HR und Bewerber – zwei Königskinder, die nicht zueinander kommen?

Es ist so ein bisserl wie die Sache mit der Henne und dem Ei, die Frage danach, was oder vielmehr wer zuerst da war: der unfähige Personaler oder ungehobelte Bewerber. In den letzten Wochen wurde wieder viel diskutiert, u.a. ausgelöst durch den offenen Brief einer Personalerin im Blog von Henrik Zaborowski: http://www.hzaborowski.de/2014/04/04/hr-schlaegt-zurueck-oder-wie-bewerber-2-0-die-recruiter-den-wahnsinn-treiben/
Wenn man die diversen Blogbeiträge so liest, könnte man fast denken, mit HR und Bewerbern sei es so wie mit den zwei Königskindern, die einfach nicht zueinander kommen, weil das Wasser, das sie trennt, viel zu tief ist.

Auch ich könnte Geschichten erzählen, von beiden Seiten, und tue das manchmal sogar, z.B. hier im Blog. Und ich verstehe, dass so manchem HR-Kollegen mal virtuell der Kragen platzt, weil es einfach nervt, wenn man immer nur der Buhmann ist.

Aber das macht die Sache leider nicht wirklich besser.
Was helfen könnte, wäre, an den eigenen Erwartungen zu arbeiten. Als Personaler sollte ich nicht erwarten, dass Bewerber Bewerbungsprofis sind. Hölzerne Formulierungen im Anschreiben? Den Lebenslauf nicht im neuesten Schrei formatiert? Das Foto zu groß? Die E-Mail-Adresse zu lustig? Geschenkt.
Ich erwarte eine sorgfältige Bewerbung. Ich möchte, dass sich ein Bewerber Zeit nimmt und die Unterlagen ordentlich und so fehlerfrei wie möglich zusammenstellt. Das ist Pflicht. Alles darüber hinaus ist Kür. Es sei denn, jemand bewirbt sich als Bewerbungsberater 😉

Auch auf Bewerberseite lassen sich Erwartungen anpassen. Als Bewerber muss ich damit rechnen, dass meine Unterlagen nicht von einem HR-Profi empfangen werden oder dass der Prozess in kleineren Unternehmen oft ganz ohne HR abläuft oder in sehr großen Unternehmen von der Maschinerie der Datenbanken und Einzelprozesse ent-personalisiert wird.

Generell ist es meiner Meinung nach aber einfacher, auf Seiten der Personaler etwas zu ändern als auf Seiten der Bewerber. Immerhin bewirbt man sich nicht jahrelang (also, das sollte zumindest nicht so sein!), um dann sagen zu können, man habe x Jahre Bewerbungserfahrung. Als Personaler, der Bewerbungen auf den Tisch bekommt, kann man vergleichsweise leicht besser werden in dem, was man da tut. Es ist ja eigentlich recht einfach, aber den Schalter im Kopf muss so mancher erst einmal umlegen.

Ich würde mich auch nicht als „die Personalerin, die nie einen Fehler macht und nie einen schlechten Tag hat und in deren Team alles super läuft“ bezeichnen wollen, und es gibt möglicherweise Bewerber oder Teamleiter, die über mich skurrile Geschichten erzählen. Doch wenn etwas nicht so gut läuft und ich das merke (oder jemand mir sagt), versuche ich, daraus zu lernen und es zu verbessern, denn das gehört zum Berufsleben nun einmal dazu.
Darüber hinaus ist das, was man gemeinhin eine „gute Kinderstube“ nennt, im Kontakt mit Bewerbern, Kollegen, Managern und Beratern nie fehl am Platz.

In diesem Sinne: auf ein gutes Miteinander und Brücken-übers-tiefe-Wasser-bauen!

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Eingeordnet unter Bewerbung, Klartext, Meinung, recruiting

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