Die Qual der Wahl

Irgendwann trifft es jeden: die große Frage „Was will ich werden?“
Manche wissen das ja schon im Kindergarten (da wollte ich Krankenschwester werden, oder Chirurgin), in der Grundschule (mein Traum: Trambahnfahrerin), im Gymnasium (Tierärztin oder Pilotin oder Dirigentin), oder bekommen es von den Eltern mehr oder weniger deutlich gesagt, was sie denn werden könnten oder sollten.
Obwohl ich zum jeweiligen Zeitpunkt für mich ganz genau zu wissen schien, was ich werden wollte, kam es doch ganz anders.
Wenn ich mich heute mit Schülern oder Studenten unterhalte, bekomme ich auch entweder eine Liste von Berufen, die es sein sollen, oder ein klares: „Ich hab überhaupt keine Ahnung, was ich machen soll, da gibt’s doch auch so viel Auswahl.“

Ich erinnere mich an eine Art Test, den man im Berufsinformationszentrum bei der Arbeitsagentur machen konnte. Da kam für mich heraus, ich solle Dorfhelferin oder Heilerziehungspflegerin werden. Auch diesbezüglich kam es ganz anders. Immerhin lebe ich auf dem Land und weiß, wie man einen Traktor zum Laufen bringt.

Nun könnte man heute ja sagen, in Zeiten des Internet sei es überhaupt kein Problem mehr, den passenden Beruf auszuwählen, schließlich seien die Informationen ja 24/7 verfügbar. Richtig, Informationen sind da, aber man muss die Informationen, die einem weiterhelfen, trotzdem erst einmal finden.

Ein toller Blogbeitrag dazu findet sich hier:
http://blog.recrutainment.de/2013/03/19/ein-berufs-leben-und-zigtausend-moglichkeiten-herkulesaufgabe-fur-junge-menschen-finde-den-richtigen-beruf/
Die Hoffnung, „alles“ beschreiben zu können, ist jedoch trügerisch, und den Schlusssatz von Jo Dierks kann ich unterschreiben: „Von der Hoffnung, wirklich den gesamten Kosmos an Berufswegen in dieser Form abbilden zu können, muss man sich ob der schieren Menge aber wohl verabschieden. Das wäre auch eine Aufgabe für Herkules…“

Aber vielleicht brauchen wir ja auch nicht „alles“, sondern einfach nur einen ersten Denkanstoß. Dieser Tage machte eine neue Plattform von sich reden: http://www.ausbildung.de
Bunt, auffällig, mit Berufscheck und vielen Prominenten.
Neugierig wie ich bin, habe ich den Berufscheck natürlich gleich gemacht und mein Ergebnis sagt, ich sei der „Cameron Diaz Typ“ und mit 94% Übereinstimmung zu meinen Aussagen finden sich folgende Berufe: Polizistin, Rettungsassistentin, Feuerwehrfrau, Fachkraft für Schutz und Sicherheit.
Immerhin 69% gibt es für Drogistin und Automobilkauffrau.

Einen Küchenbrand habe ich schon einmal gelöscht, als ehrenamtliche Sanitäterin kenne ich mich auch mit dem Helfen ein bisserl aus, für Autos interessiere ich mich und meine Mutter war Drogistin. Stünde ich heute wieder vor der Wahl eines Berufswegs, wer weiß, welchen Weg ich gehen würde.

Wenn auch der „Test“ recht simpel gestrickt ist, ein guter Wegweiser ist ausbildung.de allemal. Henner Knabenreich hat dazu natürlich auch schon geschrieben, gewohnt umfassend und lesenswert:
http://personalmarketing2null.de/2013/04/07/cameron-diaz-til-schweiger-ausbildungsmarketing/

Ich bin aufgrund meines „bunten“ Lebenslaufs vielleicht gar nicht diejenige, die Tipps geben sollte, was man denn nun werden könne. Ich habe es immer so gehalten, dass ich das gemacht habe, was ich gut konnte, und da ich mehr als eine Sache gut kann, habe ich auch in verschiedenen Berufen gearbeitet. Ich fühle mich in der Personalarbeit sehr zu Hause und kann dort viele Erfahrungen aus anderen Bereichen einbringen, aber was ich in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren machen werde, das steht in den Sternen. Daher finde ich persönlich auch wenig dabei, wenn jemand mal das Studienfach gewechselt hat oder nach der Ausbildung etwas ganz anderes macht. So lange das Abbiegen und Einschlagen eines anderen Weges einen guten Grund hat und nicht auf bloßer Langeweile beruht, kann das sehr bereichernd sein.

Wer am Ende des Studiums steht und nicht so recht weiß, was er mit sich anfangen soll, dem könnten möglicherweise diese Fragen helfen, eine Richtung zu finden:
– Welche Fähigkeiten und Kenntnisse erwerbe ich in meinem Studium?
– In welchen Bereichen würde ich diese Fähigkeiten und Kenntnisse gerne einsetzen?
– Was weiß ich über den aktuellen Arbeitsmarkt für Absolvent(inn)en meines Fachs? Wer könnte mir dazu weitere Informationen liefern?
– Wenn ich in die Zukunft blicke, wo sehe ich mich fünf Jahre nach meinem Abschluss?
– Was mag ich an meinem Studienfach, und was gefällt mir überhaupt nicht?
– Möchte ich lieber in einem kleinen oder in einem großen Unternehmen arbeiten?
– Woran würde ich merken, dass der Job, den ich habe, genau der Richtige für mich ist?
– Welchen Job würde ich auf gar keinen Fall machen wollen? Woher weiß ich das?
– Ich stelle mir vor, ich gewinne im Lotto und hätte genug Geld, um den Rest meines Lebens komfortabel gestalten zu können. Wie müsste eine Position beschaffen sein, dass ich dennoch arbeiten gehen würde?
– Welches waren bisher meine größten Erfolge?
– Welche Eigenschaften sind es, die mir dabei helfen, Erfolge zu erzielen?
– Welche Eigenschaft steht mir bei der Erreichung meiner Ziele manchmal im Weg?
– Bei welchen Aufgaben gelte ich z.B. in meiner Arbeitsgruppe als Experte/in?
– Bei welchen Aufgaben kann ich alles um mich vergessen, wann gehe ich ganz in einer Aufgabe auf?
– Bei welchen Aufgaben arbeite ich gerne in einem Team, welche Aufgaben erledige ich lieber alleine?
– Sehe ich mich selbst eher als Teamplayer oder als Einzelkämpfer?
– Kann ich auf sichtbare Erfolge meiner Arbeit warten, oder möchte ich schnelle Resultate sehen?
– Bin ich eher Generalist oder Spezialist? Macht es mir mehr Spaß, wenigen Dingen richtig auf den Grund zu gehen, oder möchte ich eher über viele Dinge etwas wissen?
– Was sagen Freunde, Bekannte, Vereinskollegen, Kommilitonen über mich? Womit haben sie Recht, wo liegen sie eher daneben?
– Worauf bin ich besonders stolz?

Als ich vor Jahren mal vor einer Entscheidung stand und überhaupt nicht weiterkam, weil ich mit „richtig oder falsch“ haderte, sagte jemand zu mir: „Es gibt keine richtigen oder falschen Entscheidungen. Es gibt nur Entscheidungen. Entscheide dich, und gehe mutig den Weg, der sich bietet.“ Als eher perfektionistisch veranlagter Mensch fand ich das erst einmal blöd. Ich dachte, es müsse doch wohl „den“ Weg geben, ich fände ihn nur noch nicht. Dann habe ich mich doch getraut und einfach eine Entscheidung getroffen, und siehe da, es ist nichts Schlimmes passiert. Im Nachhinein betrachtet war der Weg, den ich damals einschlug, nicht optimal, aber das wäre jeder andere wohl auch nicht gewesen.

Daher: Mut zur Entscheidung! Und viel Spaß beim Suchen und Finden!

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4 Kommentare

Eingeordnet unter recruiting

4 Antworten zu “Die Qual der Wahl

  1. Wie heißt es so schön: Hinterher kann jeder schlau sein.
    Das ist das Problem, wenn man seine Entscheidungen in der Rückschau hinterfragt.
    Wenn man nicht aufpasst, führt das ewige „hätte ich doch“ und „warum hab ich nicht…“ zur totalen Lähmung und man entscheidet irgendwann gar nicht mehr, sondern andere Leute entscheiden für einen.
    Wenn man sich einmal entschieden hat, dann muss man dazu stehen und den eingeschlagenen Pfad verfolgen; ohne ständig nach hinten zu schauen und zu überlegen, ob man nicht doch zurückgeht.
    Das heißt ja nicht, daß man sich an der nächsten Gabelung nicht doch für den Pfad entscheidet, der einen wieder mehr in Richtung des Ausgangspunktes führt. Aber es ist eben ein neuer Pfad…

    Ich wollte nie in Schlips und Kragen arbeiten (müssen). Also wurde ich Handwerker und ich war es lange Zeit gerne.
    dann änderten sich die Umstände und Schlips und Kragen im Büro sahen plötzlich gar nicht mal so schlecht aus. Ich wurde Techniker und machte mir nicht mehr die Hände schmutzig.
    Heute bin ich wieder Handwerker in einem ganz anderen Bereich und habe sogar eine eigene Werkstatt.
    Was ich morgen oder übermorgen machen werde? Keine Ahnung!

  2. Die „Qual“ der Wahl rührt ja meist daher, dass die Betroffenen nicht wirklich ein Ziel vor Augen haben, jedenfalls kein konkretes. Ziele sind dann eher die Begleiterscheinungen, wie „ein gutes Einkommen“, „abwechslungsreiche Arbeit“, „nette Kollegen“, … Aber was sie beruflich und auch in der persönlichen Entwicklung erreichen wollen, darüber machen sich die wenigsten Gedanken. Schade, denn so kann man auch schlecht wählen.

    Unser Autor Christian hat dazu heute als Orientierungshilfe 66 Fragen zur Jobwahl formuliert (http://karrierebibel.de/jobsuche-66-fragen-vor-der-jobwahl/). Das klingt zunächst mal viel – aber wenn man sich überlegt, dass es hierbei ja nicht um das Abarbeiten irgendwelcher Listen, sondern die eigene Zukunft geht (und das Bewusstmachen dazu), ist das vielleicht eher noch zu wenig.

    • Andrea Ha.

      Danke für den Link zu den Fragen.
      Ich denke, wenn man sich diesen ernsthaft stellt, ist man schon einen großen Schritt weiter, und hat eine bessere Vorstellung davon, wo es hingehen könnte.
      Wenn man es dennoch nicht genau weiß: ausprobieren ist erlaubt, finde ich. Man hat zwar nicht immer die Chance dazu, in verschiedene Jobs und Bereiche hineinzuschnuppern, aber wenn man die Chance hat, darf man sie ruhig nutzen.

  3. Pingback: Ausbildungsmarketing per Video | AHa-Erlebnisse

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