Bewerbungstipp (46): alles sagen, was man weiß?

Wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, gehen Sie hin, um zu zeigen, was Sie wissen und können. Die meisten Gespräche verlaufen eher unstrukturiert (was kein Vorwurf ist, nur eine Beschreibung), manche Gespräche sind strukturiert, manchmal müssen Sie eine Präsentation halten und manchmal gibt es im Rahmen der Bewerbungsverfahrens auch Tests oder gar Assessment Center.

Egal, wie das Gespräch abläuft, Sie wollen und sollen zeigen, was Sie wissen und können.

Allerdings sollte das nicht unbedingt so ablaufen, wie diese Beispiele aus meinem Arbeitsalltag zeigen:
Wir sitzen in einem Besprechungsraum, der Bewerber und ich. Ich habe den Lebenslauf ausgedruckt vor mir und meine Fragen im Kopf. Auf dem Ausdruck mache ich mir Notizen. Der Bewerber schaut mir beim Schreiben zu und sagt dann: „Ach, das, was Sie eben aufgeschrieben haben, müssen Sie doch gar nicht aufschreiben, das ist nicht wichtig.“
Schön, dass ich so eine gute Handschrift habe, die man von der anderen Seite des Tisches auch kopfüber lesen kann, aber: was möchte mir der Bewerber durch diese Bemerkung sagen? Soll ich ihn dafür loben, dass er aufmerksam ist? Geht es um Transparenz? Um Vertrauen?
Bei mir führte dieser Kommentar jedenfalls dazu, dass ich meine Notizen in einer anderen Schreibschrift machte, die nicht so leicht mitzulesen ist. Aber so soll das nicht sein. Vielleicht möchten Sie ja wirklich gerne wissen, was Ihr Gesprächspartner über das Gespräch denkt und was er aufschreibt. Aber ebenso, wie man nicht an Türen horcht, ist das Mitlesen von fremden Notizen meiner Meinung nach schlechter Stil.

Nach einer Betriebsbesichtigung erklärte mir ein Bewerber, wie ineffizient wir arbeiten und was alles zu verbessern sei und schlug mir gleich seiner Meinung nach passende Dienstleister vor.
Ja, ich finde es gut, wenn sich jemand Gedanken über gutes und sinnvolles Arbeiten macht. Und es ist prima, wenn jemand in seinem bisherigen Berufsleben entsprechende Erfahrungen gemacht hat. Das interessiert mich in einem Bewerbungsverfahren durchaus. Aber es kommt in der Kommunikation doch sehr darauf an, wie man etwas sagt.
Wenn ich ein Unternehmen nur von außen kenne, kommt es nicht immer gut an, die bestehenden Prozesse und Arbeitsweisen gleich verändern zu wollen (wir reden jetzt nicht von den Klischeeunternehmensberatern, die Ähnliches tun. Mag ich auch nicht.)
Wenn Ihnen in einer solchen Situation etwas auffällt, stellen Sie Fragen. Sagen Sie ruhig, was Sie beobachten und stellen Sie dann eine Frage. Analysieren Sie nicht und bieten Sie keine Lösung an, sondern fragen Sie einfach nur nach. Ohne Wertung. Durch kluge Fragen können Sie zeigen, dass Sie ein Thema verstanden haben und dass Sie etwas darüber wissen. Ein „Ich könnte mir vorstellen, das so und so zu machen“ wirkt anders als ein „Sie sollten es so und so machen.“

Weder das eine noch das andere Beispiel ist für sich allein genommen ein Showstopper und ein Grund, jemandem abzusagen. Wenn Sie allerdings darüber hinaus auch noch erzählen, dass Sie Ihren letzten Job gekündigt haben, weil dort niemand wusste, wie die Arbeit korrekt zu erledigen sei und niemand auf Ihre Vorschläge hörte, dann komme ich doch ins Grübeln, ob wir gut miteinander arbeiten können.

Seien Sie im Gespräch ehrlich und sagen Sie, was Sie wissen – stellen Sie Ihr Gegenüber aber nicht als Dummchen hin. Umgekehrt gilt das natürlich ganz genauso! Aber was in der Personalauswahl auf Arbeitgeberseite alles schief laufen kann, darum wird es ein anderes Mal gehen.

 

 

 

 

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