Personaler im Elfenbeinturm?

Letzte Woche habe ich mir auf Empfehlung eines Kollegen das Buch „The advantage“ von Patrick Lencioni besorgt. Leseratte, die ich bin, habe ich das Buch nicht lange liegen lassen, sondern direkt angefangen zu lesen. Einige spannende Impulse habe ich daraus bereits mitgenommen. Was mir aufgefallen ist, dass Patrick Lencioni mehr als einmal davon spricht, dass die Personaler im Unternehmen häufig Führung und Leadership nicht unterstützen, sondern durch Strukturen und Regeln vieles bürokratisieren und so gar nicht am Puls dessen sind, was im Unternehmen passiert und passieren sollte.

Man könnte diese Beobachtung natürlich einfach beiseite schieben und sagen, ach, was die in anderen Ländern so wahrnehmen, interessiert nicht, hier ist es eh nicht so. Oder man könnte sagen, was wissen die anderen schon davon, was wir Personaler so tun, und warum.

Doch die Wahrnehmung ist kein Einzelfall. Immer wieder geistern Meldungen durch die Fachmagazine über Umfragen, die ergeben haben, dass im Unternehmen kaum jemand weiß, was HR tut, und wozu es gut ist, und ebenso regelmäßig  geht es in Diskussionen im Netz darum, dass HR unbeweglich sei und vom Business Partner immer noch weit entfernt.

Ob man das in dieser Absolutheit nun glauben möchte oder nicht, ignorieren sollte man es meiner Meinung nach nicht.

Es lohnt sich, einmal zu schauen, wie viele Personen im eigenen Umfeld tatsächlich wissen, was man so tut, und vielleicht sogar, warum. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Vorwurf, HR würde sich immer nur auf Paragraphen und Regeln und Strukturen zurückziehen, oft den Hintergrund hat, dass mein Gegenüber nicht weiß, was diese Paragraphen, Regeln und Strukturen bedeuten und warum sie in diesem Moment wichtig sind. Das ist dann eine gute Gelegenheit, genau das zu erklären. Gleichzeitig ist es eine Einladung, darüber nachzudenken, ob Regeln und Strukturen sinnvoll sind, oder ob es an der Zeit sein könnte, sie zu überarbeiten.

Es gibt Strukturen, die ich in der Personalarbeit für sehr wichtig halte. Alle Strukturen, alle Regeln, die mir helfen, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter ihr Gehalt bekommen, dass sie überhaupt ihre Arbeit machen können und dabei keinen unnötigen Gefahren ausgesetzt sind, sind notwendig. Darüber hinaus gibt es aber sicher Bereiche, wo sich Strukturen verändern lassen, wenn es für das Unternehmen und seine Ziele Sinn ergibt.

Mit liebgewonnenen Traditionen  und Vorgehensweisen bricht es sich nicht so leicht. Man fühlt sich meist ja recht wohl in dem Eckchen, das man sich so gemütlich eingerichtet hat. Und man muss auch nicht alles über Bord werfen, nur weil jemand eine kritische Bemerkung gemacht hat. Trotzdem sind neue Impulse wichtig, für die eigene Entwicklung, und dafür, etwas in der Hand und auch im Kopf zu haben in den Diskussionen zum Elfenbeinturm der Personaler.

Denkanstöße kommen immer mal aus, sagen wir, bekannten Richtungen, z.B. von Kolleginnen und Kollegen, die bloggen oder anderweitig präsent sind. So habe ich den Blogartikel von Ina Ferber mit dem provokanten Titel „Personalauswahl? – Zeitverschwendung!“ mehr als einmal gelesen, weil mich die darin formulierten Thesen zum „Daran herumdenken“ inspiriert haben. [http://employerreputation.wordpress.com/2012/10/07/personalauswahl-zeitverschwendung/]

Denkanstöße können aber auch aus ganz anderen Richtungen kommen. Ich lese sehr gerne mal querbeet, Bücher, Blogs, Artikel. Viel Gedankenfutter bekomme ich bei Volker Remy [http://www.volkerremy.de/] und beim Gebrauchsgrafiker Oliver Schuh [http://blog.diegebrauchsgrafiker.net/], um nur zwei Quellen zu nennen.

Ich möchte neugierig bleiben. Ich möchte schon manchmal in meinem Eckchen sitzen und es gemütlich haben, aber ich möchte auch herauskommen und eben nicht den Elfenbeinturmeindruck festigen. Impulse sind willkommen – ich freue mich darauf!

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