Archiv der Kategorie: Bewerbung

Bewerbungstipp (47): die Sache mit dem Format

Für viele, die Bewerbungen bekommen und sichten und auswählen, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Bewerberinnen und Bewerber ihre Unterlagen elektronisch (per E-Mail oder Online-Formular) im pdf-Format senden. So zumindest der allgemeine Tenor, der in Gesprächen und in verschiedenen Artikeln immer wieder zutagetritt.

Dass das auf Seiten derer, die sich bewerben, nicht immer so selbstverständlich ist, wissen vor allem diejenigen, die nicht nur im Bereich der Wissensarbeit rekrutieren.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, seine Unterlagen zu schicken. Meine beiden Highlights dieses Jahr waren zum einen die zwei ausgedruckten Seiten eines Lebenslaufs, die auf dem Küchentisch liegend abfotografiert wurden und mir als jpg-Datei per E-Mail geschickt wurden, und zum anderen ein handschriftlicher Lebenslauf auf Karopapier, fertig gelocht zum Abheften, der am Empfang abgegeben worden war.

Je nachdem, nach welchen Kompetenzen und Qualifikationen man sucht und ob es auf schriftliche Ausdrucksfähigkeit ankommt oder darauf, mit einem Computer und einem Textverarbeitungsprogramm umgehen zu können, sind die beiden Beispiele entweder ein „Showstopper“ oder auch nicht.

Trotzdem kann ich Ihnen, liebe Bewerberinnen und Bewerber, nicht den Rat geben, es mit dem Format nicht genau zu nehmen. Denn eine ordentlich aufgemachte Bewerbung mit sinnvollen Dateinamen (Beispiel: „Lebenslauf_Liesel_Schmidt“ statt „Scan0815“) in einem Format, das sich problemlos öffnen lässt (pdf ist da sehr hilfreich) wird von den meisten einfach positiv wahrgenommen. Es gibt viele kostenlose kleine Programme, die beim Umwandeln einer Datei ins pdf-Format helfen, und es gibt dafür auch Tutorials, die man über die großen Suchmaschinen finden kann, wenn man sich mit der Benutzung solcher Programme nicht so recht auskennt.

Zwar sagt das Format einer Bewerbung grundsätzlich nicht unbedingt viel darüber aus, ob Sie für den Job, auf den Sie sich bewerben, fachlich geeignet sind, aber der erste Eindruck zählt nun einmal, ob wir wollen oder nicht.

Deshalb empfehle ich bei aller Individualität, dass Sie es der Leserin und dem Leser Ihrer Bewerbung so leicht wie möglich machen sollten – wie kreativ Sie ansonsten sind, können Sie im zweiten Schritt im Vorstellungsgespräch unter Beweis stellen.

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Bewerbungstipp (46): alles sagen, was man weiß?

Wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, gehen Sie hin, um zu zeigen, was Sie wissen und können. Die meisten Gespräche verlaufen eher unstrukturiert (was kein Vorwurf ist, nur eine Beschreibung), manche Gespräche sind strukturiert, manchmal müssen Sie eine Präsentation halten und manchmal gibt es im Rahmen der Bewerbungsverfahrens auch Tests oder gar Assessment Center.

Egal, wie das Gespräch abläuft, Sie wollen und sollen zeigen, was Sie wissen und können.

Allerdings sollte das nicht unbedingt so ablaufen, wie diese Beispiele aus meinem Arbeitsalltag zeigen:
Wir sitzen in einem Besprechungsraum, der Bewerber und ich. Ich habe den Lebenslauf ausgedruckt vor mir und meine Fragen im Kopf. Auf dem Ausdruck mache ich mir Notizen. Der Bewerber schaut mir beim Schreiben zu und sagt dann: „Ach, das, was Sie eben aufgeschrieben haben, müssen Sie doch gar nicht aufschreiben, das ist nicht wichtig.“
Schön, dass ich so eine gute Handschrift habe, die man von der anderen Seite des Tisches auch kopfüber lesen kann, aber: was möchte mir der Bewerber durch diese Bemerkung sagen? Soll ich ihn dafür loben, dass er aufmerksam ist? Geht es um Transparenz? Um Vertrauen?
Bei mir führte dieser Kommentar jedenfalls dazu, dass ich meine Notizen in einer anderen Schreibschrift machte, die nicht so leicht mitzulesen ist. Aber so soll das nicht sein. Vielleicht möchten Sie ja wirklich gerne wissen, was Ihr Gesprächspartner über das Gespräch denkt und was er aufschreibt. Aber ebenso, wie man nicht an Türen horcht, ist das Mitlesen von fremden Notizen meiner Meinung nach schlechter Stil.

Nach einer Betriebsbesichtigung erklärte mir ein Bewerber, wie ineffizient wir arbeiten und was alles zu verbessern sei und schlug mir gleich seiner Meinung nach passende Dienstleister vor.
Ja, ich finde es gut, wenn sich jemand Gedanken über gutes und sinnvolles Arbeiten macht. Und es ist prima, wenn jemand in seinem bisherigen Berufsleben entsprechende Erfahrungen gemacht hat. Das interessiert mich in einem Bewerbungsverfahren durchaus. Aber es kommt in der Kommunikation doch sehr darauf an, wie man etwas sagt.
Wenn ich ein Unternehmen nur von außen kenne, kommt es nicht immer gut an, die bestehenden Prozesse und Arbeitsweisen gleich verändern zu wollen (wir reden jetzt nicht von den Klischeeunternehmensberatern, die Ähnliches tun. Mag ich auch nicht.)
Wenn Ihnen in einer solchen Situation etwas auffällt, stellen Sie Fragen. Sagen Sie ruhig, was Sie beobachten und stellen Sie dann eine Frage. Analysieren Sie nicht und bieten Sie keine Lösung an, sondern fragen Sie einfach nur nach. Ohne Wertung. Durch kluge Fragen können Sie zeigen, dass Sie ein Thema verstanden haben und dass Sie etwas darüber wissen. Ein „Ich könnte mir vorstellen, das so und so zu machen“ wirkt anders als ein „Sie sollten es so und so machen.“

Weder das eine noch das andere Beispiel ist für sich allein genommen ein Showstopper und ein Grund, jemandem abzusagen. Wenn Sie allerdings darüber hinaus auch noch erzählen, dass Sie Ihren letzten Job gekündigt haben, weil dort niemand wusste, wie die Arbeit korrekt zu erledigen sei und niemand auf Ihre Vorschläge hörte, dann komme ich doch ins Grübeln, ob wir gut miteinander arbeiten können.

Seien Sie im Gespräch ehrlich und sagen Sie, was Sie wissen – stellen Sie Ihr Gegenüber aber nicht als Dummchen hin. Umgekehrt gilt das natürlich ganz genauso! Aber was in der Personalauswahl auf Arbeitgeberseite alles schief laufen kann, darum wird es ein anderes Mal gehen.

 

 

 

 

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Bewerbungstipp (45): bitte kein Voodoo

Manchmal glaubt man ja nicht, was man vor dem ersten Kaffee schon lesen darf – letzte Woche „erwischte“ mich Stefan Reiser bei Twitter mit diesem Tweet.

Da hat so ein Schlauberger, der aus Funk und Fernsehen bekannt ist (also, zumindest den Leuten, die die Sendungen gucken, in denen er vorkommt), die These aufgestellt, dass Personaler als erstes auf das Bewerbungsfoto schauen und dass man das Foto doch bitteschön anpassen möge aufs Unternehmen und auf den „Spiegeleffekt“ hoffen, weil gerne Leute eingestellt würden, die so sind wie man selbst.

Au weia, sagt da jede und jeder halbwegs (aus-)gebildete Personalerin und Personaler und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen oder verschluckt sich am Kaffee.

Bitte, bitte, liebe Bewerberinnen und Bewerber: tut’s nicht.

Und liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst Euch nicht für dumm verkaufen und kümmert Euch um eine professionelle Personalauswahl.

Über die Fotodiskussion sollten wir im Jahr 2018 doch allmählich hinausgekommen sein.

Mal völlig abgesehen davon, dass es nicht unbedingt zielführend sein muss, Leute einzustellen, die so sind wie man selbst – vielleicht braucht es ja ganz andere Fähigkeiten, damit das Unternehmen vorankommt. Aber das ist ein eigenes Thema und wird bei Gelegenheit aufgegriffen.

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Bewerbungstipp (44): Vorbereitung aufs Gespräch

Auch im Jahr 2018 bleibt der Dienstag der Wochentag, an dem Sie hier meine persönlichen Bewerbungstipps lesen können, und zwar aus der täglichen Praxis für die Praxis. Mir ist es ein Anliegen, Ihnen etwas Handfestes mitzugeben, zumindest für die Situationen, für die das möglich ist.

Derzeit führe ich viele Bewerbungsgespräche und manchmal lade ich vor dem eigentlichen Termin im Unternehmen erst einmal zu einem Telefonat ein. Während es für die meisten Bewerberinnen und Bewerber selbstverständlich zu sein scheint, sich auf ein persönliches Gespräch gut vorzubereiten, zeigt mir meine Erfahrung, dass das für Telefonate nicht im gleichen Maße gilt.

Auch wenn es „nur“ ein Telefongespräch ist, sollten Sie sich darauf vorbereiten. Vorbereitung heißt für mich nicht zwingend, dass Sie alle Geschäftsberichte der letzten Jahre auswendig gelernt haben oder jede Pressemeldung genau kennen oder sich aufgrund von kununu- oder glassdoor-Bewertungen bereits eine Meinung gebildet haben.

Aber es hilft, wenn Sie

  • wissen, auf welche Stelle Sie sich beworben hatten und wie das Unternehmen heißt und wo es sitzt
  • das Telefonat eingeplant haben, so dass Sie nicht gerade mit dem Hund beim Joggen sind, wenn das Handy klingelt
  • Ihren Werdegang auch mit mehrjähriger Erfahrung in überschaubarer Zeit erzählen können und nicht für jede Dekade zehn Minuten oder mehr benötigen
  • eine Vorstellung haben, welche Fragen Sie Ihrerseits gerne stellen möchten
  • als Quereinsteigerin oder Quereinsteiger offen und ehrlich mit Ihren Kenntnissen und Erfahrungen umgehen und diese weder überhöhen noch kleinreden.

Klingt alles logisch und selbstverständlich? Prima, dann wünsche ich Ihnen für Ihr nächstes Telefoninterview viel Erfolg und vielleicht mögen Sie ja von Ihren Erfahrungen berichten. Kommentare sind willkommen.

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Grundlagen der Bewerbung

Stellen Sie sich vor, Sie müssen umziehen. In ein Land, dessen Sprache und Gepflogenheiten Sie erst kennen lernen. Und dann bekommen Sie nach ein paar Monaten die Aufgabe, einen Job zu finden.

Gar nicht so leicht, wenn man noch mit Vokabeln und Grammatik kämpft und alles so anders ist.

So geht es vielen Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, nach Deutschland kommen und versuchen, hier Fuß zu fassen. Nun schreibe ich ja schon seit ein paar Jahren über das Thema Bewerbung und versuche dabei, möglichst praxisnah zu sein und gleichzeitig mit einigen Mythen und Legenden aufzuräumen, die von vielen als Hindernisse beim Bewerben empfunden werden. Kurz gesagt, ich versuche deutlich zu machen, dass meine Personalerkolleginnen und Kollegen und ich gar nicht so schlimm sind, wie uns oft nachgesagt wird.

Da ich mich auch ehrenamtlich engagiere, u.a. beim Frankfurter Jugendrotkreuz, lag es nahe, dass ich mal nicht nur über das Thema schreibe, sondern darüber rede, und das für Menschen, die Unterstützung beim Bewerben sehr gut brauchen können: jugendliche Flüchtlinge.

So hatte ich gestern das Vergnügen, einem Dutzend junger Menschen mit Deutschkenntnissen zwischen A1 und A2 ein wenig über die Gepflogenheiten des Bewerbens in Deutschland näher zu bringen.

Da ich bereits vorher wusste, auf welchem Niveau sich die Sprachkenntnisse bewegen, habe ich das verwendete Material (Lebenslaufvorlage, Anschreiben und Vokabelliste) so einfach wie möglich gehalten. Es gab einige Teilnehmer, die hervorragend damit klar kamen, und andere brauchten sehr viel Unterstützung. Wenn man bisher seine Jobs dadurch gefunden hatte, dass man einfach im Dorf oder in der Kleinstadt von Werkstatt zu Werkstatt tingelte und anfragte, wo man gebraucht wurde, ist das Konzept eines Lebenslaufs und eines Anschreibens recht fremd. Und dann kommen noch so Kleinigkeiten dazu wie unterschiedliche Kalender. Da steht dann als Schulzeit 1385-1389 bei einem Geburtsjahr von 1999 und es gibt gemeinsame Verwirrung und großes Gelächter, als die Sache aufgeklärt wird.

Zweieinhalb Stunden dauerte der Workshop, und es gab für alle viel zu lernen, auch für mich. Ich bin ja eigentlich keine Freundin von Vorlagen und Textbausteinen, aber für diese Zielgruppe habe ich genau das erstellt, damit wir eine gemeinsame Basis hatten. Auch komplizierte Worte wie Anschreiben und Lebenslauf (ganz zu schweigen von Stellenanzeige und Vorstellungsgespräch) möglichst einfach zu erklären war für mich spannend und, ich gebe es zu, erst einmal gar nicht so leicht. Ich habe also auch von dem Workshop profitiert.

Besonders schön war, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hochmotiviert waren und das Angebot nicht als selbstverständlich ansahen. Und: sie wollen alle wiederkommen und lernen, wie man Stellenanzeigen liest und was man im Vorstellungsgespräch erzählen kann.

Dass sich Workshopteilnehmer am Ende per Handschlag persönlich bedanken und verabschieden hat man auch nicht so oft. In vielerlei Hinsicht also ein bemerkenswerter Tag. Ich habe auch schon Ideen für einen zweiten Termin und werde dann wieder hier im Blog berichten, wie es war.

 

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Bewerbungstipp (43): genau hinschauen

Wenn Sie dabei sind, sich zu bewerben, kennen Sie das vielleicht. Sie suchen Rat, wie das am besten zu bewerkstelligen sei. Sie fragen die Suchmaschine ihrer Wahl und bekommen mehr Ergebnisse, als Sie jemals lesen können, und haben die Qual der Wahl, was Sie mit diesen Ergebnissen anfangen sollten und wem Sie Glauben schenken wollen. Besonders beliebt sind Listen („Was Sie auf jeden Fall tun sollten“ – „Was Sie auf keinen Fall tun sollten“). Was ich davon halte (wenig), habe ich hier schon einmal kurz beschrieben.

Nur Sie selbst können entscheiden, welcher Tipp oder Ratschlag zu Ihnen und Ihrer Situation passt. Ich möchte Sie ermuntern, genau hinzuschauen und nicht alles, was Ihnen als „Expertenmeinung“ präsentiert wird, eins zu eins zu übernehmen. Selbst Experten können irren oder werden falsch zitiert oder aus dem Zusammenhang gerissen. Jemand, der seinen Arbeitstag damit zubringt, über Bewerbungen zu schreiben, hat möglicherweise einen anderen Standpunkt als jemand, der im Unternehmen mit der Personalauswahl betraut ist. Keiner von beiden hat alleine recht oder unrecht.

Vorsicht ist meiner Meinung nach geboten bei Artikeln, die aus dem Englischen (USA) übersetzt sind und uns hier als „neueste Informationen zum Bewerben“ präsentiert werden. Da steht schon mal drin, dass man die Innovationsfähigkeit eines Bewerbers an der von ihm verwendeten Schriftart erkennen könne oder dass eine Hotmail oder gar AOL E-Mail-Adresse darauf hindeute, jemand sei altmodisch. Ich fürchte, es gibt auch auf Seiten der Arbeitgeber Menschen, die so etwas glauben und ihre Auswahlkriterien danach richten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich ein schreibfehlerfreier, gut strukturierter Lebenslauf angenehm liest. Das geht mir auch so, und ich rate auch dazu, die Unterlagen ordentlich aufzubereiten. Aber übertreiben muss man es wahrlich nicht. Und wer behauptet, Ihre Persönlichkeit lasse sich aus der Gestaltung Ihrer Unterlagen herauslesen und Ihre Bewerbung daraufhin ablehnt, für den wollten Sie sowieso nicht arbeiten. Und ich auch nicht.

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Motivationsschreiben, Anschreiben und noch mehr Verwirrung

Vor ein paar Wochen bekam ich eine E-Mail vom (damaligen) Chefredakteur meines Lieblings-HR-Magazins (Human Resources Manager), ob ich nicht ein paar Worte zu Beratung und Beratern schreiben wollte. Dazu konnte ich natürlich nicht nein sagen, und nachlesen kann man das in der aktuellen Ausgabe.

Berater und Beratung im Personalbereich, ein Thema, dem ich zwiespältig gegenüber stehe. Ich war selbst als Beraterin tätig und sitze als Personalerin im Unternehmen nun auch schon seit einigen Jahren auf der „anderen Seite“ des Tisches. Wenn mir ein Berater erst einmal erklärt, was ich als Personalerin alles verkehrt mache und wie altmodisch ich bin, weil ich X oder Y noch nicht nutze, bekommt er/sie von mir keinen Auftrag. Mancher mag mich störrisch nennen, an dieser Stelle bin ich es aber, denn ich habe es selbst so gehandhabt und erwarte es von Beratern einfach, dass sie zuhören und fragen und nicht gleich mit der Lösung ankommen, die ihnen am besten gefällt. Ich möchte und kann in der Personalarbeit nicht immer alles alleine machen, deshalb ist es gut, Spezialisten zu haben, die ich für bestimmte Themen fragen und buchen kann. Es muss aber passen, und das finden wir am ehesten heraus, indem wir miteinander reden und nicht, indem eine Verkaufspräsentation abgespult wird, die nach dem Termin beim nächsten Unternehmen wieder herausgeholt wird und in gleicher Form wiederholt wird, obwohl diese potentielle Kunde sicher wieder andere Fragen und Anforderungen hat.

Passen soll es natürlich auch in der Personalauswahl. Auch dafür gibt es Berater, für beide Seiten, Unternehmen und Bewerber. Für Bewerber ist es nicht leicht, sich aus der Vielzahl der Themen und Ratgeber das auszusuchen, was zur eigenen Biografie und Situation passt. Neulich kam in der von Sabine Kanzler und mir moderierten Xing-Gruppe die Frage auf, was denn ein Motivationsschreiben sei und was man da schreiben solle. Es stellte sich heraus, dass der Dozent eines VHS-Kurses zum Thema Bewerbung der Meinung war, dass in die Bewerbung mehrere „Prosa-Dokumente“ gehörten: ein Anschreiben, in dem ich sage, auf welche Stelle ich mich bewerbe und ab wann ich verfügbar bin, und ein Motivationsschreiben, in dem ich darlege, warum ich die Richtige für den Job bin. Und als Krönung des Ganzen erzählte jemand, dass es im öffentlichen Dienst üblich sei, dass das Bewerbungsformular genau diese beiden Dokumente vorsehe.

Muss so etwas denn sein, liebe Beraterkollegen und liebe Bewerbungsformularersteller? Müssen wir es den Leuten (und uns) so schwer machen? Einerseits wird immer wieder darüber geklagt, man fände kein Personal, und andererseits werden Hürden geschaffen, die aus meiner Sicht unnötig sind.

Machen wir doch einfach mal einen Frühjahrsputz und schauen uns unsere Prozesse einmal an. Sind diese so schlank und logisch, wie sie sein könnten? Welche Kriterien nutzen wir zur Auswahl? Ist es wirklich wichtig, ob jemand ein Anschreiben, ein Motivationsschreiben oder einen Brief verfasst?

Kommunikation an sich ist schon verwirrend genug. Das müssen wir nicht noch verstärken, weder als Berater noch als Personaler. Ich habe da auch so meine „Hausaufgaben“ zu erledigen und freue mich auf Ihr Feedback, als Kommentar hier im Blog oder gerne auch per E-Mail.

 

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