Wenn ich groß bin…

… werde ich
– Krankenschwester
– Rallye-Service-Truck-Fahrerin
– Tierärztin
– Fluglotsin
– Dirigentin
… oder doch etwas ganz anderes?
Interessanterweise erlebe ich manches von dem, was ich mir in Bezug auf diese Berufe und Tätigkeiten vorgestellt habe, in meinem Job als Personalerin. Naja, Tiere treffe ich eher selten, und auch das Thema LKW ist nur Hobby, aber der Job ist so bunt und vielfältig, da gibt es durchaus Elemente anderer Berufsfelder, wenn man mal genauer hinschaut. Und mein Quereinstieg und meine bunte Biographie tun dazu ihr Übriges.

Aber ich wollte gar nicht lange über mich selbst schreiben, sondern ein paar Gedanken zu uns Personalern teilen, wobei ich vermute, dass es den Personaler (oder auch die Personalerin) an sich überhaupt nicht gibt. Dazu ist das Berufsfeld zu vielfältig. Es gibt Spezialisten und Generalisten, es gibt große und kleine Unternehmen, es gibt „Teilzeitpersonaler“, die nebenbei auch noch Buchhalter, Sekretärin oder was auch immer sind, es gibt unterschiedliche Bildungswege, Aufgaben, Möglichkeiten.

Seit ich mich mit HR befasse, und das sind inzwischen schon mehr als ein Dutzend Jahre, habe ich den Eindruck, dass HR immer wieder in einer Findungsphase zu sein scheint. Mal menschelt es im HR zu viel, mal zu wenig, mal werde ich für meine therapeutische Zusatzausbildung bewundert, weil die im HR so hilfreich sei, mal werde ich bedauert, weil ich keine durch ein Studium nachgewiesenen Betriebswirtschaftskenntnisse habe. Eine Balance zwischen beiden Polen zu finden scheint schwierig – doch ist sie nötig? Ist sie überhaupt gewollt?

Die vielen Pädagogen und Juristen im HR hätten zu wenig Ahnung von Zahlen, daher sei HR nicht so strategisch relevant wie es sein könnte, so lese ich an einer Stelle, und frage mich dabei, ob das nicht auch eine Frage von (Unternehmens-)Kultur ist, inwieweit Zahlenspielereien betrieben werden. Und was lässt sich wie messen, und welche Schlüsse lassen sich aus den Zahlen ziehen?

Zu viele Regelwerke und Zahlen, gerade in der Lohnabrechnung, könnten möglicherweise die Innovations- und Risikofreude im HR trüben, lese ich an anderer Stelle, und frage mich, ob sich Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Kreativität ausschließen, oder sich nicht doch ergänzen können?

Über allem steht die Frage, welche Art Personaler ein Unternehmen möchte. Wenn man in einem eher konservativen Berufsstand, in dem ich mit meiner pädagogisch-künstlerischen Vergangenheit oft als Exotin angesehen werde, Gespür für Trends und Zukunftsszenarien erwartet, ist das realistisch? Und besteht seitens der Unternehmen tatsächlich ein Interesse daran? Oder redet man nur gerne davon, dass man auch die Mit-Denker, die Quer-Denker, die Neu-Denker möchte, aber doch bitte nicht in der Personalabteilung, denn da soll der Lohnzettel stimmen und die Akten ordentlich sein und überhaupt haben wir ja Fachkräftemangel und bekommen eh nicht, wen wir wollen. Wenn wir denn wüssten, was wir wollen.

Ich freue mich jedenfalls auf und über Begegnungen und Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen, die das Bild von HR schärfen und dem Berufsfeld das individuelle, spannende und interessante Gesicht geben, das es verdient.

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Eingeordnet unter Klartext, Meinung

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