Ausbildungsmarketing per Video

Wussten Sie, dass es in Deutschland mehr als 300 anerkannte Ausbildungsberufe gibt? Vor vierzig Jahren waren es gut doppelt so viele, knapp 600.

Und da soll man sich dann als junger Mensch entscheiden und wissen, was man lernen möchte. Gar nicht so leicht. Ich erinnere mich an Besuche im „BIZ“ (Berufsinformationszentrum) im „Arbeitsamt“ (so hieß das zu meiner Schulzeit noch, und umgangssprachlich auch noch heute), bei denen mir so interessante Berufe wie Dorfhelferin oder Heilerziehungspflegerin vorgeschlagen wurden. Ich habe hier schon einmal darüber geschrieben: https://andreahartenfeller.wordpress.com/2013/04/15/die-qual-der-wahl/

Neben verschiedenen Plattformen, auf denen man seine freien Ausbildungsplätze bewerben kann und/oder sich als Arbeitgeber vorstellen und/oder die Ausbildungsinhalte beschreiben, gibt es die Möglichkeit, ein Video zu machen und zu verbreiten. Gut gemeint ist dabei nicht immer gut gemacht, und so finden sich zuhauf spöttische Kommentare zu unfreiwillig komischen Filmen.

Gestern stieß ich zufällig auf ein Video der Orgelbaufirma Rieger aus Österreich und twitterte kurz darüber. Ich möchte das, was nicht in 140 Zeichen passt, nun weiter ausführen. Was lernt man in einer Orgelbaufirma? Nun, man lernt Orgelbauer/Orgelbauerin. Wer nicht weiß, was der Beruf beinhaltet, möge sich das fast 14 Minuten lange Werk gerne einmal zu Gemüte führen: https://www.youtube.com/watch?v=9NMUD_lE3Jk

Für mich als Hobbyorganistin allein aus orgeltechnischer Sicht sehr interessant – aber was lernt nun der angehende Orgelbauazubi daraus? Zunächst einmal lernen wir, dass der Beruf sehr vielseitig ist, weil Orgelbauer mit unterschiedlichen Materialien wie Holz und Metall und entsprechend mit verschiedenen Werkzeugen arbeiten müssen. Wer also zwei linke Hände hat, wird wohl in diesem Bereich nicht glücklich. Positiv aufgefallen ist mir die vergleichsweise hohe Zahl an jungen Frauen, die im Video zu sehen sind. Bei einem Handwerksberuf ist das keine Selbstverständlichkeit.

Aber – wir lernen in diesem Video nichts darüber, warum wir ausgerechnet bei dieser Firma Orgelbauer werden sollten, und nicht bei anderen Firmen. Das Video heißt „Lehrlingsinfotag1“ und auf der Website des Orgelbauers findet sich auch ein Hinweis darauf, dass heute besagter Infotag stattfindet – aber wer sucht schon auf einer Videoplattform nach dem Stichwort „Lehrlingsinfotag“? Noch dazu, wenn das Video von der Agentur hochgeladen wurde und der Name des Unternehmens nirgends erwähnt wird. Außer im Vorspann und zwischen drin immer mal. Mit einer animierten kleinen Figur, die zumindest mir nichts weiter sagt als dass es in der Agentur jemanden gibt, der kleine Animationen herstellen kann. Einen Zusammenhang zum eigentlichen Thema des Videos habe ich in den Animationen nicht gefunden.

Und so bleibt für mich als Fazit leider nur, dass auch hier gut gemeint nicht gut gemacht ist – auch wenn die Qualität des Videos hoch ist und es für Orgelinteressierte wirklich viel zu sehen gibt. Aber um künftige Auszubildende für genau diesen Arbeitgeber zu begeistern, reicht das aus meiner Sicht nicht aus. Daher mein Rat an alle, die über Recruitingvideos nachdenken: überlegen Sie genau, was Sie sagen wollen und wen Sie ansprechen wollen. Erzählen Sie eine Geschichte, machen Sie neugierig auf sich und auf das, was Auszubildende bei Ihnen erwartet. Und denken Sie immer daran, dass man Sie auch finden muss – und zwar auch dann, wenn man noch kein Branchenprofi ist und Ihren Namen sowieso schon kennt.

 

 

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Eingeordnet unter Klartext, recruiting

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