Prozessoptimierung

Immer dann, wenn sich ein Unternehmen in einer Umstrukturierungsphase befindet, oder wenn jemand im Alltag feststellt, dass etwas nicht ganz so lief, wie man sich das vorgestellt hat, kommt die Prozessoptimierung ins Spiel.
Kein Prozess, der sich nicht noch optimieren ließe, und kaum ein Team oder eine Abteilung, die davon ausgenommen wären.

Nun bin ich selbst ja eine Freundin strukturierten Vorgehens, zumindest da, wo es passt, z.B. in der Personaladministration. Strukturen und Prozesse können und dürfen natürlich immer mal auf den Prüfstand gestellt werden, damit sie nicht zum reinen Selbstzweck werden und im Alltag wirklich das tun, was sie sollen, nämlich die Arbeit erleichtern und dafür einen Rahmen bieten.

Wenn man jedoch auf eine Anfrage hin zu hören bekommt, diese könne leider im Augenblick nicht bearbeitet werden, da man mitten in einer Prozessoptimierung stecke, oder dass ein Thema nicht zum Prozess passe und deshalb unter den Tisch fallen müsse, dann läuft bei der ganzen Sache etwas schief.

Irgendwann muss neben der Optimierung die eigentliche Arbeit ja gemacht werden, und sich hinter Prozessen zu verstecken, mag vielleicht für den einen oder anderen ganz angenehm sein, weil man so seine Ruhe hat, aber gerade für die Personalarbeit gilt, dass jemand, der lieber seine Ruhe haben möchte, sich vielleicht besser ein anderes Betätigungsfeld sucht. Wenn wir Personaler intern und extern ernstgenommen werden wollen, brauchen wir zwar Prozesse, die logisch sind und die funktionieren, aber noch mehr brauchen wir Menschen, die diese Prozesse mit Leben füllen und die die Prozesse verstanden haben und sie nutzen, um die eigene Arbeit gut zu machen.

Dazu gehört auch, die eigenen Grenzen zu kennen und nicht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Kein noch so guter HR-ler wird es schaffen, in der üblichen Arbeitswoche in allen Teilbereichen der Personalarbeit glänzen zu können, und wir brauchen den Mut, das auch intern und extern zu vertreten. Berichte wie der von Sandra Gausmann (Personalerin auf Jobsuche: http://www.blickwinkel-blog.de/?p=44) könnten und sollten uns aufhorchen lassen und schauen, ob es da nicht auch einen Splitter oder gar einen Balken in unserem HR-Auge gibt, den es zu entfernen gilt.

Bei aller Liebe zu Strukturen und Prozessen, wir dürfen uns nicht dazu verleiten lassen, uns zu verzetteln. Ob ein Prozess funktioniert oder nicht, weiß man nicht zwingend innerhalb weniger Tage. Ich möchte für mehr Mut zum Ausprobieren plädieren, und für mehr Zeit, Prozessen und Strukturen Leben einzuhauchen.

Und wenn jemand sagt, man habe ja in diesem Quartal noch gar keine Prozessoptimierung angestoßen, tja, dann muss das vielleicht einfach mal so sein.

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Eingeordnet unter Klartext, Meinung

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