Schwierige Bewerbungen – ein ewiger Wettbewerb?

Wer sich mit dem Thema Recruiting und Bewerbungen beruflich befasst, kennt das vielleicht – man wird mehr oder weniger regelmäßig um Rat gebeten, wenn jemand aus dem Bekanntenkreis eine neue Stelle sucht. Nicht immer kann man helfen, denn selten ist es damit getan, dass man sagt, schreib doch Deinen Lebenslauf in dieser oder jener Form, und alles wird gut.

Ich möchte heute gar nicht darüber schreiben, ob die gewachsenen Prozesse der Jobsuche und der Personalauswahl noch zeitgemäß sind und was man ändern könnte oder gar müsste.

Ich möchte von einer Beobachtung erzählen, die ich im Zusammenhang mit Beratungsanfragen und Diskussionen in Foren seit Jahren mache:
Jede/r geht für sich davon aus, es in der Bewerbungsphase besonders schwer zu haben.
Sei es, wenn sich ein Berufseinsteiger bewirbt („die suchen immer nur Leute mit Erfahrung“), wenn sich ein sehr erfahrener Arbeitnehmer bewirbt („ich bin denen doch zu alt/zu teuer“), wenn sich eine Wiedereinsteigerin bewirbt („ich werde nur nach der Kinderbetreuung gefragt“), sei es eine Bewerberin mit Migrationshintergrund, ein behinderter Bewerber, eine Langzeitarbeitslose, ein Selbständiger – die Argumente, warum die Bewerbung schwierig sei, sind häufig identisch.

Und oft werden Vergleiche angestellt, und es wird gesucht, warum man selbst es noch schwerer habe als Person X, und warum es schwer bleibt und keinesfalls zu ändern sei. Die Welt sei nun einmal böse und gemein, und die Arbeitgeber erst recht, und vor allem die Personaler, die ja keine Ahnung haben, wie viele Diamanten ihnen täglich durch die Lappen gehen.

Das mag auch sein. Recruiting, wie wir es kennen, hat seine Schwächen. Nicht jeder, der im Unternehmen bei der Personalsuche mitmacht, macht seine Sache gut. Aber das gilt für alle Berufsgruppen. Und was nützt es uns in der Bewerbung, uns darauf zu konzentrieren, was alles nicht gut ist und was nicht funktioniert? Finden Sie schneller einen Job, wenn Sie erklären, Sie hätten es von allen Bewerbern sowieso am schwersten?

Im Grunde genommen ist jede Bewerbung schwer, es sei denn, Sie sind fachlich so toll und so stark vernetzt, dass Sie eingeladen werden, sich vorzustellen, ohne auch nur eine Zeile eines Anschreibens getippt zu haben – und auch dann werden Sie mindestens ein Gespräch führen und wenn Sie den Job dann haben, kommen die ersten Wochen und Monate, in denen Sie erst merken, ob das wirklich Ihr Ding ist im neuen Aufgabengebiet und im neuen Unternehmen.

So blöd das klingt, nicht jeder wird innerhalb einer für ihn akzeptablen Zeit einen guten Job finden. Dieses Scheitern einzukalkulieren macht niemand gern. Aber es kann helfen, durch die kleinen und größeren Frusterlebnisse hindurchzukommen und für jede neue Bewerbung neue Energie zu finden. Manchmal macht man es sich auch leicht, in dem man sich sagt, man habe mit seinem persönlichen Hintergrund, seinem Alter, seiner Erfahrung, seiner Herkunft, seiner Haarfarbe oder seinem Familienstand eh keine Chance und die Welt als solche müsse sich ändern, damit man endlich auch zum Zuge kommt.
Ich kenne das auch. Ich hatte vor Jahren eine Phase, in der ich unbedingt in die Personalentwicklung wollte bzw. als Trainerin arbeiten. Ich kassierte eine Absage nach der anderen und konnte und wollte damals nicht verstehen, warum mich niemand zu Gesprächen eingeladen hat, hielt ich mich doch aufgrund meiner Ausbildungen, meiner Sprachkenntnisse und meiner Auslandserfahrung für die perfekte Kandidatin. Wenn ich mir heute die Bewerbungen anschaue, die ich geschrieben habe, verstehe ich gut, warum ich nicht eingeladen wurde. Ich hatte einfach keine Ahnung, wie Unternehmen ticken und wie ich es rüberbringen könnte, dass man mich als Quereinsteigerin hätte in Betracht ziehen können. Vielleicht gab es auch auf Seiten der Unternehmen niemanden, der zwischen den Zeilen hätte lesen können, aber wer meine Bewerbung in die Hand bekommt, das kann ich nicht beeinflussen.

Was ich als Bewerber aber beeinflussen kann, ist meine innere Haltung, und die Art und Weise, wie ich Informationen gebe und welche Informationen ich gebe. Darauf kann ich mich konzentrieren.

Die Energie, die man in diesen „Wettbewerb“ um die schwierigste Ausgangssituation steckt, kann man sich meiner Meinung nach jedenfalls sparen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Bewerbung, Bewerbungstipp, Klartext

2 Antworten zu “Schwierige Bewerbungen – ein ewiger Wettbewerb?

  1. Hallo Andrea,

    das kenne ich auch.
    Selbst der prototypische deutsche, verheiratete Mann mit einschlägiger Berufserfahrung und lückenlosem Lebenslauf fühlt sich manchmal diskriminiert, denn jetzt wollen ja angeblich alle Frauen einstellen/befördern wegen Quote und weil das halt so en vogue ist.
    Es schont halt das Ego, wenn man den (so empfundenen) Misserfolg nicht sich selbst ankreiden muss, sondern den sonderbaren Kriterien der anderen.
    Wenn das hilft, umso mehr an seiner Strategie zu arbeiten, ist dagegen ja auch nichts einzuwenden. Blöd ist es nur, wenn Resignation die Folge ist.

    • Andrea Ha.

      Ja, das meinte ich mit „Wettbewerb“. In meiner Career Center Zeit hörte ich oft „Die wollen ja keine Anfänger“, aus dem Bekanntenkreis kommt „Die wollen nur junge Leute“, Männer sagen „die wollen nur Frauen“, Frauen sagen „die wollen nur Männer“, und man dreht sich dabei im Kreis und kommt nicht recht weiter.
      Im Einzelfall ist es vielleicht auch so, dass Unternehmen A keine Anfänger will und Unternehmen B lieber Frauen einstellt, aber daran sollte ich meine Aktivitäten nicht ausrichten.

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