Flötentöne und Rampenlicht

Die Blockflöte ist ein Instrument, zu dem nahezu jeder eine Meinung hat, meist keine gute. Sie gilt als leicht zu erlernendes Einsteigerinstrument, und gerade in der Adventszeit wird sie hervorgekramt und benutzt. Hört man sich ein wenig um, gibt es kaum jemanden, der Blockflöten mag. Viele verbinden damit schlechte Erinnerungen, etwa weil sie als Kind selbst spielen mussten oder weil sie an die Zwangsbeglückung durch unzählige Blockflötenkinder denken.
Die Blockflöte ist, vielleicht weil die Grundlagen vergleichsweise einfach sind, ein eher unverstandenes Instrument.
Blockflöte gut zu spielen, so dass sie weder fiept noch quietscht, ist recht schwierig.

Das kann man durchaus lernen, und ich erinnere mich gerne an meine Blockflötenschüler, die mit Freude ihrer Flöte gute Töne entlockt haben. Die Schüler mussten aufeinander hören, ihre Atmung aktiv steuern, ihre Finger koordinieren, und vieles mehr. Das war auch für mich als Lehrerin nicht immer leicht, aber es hat sich, so meine ich, für alle Beteiligten gelohnt.

Wie komme ich denn nun in meiner Rolle als Personalerin in diesem Blog auf Blockflöten?
Ich denke, dass die Blockflöte und die Personalarbeit viel gemeinsam haben.

Ja, richtig gelesen. Denn schauen wir uns doch einmal die Personalarbeit ein wenig näher an. Fast jeder kann etwas dazu sagen – mindestens mal zum Thema Personalgewinnung, denn nahezu jeder war bereits in der Rolle des Bewerbers und hat so seine Erfahrungen gemacht. Gerade die Personalgewinnung hat viel vom Blockflötespielen: auf den ersten Blick nicht kompliziert, aber wenn man es wirklich gut machen will, ist es ganz schön anspruchsvoll. Auch andere Bereiche der Personalarbeit sehen meist nur einfach aus, sind es aber nicht.

Wie leicht redet man, wenn man, wie aktuell wieder vermehrt zu lesen, die Personalabteilung abschaffen möchte. Business Partner? Pustekuchen. Mehrwert? Nicht zu entdecken. „Die machen doch den ganzen Tag nix, wovon jemand etwas merkt, also brauchen wir sie auch nicht.“ („Und wenn sie mir nicht spätestens 24 Stunden nach meiner Bewerbung eine Einladung zum Gespräch schicken, dann taugen sie auch nix.“ Oder so.)

Wer meint, Personalarbeit sei leicht und mal eben aus dem Handgelenk geschüttelt, der unterschätzt die vielen spannenden und herausfordernden Facetten, die diese Arbeit mit sich bringt. Dass das so ist, hat viele Gründe. Einer davon mag sein, dass gute Personalarbeit oft tatsächlich nicht bemerkt wird. Da geht es Personalern ähnlich wie IT-lern, Automechanikern und Heizungsmonteuren. Wenn alles funktioniert, vermisst sie kein Mensch. Da könnte man doch auch auf diese Kosten verzichten. Aber wenn mal etwas nicht funktioniert, dann können sie das Problem gar nicht schnell genug lösen, und dann stellt man plötzlich fest, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, sie zu haben.

Auch eine Abteilung, die nicht regelmäßig im Rampenlicht steht, hat ihren Wert. Ab und zu sichtbar zu werden, und zwar im positiven Sinne sichtbar zu werden, gehört jedoch auch dazu. Und da können Personaler durchaus noch mehr tun. Anstatt sich zurückzuziehen, „weil die Geschäftsführung unsere Sprache doch eh nicht spricht“, „weil die Fachabteilungen uns nicht verstehen“, „weil wir doch keine Zahlen haben, die wir dem Controlling geben können“, macht es viel mehr Spaß und ergibt auch viel mehr Sinn, sich zu zeigen, selbstbewusst den Dialog zu suchen und auch mal nach vorne auf die Unternehmensbühne zu gehen. Der interessante Job, den wir Personaler haben, hat das durchaus verdient.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine wunderbare Adventszeit und ein schönes Weihnachtsfest!

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