Bangemachen gilt nicht

Ein aktueller Suchbegriff, mit dem mein Blog gefunden wurde, lautet: „Personalauswahl Angst“.
Ich weiß nicht, ob der oder die Suchende hier die Antwort auf seine/ihre Frage fand.
Ich weiß auch nicht, ob es um einen Bewerber ging, dem beim Gedanken an den Bewerbungsprozess das Herz in die Hose gerutscht war, oder um jemanden aus der Fachabteilung oder gar um einen Personaler.

Dass man auf Bewerberseite nervös oder auch ängstlich ist, weil man nicht so recht weiß, worauf man sich bei der Jobsuche einlässt, das können sich wohl die meisten vorstellen. Aber Fachvorgesetzte oder Personaler haben doch keine Angst vor der Personalauswahl. Oder?

Personalauswahl ist ein Thema, das viele Menschen interessiert, und die meisten Leute halten sich auch für kompetent in dieser Sache. Jeder, der sich einmal beworben hat, weiß für sich, wie das zu machen ist mit der Personalauswahl. Wenn man nicht zum Zug kam für die Stelle, ist natürlich der Recruiter schuld, oder die Fachabteilung, oder der Arbeitgeber an sich, oder der Praktikant, der die Aufgabe bekommen hatte, die E-Mail mit der Absage zu schicken. Es gibt Tage, da kann es einem als Personaler schon angst und bange werden, wenn man so liest, wie Bewerber den Auswahlprozess wahrnehmen und welche Rolle sie dabei den Personalern oder Recruitern geben. Derjenige, der absagen muss, ist immer der Bösewicht.
Und wenn sich der ausgewählte Kandidat als nicht ganz passend entpuppt, und man sich während der Probezeit trennen muss, ist im Unternehmen auch häufig klar, woran es liegt: an den Personalern. Denn die hätten ja sehen müssen, dass das nicht funktionieren konnte. Oder?

Personalauswahl ist nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Personalauswahl sollte auch nicht die alleinige Verantwortung der Personalabteilung sein – es sei denn, es wird ein Personaler gesucht. Aber selbst dann kann es sinnvoll sein, andere mit ins Boot zu holen.
Apropos Boot, wer maritime Romane mag, Hornblower, Bolitho und wie die Helden der Meere nicht alle heißen, der kennt die Geschichten, wie man als Schiffskapitän an Personal kam. Man fing die Leute einfach ab, wenn sie betrunken aus der Kneipe kamen, nahm sie mit, und wenn sie wieder nüchtern waren, hatten sie den Job.

Mancher scheint sich auch heute noch zu wünschen, Personalgewinnung wäre so simpel.

Wie bei so vielen Dingen im Leben ist auch bei der Personalauswahl das Drüberreden, die Kommunikation, der Austausch wichtig. Ein Team, das Verstärkung braucht, muss sich Gedanken machen, was die Aufgaben des/der Neuen sein sollen, und welche Kompetenzen er/sie dafür braucht. Und die Personalabteilung sollte nicht nur der Anzeigentexter sein, sondern mit dem Team gemeinsam über die Aufgaben und die Kompetenzen sprechen.
Wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten und vor allem miteinander reden, dann wird auch deutlich, dass am Erfolg oder Misserfolg einer Stellenbesetzung nicht nur einer „schuld“ ist.
Und dann sollte auch niemand Angst vor der Personalauswahl haben müssen.

Allen, die sich gerade im Auswahlprozess befinden und sich mal wieder die Haare raufen ob der vielen Anforderungen, die an sie gestellt werden, und ob der Zweifel, die sie befallen, was ihre Entscheidungen angeht, ein Wort des Zuspruchs: Sie sind nicht allein, und auch der beste Prozess ist nie narrensicher, so lange Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen beteiligt sind. Haben Sie Mut, Entscheidungen zu treffen, auch wenn Sie nicht 100%ig sicher sind, sondern vielleicht nur zu 95% oder zu 90%. Perfektion ist eine tolle Sache, aber ausbremsen lassen müssen wir uns dadurch nicht.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter recruiting

Eine Antwort zu “Bangemachen gilt nicht

  1. Wenn ich meine Bewerbungsgespräche so Revue passieren lassen, fällt mir vor allem auf, daß sie sich in den Jahren kaum verändert haben.
    Mein Bewerbungsgespräch um einen Ausbildungsplatz als Schlosser hat sich kaum von dem um eine Stelle als Maschinenbautechniker bei einem Spezialmaschinenfertiger unterschieden.

    1. Begrüßung
    2. Kurze Abfrage des Lebenslaufs
    3. Arbeitsplatzbeschreibung / Abfrage der Erfahrung
    4. Betriebsrundgang
    5. Noch Fragen?
    6. Wir melden uns bei Ihnen.

    2 mal wollte man Psychospielchen spielen – kein Stuhl für den Bewerber bzw. dauernde Unterbrechung des Gesprächs durch andere Tätigkeiten.
    Da bin ich einfach gegangen.

    Es mag sein, daß die Veränderungen in anderen Berufssparten größer sind, aber meiner Meinung nach sollte man sich als Bewerber vor allem nicht von irgendwelchen Hypes um angeblich wichtige neue Methoden der Personalfindung verunsichern lassen.

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