, die zeigen, dass eine kluge Zusammenstellung von unterschiedlichen Auswahlmethoden eine hohe Trefferquote erzielen kann.

Gut ist es auch, wenn neue Verfahren und Technologien aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft herauskommen und in der Praxis getestet werden. Um eine Aussagekraft zu erhalten, brauche ich eine genügend große Datenmenge.

Aber ich finde es schwierig, wenn Verfahren, die im Hinblick auf Objektivität, Validität und Reliabilität noch Schwächen zeigen, bereits als „das nächste große Ding“ und „wir sind ja soooo 4.0“ eingesetzt und vermarktet werden. Und leider trifft das auf die Sprachanalyse zu.

Woran es bei der Personalauswahl ja vielfach hakt, ist bei der Vorbereitung und den Überlegungen, wie wir für unsere spezielle Suche Kompetenz definieren und wie wir diese Kompetenzen erfragen oder messen wollen. Kompetenz ist nicht nur ein simples Schlagwort, sondern sollte grundsätzlich verhaltenshinterlegt sein. Was tut jemand, der/die in Bereich X kompetent ist, wie verhält er/sie sich? Zum Beispiel ist „Freundlichkeit“ keine messbare Kompetenz. „Stellt Blickkontakt zum Kunden her und lächelt“ hingegen ist eindeutig und klar und ließe sich sogar messen.
Was sind relevante Situationen im Berufsalltag, was ist erfolgskritisch für eine bestimmte Position, und was ist für diese Situation das gewünschte Verhalten?
Das ist eine Frage, die vermutlich nicht oft gestellt wird, deren Klärung jedoch zu besseren Entscheidungen führen kann. Auch ganz ohne Sprachcomputer.

Und nicht zu vergessen, nur bei entsprechender Verbalisierungskompetenz ist das Führen eines Vorstellungsgesprächs überhaupt ein sinnvolles Instrument. Aber auch das ist wieder ein anderes Thema.

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Freitagsgedanke: Rohdiamanten

Regelmäßig höre ich in Diskussionen über Personalauswahl, wir Personalerinnen und Personaler sollten nicht immer „so streng“ sein, sondern allen Menschen eine Chance geben, denn schließlich könnte sich hinter jeder Bewerbung ein Rohdiamant verbergen, den wir übersehen würden, wenn wir in der Auswahl zu enge Kriterien anwenden würden.

Nun ist es mit Rohdiamanten ja so, dass sie nicht so bleiben, wie sie sind, sondern geschliffen und somit verändert werden. Und aus manchen wird auch kein glitzernder Hingucker auf dem Verlobungsring, sondern sie landen als Industrieware auf einer Schleifscheibe. Die Vertreter der Rohdiamantenthese in der Personalauswahl legen allerdings meist großen Wert darauf, dass wir alle Individuen sind und als solche gesehen und behandelt werden sollen. Für mich passt da das Bild der Diamanten jedoch nicht so ganz – Schliff, Veränderung, ich schrieb es bereits.

Diamanten entstehen durch großen Druck und hohe Temperaturen. Bei Menschen funktioniert das indes nicht. Wird großer Druck auf uns ausgeübt, reagieren die wenigsten mit einer Verwandlung in einen glänzenden Kristall. Viel eher ziehen wir uns zurück, werden demotiviert und manchmal sogar krank. Starker, dauerhafter Druck ist im Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles andere als zielführend. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, doch wird häufig gerade in Stresssituationen von Führungskräften Druck ausgeübt, in der Hoffnung, das Team würde dann besser funktionieren. Das mag ein Weilchen sogar gut gehen, ist aber kein sinnvolles Konzept für die Zukunft.

Ich suche in der Personalauswahl nicht nach Rohdiamanten oder anderen glitzernden Steinen. Ich bin Personalerin, keine Goldschürferin. Deshalb geht es mir um Menschen – wobei Sie, liebe Leserinnen und Leser, natürlich einwenden könnten, dass wir auch nichts weiter als „Kohlenstoffeinheiten“ seien und sich somit der Kreis zu den Diamanten wieder schließt. Aber das ist eine Diskussion, die an anderer Stelle besser aufgehoben wäre.

Wenn Sie Tipps zum Bewerben oder zum Finden der passenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben möchten, kontaktieren Sie mich gerne.

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Agil, Best Practice, Change… was bleibt?

Vorgestern kam ich aus Berlin zurück. Ich war zwei Tage für den BPM unterwegs, erst zum Treffen der Regionalgruppenleiter/innen und Stellvertreter/innen und dann zur Gesamtvorstandssitzung. Zwei Tage mit sehr guten Gesprächen, unterschiedlichen Standpunkten und teilweise heißen Diskussionen. Der Verband lebt, und das ist auch gut so! Ich habe einige Impulse für mich mitgenommen und bin schon gespannt darauf, was wir in den unterschiedlichen Bereichen umsetzen werden.

Und wie das so ist, wenn sich Personalerinnen und Personaler treffen, fällt in den Unterhaltungen auch das eine oder andere Schlagwort, oder Buzzword, um es „modern“ auszudrücken. Irgendwie hat da jede und jeder ihr und sein Lieblingswort und auch eines, was er oder sie überhaupt nicht mehr hören kann.

Agil steht ziemlich weit oben auf dieser Liste, ebenso Change. Best Practice soll ja etwas Positives sein, aber auch das mag mancher schon gar nicht mehr hören und lesen (ein kurzer Gedankenanstoß dazu: muss es immer Best Practice sein, oder kann auch Good Practice bereits einen Unterschied machen?). Auch gern genommen: disruptiv, Globalisierung, Transformation, Innovation, Visibilität, 4.0…

Mein ganz persönliches Wort, das mir auf den Keks geht, ist „VUKA-Welt“. Wenn man es ganz simpel übersetzt, heißt es, dass die Welt bunt und vielfältig ist. Offiziell steht VUKA für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Alles also irgendwie negativ oder zumindest mit einem gewissen Misstrauen besetzt. Und in dieser Welt müssen wir agil sein (ja, genau) und unser Mindset (noch so ein Wort) ändern, um dem Ganzen noch Herr werden zu können. Und da wir dem ganzen aber gar nicht Herr werden können, weil alles so komplex und unsicher ist, wird Führung und Zusammenarbeit noch schwieriger, als es immer schon war. Oder auch nicht, weil es ja eh alles im Fluss ist.

Da schwirrt einem der Kopf.

Ich habe überhaupt nichts gegen Fachbegriffe. Im Gegenteil, sie sind da nützlich, wo sie helfen, einen Sachverhalt klar auszudrücken und etwas zu definieren. Aber mit schwammigen Phrasen habe ich so meine Schwierigkeiten. Die bringen oft mehr Verwirrung als dass sie zur gelungenen Kommunikation beitragen. Es sei denn, man nutzt sie, um ins Gespräch zu kommen. Vielleicht haben Sie ja Lust, hier in den Kommentaren oder bei Twitter von Ihrem Lieblings-Buzzword oder dem Ausdruck mit dem größten Nervpotential zu erzählen? Ich freue mich darauf!

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Mut zur Menschlichkeit

Letzte Woche schrieb ich im Bewerbungstipp, dass es im Vorstellungsgespräch nicht unbedingt darum geht, alles zu sagen, was einem in den Kopf kommt und was man weiß.

Das ist auch weiterhin meine Meinung, und doch möchte ich heute einmal ein kleines Gedankenexperiment wagen.

Wie würde ich, wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Gegenüber im Vorstellungsgespräch zu Ihnen sagt: „Wissen Sie, ich nehme den Termin heute zwar wahr, weil ich nicht absagen wollte, aber eigentlich geht es mir ziemlich schlecht. Denn ich habe gerade unheimlich viel Stress in der Familie habe mit meinem pflegebedürftigen Vater und bin mit meinen Gedanken ganz woanders.“

Wie ginge es Ihnen in einer solchen Situation? Würden Sie das Gespräch aus Höflichkeit führen, aber insgeheim denken, herrje, wie unprofessionell, da will ich nicht arbeiten (oder: den/die will ich nicht einstellen)? Oder würden Sie sagen, wow, wie mutig, da steht jemand ganz und gar zu sich als Mensch und versteckt sich nicht und teilt auch weniger angenehme Gefühle?

Letzte Woche entdeckte ich ein Video von Bettina Stackelberg, in dem sie ein starkes Plädoyer dafür hält, auch schwierige Gefühle nicht nur zuzulassen, sondern auch zu thematisieren und sich „ganz und gar“ zu zeigen.

Und ich dachte mir, einerseits sollte es genau so sein, dass wir so menschlich miteinander umgehen und so ehrlich sein können, doch andererseits ist das eine ganz persönliche Sache, wie viel ich von mir preisgebe und in welcher Situation ich das tue. Von einer „verordnete Offenheit“, wie sie manchmal propagiert wird, halte ich wenig (davon spricht auch Frau Stackelberg nicht). Ich finde es wichtig, anzuerkennen, dass Menschen unterschiedlich mit ihren Gefühlen umgehen und es manchem gar nicht liegt, mutig zu sein oder das Herz auf der Zunge zu tragen, und genauso wichtig ist es, das Zeigen von Gefühlen gerade am Arbeitsplatz nicht mit Schwäche gleichzusetzen. Manchmal gehört eine Menge Mut dazu, zu sagen, wie man sich fühlt und dass das auch Auswirkungen auf die Arbeit hat.

Und seien wir ehrlich, wenn jemand etwas mit sich herumschleppt, merken wir das ja doch irgendwie. Da wäre es manchmal bestimmt angenehm, wenn einer sagen könnte, sorry, Leute, mir geht es dreckig, und bräuchte keine Energie darauf zu verwenden, das vor den Kolleginnen und Kollegen zu verbergen. Dazu braucht es aber auch eine Kultur, die das nicht als Schwäche ansieht und wo niemand zur Zielscheibe von Hohn und Spott gemacht wird, wenn er etwas direkt thematisiert.

Haben Sie Erfahrungen mit Offenheit und dem Ansprechen von Gefühlen am Arbeitsplatz gemacht? Ich freue mich auf Ihre Kommentare – gerne auch per E-Mail, wenn Sie nicht offen darüber schreiben können oder wollen.

 

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Bewerbungstipp (46): alles sagen, was man weiß?

Wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, gehen Sie hin, um zu zeigen, was Sie wissen und können. Die meisten Gespräche verlaufen eher unstrukturiert (was kein Vorwurf ist, nur eine Beschreibung), manche Gespräche sind strukturiert, manchmal müssen Sie eine Präsentation halten und manchmal gibt es im Rahmen der Bewerbungsverfahrens auch Tests oder gar Assessment Center.

Egal, wie das Gespräch abläuft, Sie wollen und sollen zeigen, was Sie wissen und können.

Allerdings sollte das nicht unbedingt so ablaufen, wie diese Beispiele aus meinem Arbeitsalltag zeigen:
Wir sitzen in einem Besprechungsraum, der Bewerber und ich. Ich habe den Lebenslauf ausgedruckt vor mir und meine Fragen im Kopf. Auf dem Ausdruck mache ich mir Notizen. Der Bewerber schaut mir beim Schreiben zu und sagt dann: „Ach, das, was Sie eben aufgeschrieben haben, müssen Sie doch gar nicht aufschreiben, das ist nicht wichtig.“
Schön, dass ich so eine gute Handschrift habe, die man von der anderen Seite des Tisches auch kopfüber lesen kann, aber: was möchte mir der Bewerber durch diese Bemerkung sagen? Soll ich ihn dafür loben, dass er aufmerksam ist? Geht es um Transparenz? Um Vertrauen?
Bei mir führte dieser Kommentar jedenfalls dazu, dass ich meine Notizen in einer anderen Schreibschrift machte, die nicht so leicht mitzulesen ist. Aber so soll das nicht sein. Vielleicht möchten Sie ja wirklich gerne wissen, was Ihr Gesprächspartner über das Gespräch denkt und was er aufschreibt. Aber ebenso, wie man nicht an Türen horcht, ist das Mitlesen von fremden Notizen meiner Meinung nach schlechter Stil.

Nach einer Betriebsbesichtigung erklärte mir ein Bewerber, wie ineffizient wir arbeiten und was alles zu verbessern sei und schlug mir gleich seiner Meinung nach passende Dienstleister vor.
Ja, ich finde es gut, wenn sich jemand Gedanken über gutes und sinnvolles Arbeiten macht. Und es ist prima, wenn jemand in seinem bisherigen Berufsleben entsprechende Erfahrungen gemacht hat. Das interessiert mich in einem Bewerbungsverfahren durchaus. Aber es kommt in der Kommunikation doch sehr darauf an, wie man etwas sagt.
Wenn ich ein Unternehmen nur von außen kenne, kommt es nicht immer gut an, die bestehenden Prozesse und Arbeitsweisen gleich verändern zu wollen (wir reden jetzt nicht von den Klischeeunternehmensberatern, die Ähnliches tun. Mag ich auch nicht.)
Wenn Ihnen in einer solchen Situation etwas auffällt, stellen Sie Fragen. Sagen Sie ruhig, was Sie beobachten und stellen Sie dann eine Frage. Analysieren Sie nicht und bieten Sie keine Lösung an, sondern fragen Sie einfach nur nach. Ohne Wertung. Durch kluge Fragen können Sie zeigen, dass Sie ein Thema verstanden haben und dass Sie etwas darüber wissen. Ein „Ich könnte mir vorstellen, das so und so zu machen“ wirkt anders als ein „Sie sollten es so und so machen.“

Weder das eine noch das andere Beispiel ist für sich allein genommen ein Showstopper und ein Grund, jemandem abzusagen. Wenn Sie allerdings darüber hinaus auch noch erzählen, dass Sie Ihren letzten Job gekündigt haben, weil dort niemand wusste, wie die Arbeit korrekt zu erledigen sei und niemand auf Ihre Vorschläge hörte, dann komme ich doch ins Grübeln, ob wir gut miteinander arbeiten können.

Seien Sie im Gespräch ehrlich und sagen Sie, was Sie wissen – stellen Sie Ihr Gegenüber aber nicht als Dummchen hin. Umgekehrt gilt das natürlich ganz genauso! Aber was in der Personalauswahl auf Arbeitgeberseite alles schief laufen kann, darum wird es ein anderes Mal gehen.

 

 

 

 

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Freitagsgedanke: immer feste druff?

Manche Probleme lassen sich durch beherztes Draufhauen lösen. Zum Beispiel beim Holzhacken (wobei eine scharfe Axt auch sehr hilft, fast noch mehr als die Kraft, die man aufwendet. Aber das ist ein anderes Thema.) oder manch anderer körperlicher Tätigkeit. Ein befreundeter Mechaniker sagte einmal zu mir: „Probiere es nicht mit Gewalt. Nimm einen größeren Hammer.“

Überall da, wo ich es mit Dingen zu tun habe, kann ein „immer feste druff“ je nach Situation tatsächlich die passende Maßnahme sein (aber nicht vergessen, „nach fest kommt ab“). Doch wenn ich mit Menschen arbeite, sieht die Sache wieder anders aus.

Ja, wir führen mitunter auch Kritikgespräche oder müssen eine Abmahnung aussprechen. Aber auch da kommt es weniger darauf an, verbal um sich zu schlagen, sondern einfach klar und eindeutig zu kommunizieren, ohne die Person verächtlich zu machen oder auf einer persönlichen Ebene anzugreifen. Erfahrene Führungspersonen, Personalerinnen und Personaler kennen das und handeln entsprechend.

Trotzdem scheint das nicht flächendeckend selbstverständlich zu sein. Wer kennt nicht diese Führungskräfte, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klein halten oder klein machen, die „von oben herab“ agieren und die in ihren Teams ein Klima des gegenseitigen Misstrauens schüren und teilweise sogar zelebrieren. Oder die „Kollegen“, die in einem solchen Team munter in alle Richtungen austeilen und eher gegeneinander statt miteinander zu arbeiten.

Warum sich manche am Arbeitsplatz wie die sprichwörtliche Axt im Walde benehmen (um den Bogen zum Holzhacken zu schlagen), dafür mag es viele Gründe geben. Aber es gibt aus meiner Sicht keine Rechtfertigung dafür, schlecht mit anderen umzugehen oder gar Mobbing zu betreiben. Das passiert leider immer noch zu häufig – mit teilweise weitreichenden Folgen für die Betroffenen.

Schwierige Situationen oder Konflikte verlangen uns manchmal einiges ab. Und nicht immer fällt es leicht, „gut“ zu kommunizieren. Doch mit „immer feste druff“ werden wir die Herausforderungen einer sich ändernden Arbeitswelt nicht bewältigen. Irgendwann werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „mit den Füßen abstimmen“, wenn die Atmosphäre nicht mehr stimmt, und es ist ein Trugschluss, Vakanzen „mal eben schnell“ neu besetzen zu können.

Als Führungskräfte und als Personalerinnen und Personaler dürfen wir die Verantwortung dafür, auf ungeeignete Kommunikation und problematische Verhaltensweisen hinzuweisen und gegebenenfalls zu handeln, nicht ignorieren, sondern können und sollen unseren Beitrag für ein gutes Arbeitsumfeld leisten.

Lesenswert zum Thema ist das Buch „The No Asshole Rule: Building a Civilized Workplace and Surviving One That Isn’t“ von Robert I. Sutton. [Es gibt auch eine deutsche Übersetzung, die ich allerdings nicht gelesen habe und zu deren Qualität ich nichts sagen kann.]

 

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