Archiv der Kategorie: Bewerbungstipp

Das perfekte Anschreiben. Das perfekte Anschreiben?

Mit dem perfekten Anschreiben ist es wie mit Schrödingers Katze.
Es existiert, und gleichzeitig existiert es nicht.

Die Physiker*innen unter meinen Leser*innen mögen mit die Simplifizierung verzeihen, aber das Bild passt einfach zu schön.

Was meine ich damit, wenn ich sage, dass das perfekte Anschreiben existiert und nicht existiert?
Ein Anschreiben ist perfekt, wenn…
… es an den passenden Ansprechpartner addressiert ist
… der Firmenname richtig geschrieben ist
… klar hervorgeht, auf welche Position ich mich bewerbe

Aber das sind Binsenweisheiten, und darüber habe nicht nur ich schon einige Male geschrieben (vermutlich ist das ein Grund dafür, warum „Anschreiben“ und „wie lesen Personaler Anschreiben“ immer wieder als Suchbegriffe auf mein Blog führen).

Letztendlich ist es viel einfacher, und doch so kompliziert. Ein Anschreiben ist dann perfekt, wenn es im Gesamtpaket Ihrer Bewerbung so stimmig ist, dass Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen.

Gleichzeitig gibt es das perfekte Anschreiben aber nicht. Denn Sie können gar nicht immer die Erwartungen Ihrer Leser*innen erfüllen, weil Sie diese nicht kennen. Klar, es kann immer mal sein, dass Sie z.B. auf einer Messe ein*en Personaler*in getroffen haben, ein nettes Gespräch hatten, eine Visitenkarte mitnahmen und im Nachgang eine Bewerbung schicken. Aber selbst dann wissen Sie nicht genau, was Ihr Gegenüber hören oder lesen möchte.

Die meisten Kolleg*innen sagen, sie wollen keine Floskeln lesen. Das verstehe ich. Aber je floskelhafter die Ausschreibung ist, desto schwieriger ist es für die meisten Bewerber, nicht ebenso floskelhaft zu antworten. Jahrelange Bewerbungs“traditionen“ tun das ihre dazu.

Ob wir diese Situation irgendwann einmal auflösen werden? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe, dass es immer häufiger Unternehmen gibt, die versuchen, es den Bewerbern möglichst leicht zu machen, indem sie z.B. auf seitenlange Onlineformulare verzichten, oder so knackige Anzeigen texten, dass es selbst Schreibmuffeln leicht fällt, darauf zu antworten, und ich denke, dass das ein guter Weg ist. Ich selbst lese Anschreiben nach wie vor gerne, weil es immer wieder welche gibt, die sich abheben, die mir tatsächlich etwas über die Person verraten, die dahinter steckt, und weil ich außerdem wertschätze, dass sich jemand die Arbeit gemacht hat, ein Anschreiben zu formulieren. Wenn es holprig ist, ist es eben holprig.

Auf das Gesamtpaket kommt es an. Zumindest bei mir.

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Bewerbungstipp (41): die 5 (8, 13, 47) besten Fragen und Antworten

Es gibt Menschen, die mögen Listen.
Und so gibt es in den Weiten des Internet natürlich auch zum Thema Bewerbung jede Menge Listen.
Die heißen dann z.B. „Die fünf besten Interviewfragen“, „10 tolle Recruitingtipps“, „25 Wege zum Traumjob“ und so weiter.

Manchmal finden sich in solche Zusammenstellungen hilfreiche Tipps, aber meist bestehen sie doch nur aus wohl formulierten Selbstverständlichkeiten.

Mein Tipp heute: bleiben Sie kritisch und schauen Sie genau hin, was Ihnen als „sicherer Weg zum Erfolg“ angepriesen wird. Denn ob das zu Ihnen passt, was da steht, können nur Sie selbst entscheiden, weil nur Sie selbst wissen, welchen Hintergrund Sie haben und was Ihr Ziel ist.

Versuchen Sie nicht, Ihre Bewerbung irgendeiner Liste anzupassen, sondern denken Sie darüber hinaus. Und wenn Sie dazu Fragen haben oder Tipps haben möchten, schreiben Sie mich einfach an.

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Bewerbungstipp (40): Querformat

Manchmal werde ich gefragt, was denn davon zu halten sei, den Bewerbungsunterlagen eine Powerpoint-Präsentation beizulegen, oder die Bewerbung mit Powerpoint zu erstellen.
Um diese Frage zu beantworten, möchte ich sie zunächst aufdröseln.

Die einfache Antwort zuerst: die „sicherste“ Variante für Bewerbungsunterlagen ist die pdf-Datei. Egal, welches Format zugrunde liegt, Sie können davon ausgehen, dass alle Zeilenumbrüche, Absätze und was Sie sonst so alles haben, so angezeigt wird, wie Sie es beabsichtigt haben. Bei anderen Dateiformaten können Ihnen unterschiedliche Versionen schon mal einen Strich durch die Rechnung machen. Ganz zu schweigen davon, dass manche Dateiformate für das Hochladen im Bewerbungsportal gar nicht freigegeben sind.
Dem pdf ist es egal (und mir als Empfängerin auch), ob die Ursprungsdatei für den Lebenslauf und das Anschreiben ein Word, Excel, Powerpoint- oder was auch immer Dokument war.

Sie dürfen also, wenn Ihnen das Querformat aus Powerpoint (oder einer anderen Präsentationssoftware) so gut gefällt, dass Sie es für Ihre Bewerbung verwenden wollen, durchaus Powerpoint (oder Keynote, oder Impress, oder…) nehmen, um Ihre Bewerbung zu erstellen.

Allerdings, und hier kommen wir zum schwierigen Teil der Antwort, ergibt es für mich wenig Sinn, eine Datei, die eine „Präsentation“ ist, als eine Art „Arbeitsprobe“ der Bewerbung beizufügen. Denn ob Sie gut präsentieren können, sieht man Ihren Folien nicht an. Und wie gut Sie sich vorbereitet haben, leider auch nicht. Powerpoint und jede andere Präsentationssoftware ist aus meiner Sicht schlicht und einfach ein Tool, das eine Präsentation / einen Vortrag / eine Performance (okay, das vielleicht nun nicht) begleitet. Dieses Tool könnte auch ein Whiteboard sein, ein Flipchart, eine Kiste mit Spielfiguren, ein Origami, eine Handpuppensammlung oder irgendetwas anderes. Die Aussagekraft einer solchen Powerpoint-Datei ist nicht besonders hoch. Es sei denn, Sie legen noch das zugrundeliegende Konzept bei, in dem Sie erklären, was Sie erreichen wollten, wer Ihre Zielgruppe war, wie viel Zeit Sie für die Präsentation hatten etc.

Wenn in der Bewerbungsphase, irgendwann, im Erst- oder Zweit- oder Drittgespräch, von Ihrem künftigen Arbeitgeber eine Aufgabe gestellt wird, die heißt: „Halten Sie eine Präsentation und nutzen Sie dafür die Software Powerpoint“, dann machen Sie das natürlich. (Wobei die Wahl des Tools freigestellt sein sollte, aber das ist ein anderes Thema.)

Wenn Sie Ihren Lebenslauf in Powerpoint grafisch aufbereiten möchten und das auch können, dann spricht ebenfalls nichts dagegen, das zu tun – es empfiehlt sich aber trotzdem, die Datei als pdf zu verschicken (Sie merken, ich wiederhole mich).

Kurz und knapp: mir persönlich ist es egal, welches Tool jemand nimmt, um damit seine Unterlagen zu erstellen. Inhalt und Aussage zählen.

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Bewerbungstipp (39): die dritte Seite

Die berühmte dritte Seite, das Sahnehäubchen einer jeden Bewerbung. Oder eher die berüchtigte dritte Seite, die im Grunde niemand lesen möchte und die die Bewerbung nur unnötig aufbläht?

Auch hier gibt es aus meiner Sicht keine Vorgehensweise, die zu jeder Bewerbungssituation passt. Aber bevor Sie sich hinsetzen und zusätzlich zum Lebenslauf noch weitere Dokumente verfassen, überlegen Sie sich genau, was Sie damit sagen wollen, und ob das, was Sie sagen wollen, eine Ergänzung oder eine Wiederholung ist.

Machen Sie nicht den Fehler, den ich vor Jahren machte, als ich mich an einer dritten Seite abmühte anhand einer Vorlage, die ich in einem Bewerbungsratgeber gefunden hatte (ja, auch ich war mal jung und las alle möglichen Bücher, von denen ich heute nichts mehr wissen möchte bzw. von denen ich manchmal sogar abrate) und mir Worte und Sätze aus den Fingern sog, die nicht meine waren. Einen Job hat mir das übrigens auch nicht verschafft, aber das nur am Rande.
Wenn Sie also eine dritte Seite schreiben wollen, dann tun Sie das in Ihrem eigenen Stil. Schreiben Sie so, wie Sie sind, und nicht so, wie Sie denken, dass Sie vielleicht sein sollten, um die Stelle zu bekommen. Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass diese dritte Seite gar nicht erst gelesen wird.

Wofür eignet sie sich denn nun überhaupt, diese dritte Seite?

Sie können, um Ihren Lebenslauf nicht zu lang werden zu lassen, auf dieser zusätzlichen Seite z.B. Informationen zu Projekten geben. Oder zu Kompetenzen, die Sie erworben haben und die Sie im Lebenslauf oder Anschreiben nicht unterbringen können oder wollen. Was Sie nicht tun sollten, ist, Ihren Lebenslauf noch einmal in Romanform zu wiederholen oder ein zweites Anschreiben zu formulieren. Die Zeit können Sie sich auf jeden Fall sparen.

 

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Bewerbungstipp (38): brauche ich einen Coach?

Die Antwort auf die oben gestellte Frage lautet: kommt darauf an.

Grundsätzlich brauchen Sie, auch wenn Ihnen viele Anbieter das so suggerieren, für „normale“ Bewerbungsaktivitäten keinen Coach. Sie haben, wenn Sie das hier lesen, Internetzugang und somit die Möglichkeit, nach Herzenslust zu recherchieren und sich in das Abenteuer Bewerbung zu stürzen.

Wenn Sie jedoch in einer besonderen Situation sind, wenn es seit langem partout nicht klappt mit dem neuen Job, dann kann ein Coach sinnvoll sein. Ich kann hier an dieser Stelle niemanden empfehlen (auf Anfrage jedoch gerne – Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier: https://andreahartenfeller.wordpress.com/about/), möchte Ihnen aus meiner Erfahrung jedoch mitgeben, dass Sie genau hinschauen sollten, was der- oder diejenige anbietet.

Nehmen Sie, auch wenn das Geld nicht so locker sitzt, nicht den Billigsten. Überlegen Sie, was Ihr Ziel ist. Vielfach wird die Überarbeitung Ihrer Unterlagen angeboten, damit Sie ins Vorstellungsgespräch kommen. Aber das ist ja nur der Anfang. Möglicherweise brauchen Sie jemanden, der Sie den kompletten Prozess über begleitet. Oder Sie gehören vielleicht zu den Leuten, die gute Unterlagen haben, aber nach dem Vorstellungsgespräch nicht weiterkommen.

Suchen Sie sich keinen Schönwetter- oder Kuschelcoach, der „die anderen“ (die Arbeitgeber, die Personaler, die Wirtschaftslage…) verantwortlich macht, sondern ruhig jemanden, der mit Ihnen auch Klartext redet und gemeinsam mit Ihnen an konkreten Dingen arbeitet, die Sie tatsächlich verändern können.

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Bewerbungstipp (37): planvoll vorgehen

Regelmäßig lese und höre ich von Leuten, sie hätten ja schon 100 (oder 200, oder gar 300) Bewerbungen geschrieben und hätten immer noch keinen (neuen) Job. Wenn ich dann nachfrage, ob und wie sich die Herangehensweise an die Bewerbung im Laufe der Zeit geändert hat, ernte ich häufig einen verwirrten Blick oder viele Fragezeichen.

Ich weiß, dass es schwierig sein kann, einen (neuen) Job zu finden. Manchmal sucht man recht lange, und würde man tatsächlich täglich eine Bewerbung schreiben und nie krank sein oder mal einen freien Tag nehmen und nur an den Wochenende nichts machen, käme man in einem Jahr locker auf 200 Bewerbungen und mehr. Nur: ist das ein erfolgversprechender Weg? Und gibt es überhaupt so viele Stellen, auf die man wirklich passt? Wenn Sie einen sehr nachgefragten Beruf haben, finden Sie sicher mehr ausgeschriebene Vakanzen als jemand mit einem eher seltenen Beruf, aber auch dann sollten Sie auswählen, wohin Sie eine Bewerbung schicken wollen.

Gehen Sie geplant vor. Überlegen Sie, was Sie bieten, und wie das zu dem passt, was in der Ausschreibung steht. Überlegen Sie, ob Sie umziehen können oder wollen, oder ob Sie pendeln können oder wollen, und wenn ja, wie viele Stunden pro Tag auf den Arbeitsweg entfallen dürfen. Machen Sie sich Gedanken, ob Sie in ein kleines, mittleres oder großes Unternehmen wollen. Schauen Sie sich Ihre bisherigen Erfahrungen an (sofern vorhanden) und in welcher Branche Sie diese gesammelt haben. Ist ein Branchenwechsel möglich oder sinnvoll?
Je genauer Sie wissen, was Sie können und wollen, desto gezielter können Sie sich bewerben.

Vielleicht schreiben Sie, wenn Sie sich einen Plan gemacht haben, nicht mehr fünf Bewerbungen pro Woche, sondern nur eine oder zwei. Aber wenn es da gut passt, kommen Sie wahrscheinlich schneller zum Ziel.

Und tun Sie sich selbst den Gefallen und stellen Sie Ihre Aktivitäten ab und zu auf den Prüfstand. Wenn 20 Ihrer Bewerbungen nicht zu einem Gespräch führen, mag das Gründe haben, die Sie nicht beeinflussen können. Es mag aber auch Verbesserungspotential geben. Da können Sie ansetzen.

Viel Erfolg!

 

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Bewerbungstipp (36): Fernstudium

Dass Bewerberinnen und Bewerber es schwer haben, diesen Eindruck erwecken diverse Diskussionen im Netz und auch außerhalb immer wieder. Dass manche Bewerbergruppen es schwerer haben als andere, oder das zumindest so empfinden, schwingt in diesen Diskussionen auch immer mit.

Eine dieser Gruppen ist die Gruppe der Fernstudiumsabsolventinnen und -absolventen. Da wird davon berichtet, dass Personaler ein Fernstudium nicht ernst nähmen, dass die Abschlüsse nicht anerkannt seien, dass man trotz des Abschlusses als Anfänger angesehen werde, und dass Fernstudenten Kenntnisse und Fähigkeiten fehlten, die Präsenzstudenten im Übermaß hätten (Erfahrung mit Präsentationen, Arbeitsgruppen, Teamarbeit…).

Was also tun?

Ich bin keine Freundin davon, sich in der Bewerbung für etwas zu entschuldigen, was man ist oder hat. Schreiben oder sagen Sie also nicht, dass Sie „leider nur“ ein Fernstudium absolviert haben. Stellen Sie es schlicht als Tatsache dar. Wie Ihr Gegenüber das interpretiert, können Sie nicht wissen. Es gibt durchaus Personaler, die eine Vorstellung davon haben, was Fernstudenten leisten, und die das zu schätzen wissen. Da müssen Sie gar keine Überzeugungsarbeit leisten. Hüten Sie sich aber davor, sich als Fernstudent aufgrund der anderen Anforderungen, die an Sie gestellt werden, mehr oder weniger automatisch als besser zu sehen als Leute, die ein „klassisches“ Präsenzstudium absolviert haben. Ein Fernstudium ist nicht besser oder schlechter, sondern erst einmal nur anders.

Beschäftigen Sie sich vor Ihrer Bewerbung damit, welche Vor- und Nachteile einem Fernstudium möglicherweise zugeschrieben werden. Dann können Sie sich auf Rückfragen entsprechend vorbereiten.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob der Abschluss anerkannt ist, informieren Sie sich auf einschlägigen Plattformen, z.B. bei http://www.fernstudium-infos.de/

Und ansonsten: frisch auf ans Werk! Zumindest meine Bewerbungstipps gelten für Fern- und Präsenzstudenten gleichermaßen.

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