Angst vorm Bewerben?

Warum ich denn nicht an der Blogparade zum Thema Bewerbungsghostwriting teilgenommen hätte, wurde ich gefragt. Ich hätte doch bestimmt etwas zu sagen gehabt.

Das stimmt. Und es stimmt auch, dass es in den letzten Wochen hier im Blog etwas ruhiger war. Das hatte seinen Grund, wird aber nicht so bleiben.

Und so widme ich mich, ganz ohne Parade, mal wieder dem Thema: „Keine Angst vor Bewerbungen“. Die vielen Bücher und Ratgeber, die es dazu gibt, lassen das Unterfangen ähnlich kompliziert erscheinen wie das Zusammenbauen eines Möbelstücks einer Ladenkette aus Skandinavien oder das Backen einer mehrstöckigen Hochzeitstorte. Einige Berater tragen zusätzlich das Ihre dazu bei, dass die Verunsicherung auf Seiten der Bewerber eher größer als kleiner wird. Und dann sind da noch die Kens und Barbies (danke, Herr Sattelberger, für dieses wunderbare Bild!) in den Unternehmen (und auch in der Personalabteilung), die nicht nur auf Jobmessen gebetsmühlenartig wiederholen, wie wichtig auch die Bachelorabsolventen/Quereinsteiger/Werauchimmers sind, und dann doch nur die Masterabsolventen, BWLer, Juristen und eben nicht die Werauchimmers einstellen.

Sich zu bewerben ist nicht jedermanns Sache. Es ist für viele Menschen ungewohnt. Das ist überhaupt nicht schlimm. Es ist auch nicht schlimm, wenn ich Ihrer Bewerbung anmerke, dass Sie nicht im Bewerbungschreiben geübt sind. Sie bewerben sich ja nicht als Bewerberin oder als Bewerber, sondern als Mediengestalter, Ingenieurin, Kraftfahrer, Buchhalterin, Lagerist oder Sprechstundenhilfe, oder, oder, oder.

Ich bin als Bewerbungsempfängerin nicht, wie man in meiner Geburtsregion sagen würde, „auf der Brennsuppn dahergschwommen“, sondern ich kann mich beim Lesen Ihrer Bewerbung auf Sie einstellen und tue das auch entsprechend. Ich erwarte von einem Controller nicht, dass er schreibt wie eine Germanistin, oder von der Werkstoffwissenschaftlerin, dass sie sich ausdrückt wie ein Jurist. Und von niemandem erwarte ich, dass er oder sie fabuliert wie eine Schriftstellerin oder ein Werbetexter (es sei denn, Sie sind Schriftstellerin oder Werbetexter).
Versuchen Sie, Tippfehler möglichst zu vermeiden. Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie damit Schwierigkeiten haben. Aber formulieren Sie selbst. Schreiben Sie dem Ansprechpartner einen freundlichen, höflichen Brief. Lassen Sie in Ihrem Lebenslauf nichts Wichtiges weg. Und wenn es gefordert ist, legen Sie Ihre Zeugnisse bei. Geben Sie alle Informationen, die das Unternehmen wissen möchte, z.B. Verfügbarkeit und Gehaltsvorstellung.

Wenn Sie sich gerne beraten lassen möchten, tun Sie das. Ich würde mir einen Berater suchen, der mir nichts abnimmt, sondern mir hilft, besser zu werden, und das, was ich vorhabe, selbst zu tun. Ich würde niemanden wollen, der meinen Lebenslauf „schön“ formuliert. Ein durchgestyltes Unterlagenpaket ist nicht alles. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung.

Ich möchte nicht, dass Sie Angst haben, sich zu bewerben. Ich möchte Sie ermuntern, sich neugierig auf das Abenteuer Bewerbung einzulassen – denn ein Abenteuer ist es, weil Sie anfangs noch nicht wissen, was am Ende herauskommen wird. Vielleicht geraten Sie nicht immer an einen verständnisvollen Personaler, es gibt ja bekanntlich in jeder Berufsgruppe Gute und weniger Gute, und vielleicht werden Bewerbungen in Zukunft ganz anders ablaufen als heute, das weiß ich nicht. Spannend bleibt das Thema aber allemal, und ich werde nächste Woche auch wieder einen Bewerbungstipp aus meiner persönlichen Meinungskiste hier veröffentlichen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Bewerbung, Meinung, recruiting

2 Antworten zu “Angst vorm Bewerben?

  1. Eine Bewerbung bringt viele Arbeitnehmer weit aus ihrer Komfortzone heraus, weil sie häufig nicht freiwillig erfolgt.
    Man muss sich bewerben, weil äußere Umstände einen dazu zwingen; Kündigung, Pleite, usw.
    Weil sie sich lieber nicht bewerben würden, haben sie Angst, sind verunsichert und wittern überall eine Falle.
    Blöd aber wohl menschlich.

    • Andrea Ha.

      Ja, es ist normal, sich außerhalb der Komfortzone unwohl zu fühlen; selbst „Bewerbungsprofis“ geht das mitunter so, wenn sie selbst eine Bewerbung schreiben.
      Mir geht es einfach darum, aus dem ganzen Hype heraus einfach mal aufs Wesentliche zu schauen, denn ich denke, dass Bewerbungen gar nicht so kompliziert sein müssen.

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