Freitagsgedanke: wer ist hier eigentlich die Hausfrau?

Vor einigen Tagen blätterte ich im Privatbahn-Magazin. Das Titelthema: Frauenpower braucht die Bahn! http://www.privatbahn-magazin.de/prima-cms/index.php?cat=Magazin&page=2017_01_Frauenpower

So weit, so gut. Ich habe selbst ja keinen technischen Beruf, aber ein technisches Hobby und mache mir gerne mal die Finger schmutzig, sei es am Oldtimer-LKW, am Traktor oder auch beim Heimwerken. Die Artikel waren gut geschrieben, teilweise waren mir die Fragestellungen nicht neu, manches habe ich dazugelernt.

Und dann kam sie, die ganzseitige Anzeige eines großen Konzerns.

Titel: „Datenanalysten sorgen für verlässliche Züge. Und pünktliche Väter.“ (Hervorhebung von mir)

Das Bild dazu: am Bahnsteig umarmt ein anzugtragender Vater seine Tochter im Teenageralter, während die Mutter schön daneben steht und lächelt.

Im Text wird dann noch einmal darauf eingegangen, dass der Lieblingstermin für Pendler zuhause stattfindet und welche Rolle Datenanalysten dabei spielen.

Immerhin gibt es ein weiteres Bild im unteren Teil der Anzeige, das einen Mann und eine Frau vor einem Bildschirmarbeitsplatz zeigt. Vielleicht gibt es die Datenanalysten ja auch in weiblich? Oder sie ist die Pendlerin, die auch gerne pünktlich zuhause sein möchte?

Nichts gegen traditionelle Rollenverteilung. Ich wünsche mir, dass jede Familie das für sie beste und sinnvollste Modell findet.

Aber wenn ich erst seitenlang darüber lese, wie wichtig Frauen auch in technischen Berufen sind und welche Chancen und Möglichkeiten es gibt, und dann diese Werbung sehe, dann weiß ich, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, bevor es selbstverständlicher wird, dass das Nachhausekommen zur wartenden Familie keine reine Männersache ist. So lange das immer wieder durch solche und ähnliche Bilder verstärkt wird, dass halt einer aus der Familie die Erwerbsarbeit macht, und dieser eine der Mann ist, so lange haben es Männer, die zuhause sein wollen oder in Teilzeit arbeiten, ebenso schwer wie Frauen, die nicht nur die „Kümmerin“ sein wollen oder können.

Was hat das nun mit Personal zu tun? Zum einen sollten wir auch im Personalmarketing immer wieder prüfen, welches Bild wir als Arbeitgeber transportieren. Zum anderen sowohl beim Recruiting als auch bei der Weiterentwicklung für bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schauen, welche Chancen Männer und Frauen haben und welches Rollenverständnis herrscht und ob wir das möglicherweise ändern sollten. Und auch uns selbst sollten wir immer wieder fragen, ob es nicht versteckte (Vor-)Urteile und Schubladen gibt, auf die wir im Sinne einer Gleichbehandlung für alle Geschlechter künftig verzichten könnten.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und freue mich stets über Kommentare.

 

 

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