„Etwas mit Menschen machen…“

Es gibt ganz unterschiedliche Wege ins Personalwesen. Dass ich einmal in diesem Bereich landen würde, habe ich vor 20 Jahren, als ich kurz vor dem Abitur stand, noch nicht geahnt. Ich bin Quereinsteigerin und habe einiges an Zeit und Energie (und durchaus auch Geld) investiert, um mir die nötigen Fachkenntnisse anzueignen. Ausgelernt habe ich noch lange nicht, aber das ist ja auch das schöne an der Personalarbeit, dass es nie wirklich langweilig wird, sondern dass sich immer neue Aspekte auftun.

Ich werde immer mal angesprochen, ob ich nicht Tipps für andere Quereinsteiger geben könne, die auch gerne ins Personalwesen einsteigen wollen, weil sie „etwas mit Menschen machen“ wollen. Wenn ich einen schlechten Tag habe, möchte ich manchmal antworten: „Auch Busfahrer, Fitnesstrainer und Bestatter machen etwas mit Menschen, warum soll es denn ausgerechnet Personalwesen sein?“. Da ich aber höflich bin und mehr gute als schlechte Tage habe, frage ich meist zurück, wie gerne die Person denn mit Zahlen umgeht. Die Reaktion darauf ist gemischt, meist jedoch verständnislos, und es wird betont, wie wichtig doch die Arbeit mit Menschen sei.

Ja, es ist richtig, dass ich als Personalerin natürlich mit Menschen zu tun habe. Mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit Führungskräften, mit Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern, mit Kolleginnen und Kollegen, mit Dienstleistern… aber genauso viel habe ich mit Zahlen zu tun. Statistiken, Berichte, Budgets, Gehaltsrunden, Rechnungen, um nur einiges zu nennen und von der Lohnabrechnung gar nicht erst anzufangen. Möchte ich meine Arbeit professionell machen, brauche ich Kenntnisse, die über „Ich bin ein netter Mensch und arbeite gerne mit Menschen“ hinausgehen. Diese Kenntnisse kann ich mir auf verschiedenen Wegen aneignen, aber es geht einfach nicht ohne. Oft ist Personalarbeit einfach solides Handwerk. Sei es bei der Vertragsgestaltung, bei der Zeugniserstellung, beim Schreiben von Abmahnungen, bei der Formulierung von AGG-gerechten Ausschreibungen, beim Planen von Weiterbildungen, überall brauche ich Fachwissen. Gerade für Quereinsteiger ist es unverzichtbar, sich nicht nur auf die menschliche Komponente der Personalarbeit zu konzentrieren, sondern zu schauen, was sonst noch dahinter steckt.

Mensch zu sein und im Personaleralltag auch zu bleiben ist wichtig, keine Frage. Die Personaler sind jedoch nicht die Sozialarbeiter, Pastoren oder Händchenhalter im Unternehmen, zumindest dann nicht, wenn sie auch bei strategischen Fragen mitreden und nicht allein als die „Blümchen-und-Harmonie-Abteilung“ wahrgenommen werden wollen, die hauptsächlich dafür da ist, dass Urlaubstage richtig gezählt werden und dass am Ende des Monats auch Geld aufs Konto kommt.

Die Mischung macht’s. Ich möchte Personalwesen nicht als Zahlenschubserei verstehen, nicht als die reine Verwaltung von Humankapital, aber es geht auch nicht nur um Zwischenmenschliches. Immerhin existiert ein Unternehmen, um Geld zu verdienen, und dazu leistet auch die Personalabteilung einen Beitrag. Mal einen kleinen, mal einen größeren.

Wer „etwas mit Menschen machen“ möchte, kann im Personalwesen durchaus seine berufliche Heimat finden. Er oder sie darf gleichzeitig auf die vielen anderen Aspekte des Berufsfelds gespannt sein und wird eines jedoch nicht finden: Langeweile.

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