Quereinsteiger in der Personalabteilung (4)

Lassen Sie mich zunächst eines sagen, was zwar nicht gerne gehört wird, was aber aus meiner Sicht sehr wichtig dafür ist, ob der Quereinstieg im Personalwesen dauerhaft klappt: ohne Fachwissen geht nichts. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass es für eine erfolgreiche Tätigkeit als Personalerin oder Personaler schon reicht, dass Sie gerne und gut kommunizieren, hart arbeiten, keine Angst vor Zahlen haben und lesen und schreiben können.

Sie kommen um ein tragfähiges Fundament aus Fachwissen nicht herum. Wie Sie das erwerben, dafür gibt es unzählige Wege und kein Patentrezept. Aber bleiben Sie neugierig, seien Sie wissbegierig, nutzen Sie jede Gelegenheit, etwas zu lernen und sich weiterzubilden. Es ist für den beruflichen Alltag viel hilfreicher, wenn jemand über Sie sagt, dass Sie etwas können und nicht nur, dass Sie halt „nett“ sind.

Wie war es bei mir? Als es aufs Abitur zuging, war für mich noch nicht allzu viel klar. Musik sollte dabei sein, aber für eine Ausbildung als Konzertpianistin würde es nicht reichen, das wusste ich. Und um meinen Tag nur mit Üben zu verbringen, dazu war ich einerseits zu faul und andererseits zu vielseitig interessiert. Ich machte Theater, sang im Chor, schrieb ab und zu etwas für die Schülerzeitung, engagierte mich in der Gemeinde, machte Sport… Da gab es also vieles, was mir Spaß machte, und ab und zu fand ich auch noch Zeit für die Hausaufgaben. Um mich zu orientieren, machte ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kindergarten und daraus ergab sich dann mein erstes Studium: Diplom-Musiklehrerin mit dem Schwerpunkt Elementare Musikerziehung, Klavier und Gesang. Irgendwie war mir das aber zu wenig und ich absolvierte ein zweites Studium und machte in England meinen Abschluss als Diplom-Musiktherapeutin. Mein Weg schien soweit klar und stimmig. Aber dann kam es doch anders. Da ich mich in England sehr wohl fühlte, wollte ich dort bleiben und beruflich Fuß fassen. Leider wurden just im Jahr meines Abschlusses jede Menge Stellen in den „Arts Therapies“ gestrichen, zu denen auch Musiktherapie gehört, und ich fand wie viele meiner Kommilitonen keinen Job. Also suchte ich mir andere Möglichkeiten, Geld zu verdienen und nutzte meine Sprachkenntnisse, um über Zeitarbeit als Researcherin in verschiedenen Projekten zu arbeiten. Ich lernte dort eine Menge über das „normale“ Arbeitsleben in einem Büro und kam dank meiner Lernbereitschaft und Auffassungsgabe auch schnell sehr gut zurecht. Doch irgendetwas fehlte mir und so zog ich doch zurück nach Deutschland.

Dort begegnete mir zum ersten Mal die Aussage, ich sei überqualifiziert. Und gleichzeitig merkte ich, dass ich mit dem, was ich konnte und wusste, wohl nicht die optimale Kandidatin für Stellen in der Personalentwicklung war, obwohl ich mich damals dafür hielt. Ich hatte immer noch zu wenig Ahnung davon, was meine Aufgabe in diesem Bereich sein könnte, und worauf es ankam. Aber meine Erfahrung als Researcherin kam mir zugute und ich landete in der Personalberatung. Das war eine harte Schule, aber ich lernte unheimlich viel darüber, wie Unternehmen funktionieren, wie ein „guter“ Kandidat auf eine Vakanz definiert wird, was Stellentitel und Ausschreibungstexte bedeuten und was nicht, und ich profitiere noch heute von dieser Station.

Auch wenn Zeitarbeit nicht flächendeckend einen guten Ruf hat und es in der Branche immer noch schwarze Schafe gibt, die mit dafür sorgen, dass die Schattenseiten nicht verschwinden, so hatte ich dadurch die nächste intensive Lernchance. Ich hatte nämlich nicht nur für meine Kunden das passende Personal zu finden, sondern mich auch um die Administration und die Betreuung „meiner“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern. Zeiterfassung, Personalentwicklung, Vertragsgestaltung, Tarifvertrag, Jahresgespräche, es gab so manches, was ich zu lernen hatte und was mir den Blick öffnete auf das, was Personalarbeit beinhalten und sein könnte.

Mit diesen Erfahrungen und einem weiteren Studienabschluss, den ich mir neben dem Job erarbeitet hatte, landete ich schließlich da, wo ich hinwollte, nämlich in der Personalabteilung eines Unternehmens. Und auch heute, nach mehr als zehn Jahren in Personalberatung und Personalwesen, lerne ich immer wieder dazu.

Egal, wie Ihr persönlicher Weg aussehen wird, hören Sie nicht auf, zu lernen. Seien Sie selbstbewusst und verkaufen Sie sich nicht unter Wert, aber seien Sie gleichzeitig ehrlich und wenn Sie etwas (noch) nicht wissen, ändern Sie das.

Gerne beantworte ich hier im Blog, per E-Mail, bei Xing, LinkedIn oder Twitter Ihre Fragen zum Quereinstieg, denn auch wenn ich in den letzten vier Blogposts schon viel geschrieben habe, gäbe es doch noch viel mehr zu sagen. Aber eins nach dem anderen. 🙂

Und zum guten Schluss noch ein Lesetipp im Blog von Prof. Wald: http://leipzig-hrm-blog.blogspot.de/2017/01/hr-bashing-ist-teil-des-spiels-5-1.html

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